Nach den Wahlen ist vor den Wahlen: Das scheinen sich die Grünliberalen des Bezirks Baden auf die Fahnen geschrieben zu haben. In einer Medienmitteilung kündigt die GLP das Projekt «Obersiggenthal» an.

In vier Jahren will die Partei bei den Gesamterneuerungswahlen in Obersiggenthal den Wahlkampf aufmischen, um für die Legislatur ab 2022 Sitz im dortigen Einwohnerrat zu gewinnen.

«Unser Ziel ist es, in allen Aargauer Einwohnerräten vertreten zu sein», sagt GLP-Bezirksparteipräsident und Wettinger Einwohnerrat Orun Palit. «Dazu braucht es viel Vorarbeit. Deshalb möchten wir bereits zu Beginn des Jahres 2018 mit dem Projekt starten.»

Dass die GLP derart kämpferisch und selbstbewusst in die kommende Legislatur startet, liegt nicht zuletzt an den vergangenen Gesamterneuerungswahlen vom September.

Die Partei konnte im Badener und Wettinger Einwohnerrat gleich einen doppelten Erfolg verbuchen. So holte sie je zwei zusätzliche Sitze und wird ab 2018 in beiden Einwohnerräten über je vier Mandate verfügen. Nicht zuletzt konnte die Kleinpartei auch dank grossen Kandidatenlisten mit je rund 20 Kandidierenden Stimmen holen. Dabei setzte sie bewusst auf einen hohen Frauenanteil und eine gute Altersdurchmischung.

Dass die Partei bereits in vier Jahren auch in Obersiggenthal mit einer 20-Kandidaten-Liste in den Wahlkampf steigt, ist eher unwahrscheinlich, zumal sie im Dorf noch keine Ortspartei hat. «Eine solche aufzubauen, ist Knochenarbeit, zumal wir praktisch bei Null anfangen», sagt Palit.

Chancen durchaus gegeben

In Obersiggenthal sprechen die Parteien der GLP durchaus Chancen zu. Grundsätzlich sei Obersiggenthal eine offene Gemeinde, sagt SVP-Fraktionspräsident Eugen Frunz, das gelte auch für neue oder kleine Parteien. So hat die BDP vor vier Jahren erstmals einen Sitz im 40-köpfigen Gremium gewonnen und auch die EVP als Kleinpartei ist mit zwei Sitzen vertreten.

Allerdings: Wer in Obersiggenthal einen Sitz im Einwohnerrat gewinnen will, muss einiges leisten und im Dorf gut vernetzt sein, so der Tenor bei den Parteien. «Die Parteizugehörigkeit kann dabei in bestimmten Fällen fast schon eine untergeordnete Rolle spielen», sagt CVP-Fraktionspräsident Erich Schmid.

Da ticke Obersiggenthal noch eine Spur ländlicher als etwa Baden. FDP-Ortsparteipräsident und Einwohnerrat Stefan Semela teilt diese Meinung. «Nur eine grosse Liste zu haben, nützt noch nicht viel, wenn ‹Nonames› aufgelistet sind.»

Bei der GLP ist man sich durchaus bewusst, dass ein Sitzgewinn stark von den Persönlichkeiten abhängen wird. «Deshalb fangen wir bereits in wenigen Wochen mit der Aufbauarbeit an», sagt Palit.

Dennoch ist er überzeugt, dass bei den Einwohnerratswahlen auch die Partei eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen wird. «Wir sind eine Mittepartei, die auch wählbar für linke und rechte Wähler ist.» Man wolle bewusst keine Partei mehr sein, die lediglich für ökologische und ökonomische Themen steht beziehungsweise als solche wahrgenommen werde.

«Beispielsweise haben wir in Wettingen mit Ruth Jo. Scheier und Yvonne Hiller zwei Einwohnerrätinnen, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen», sagt Palit. Insofern greife man auch nicht die Sitze einer bestimmten Partei wie etwa FDP oder der Grünen an.