Auf den «Griechischen Herbst» folgt im Badener Kurtheater bald der «Orientalische Frühling». Mit dem Frühjahrsprogramm endet im März die letzte Spielzeit vor dem Umbau des Hauses. Am 28. März feiert das Kurtheater dann statt einer Abbruch- eine grosse «Aufbruchparty», zu der alle Theaterliebhaber der Region eingeladen sind.

Damit endet ein Drama, das sich über Jahre hingezogen hat, doch noch glücklich.

Im Januar 2017 wies das Bundesgericht die letzte Beschwerde gegen die Umbaupläne ab. 15 Jahre nach der ersten Projektstudie kann das Theater nun ab Anfang April umgebaut werden.

Gleichzeitig beginnt die Kantonsarchäologie mit Bodengrabungen, da das Theater auf römischem Siedlungsgebiet steht. Lara Albanesi, die Gesamtleiterin des Kurtheaters, freut sich auf den bevorstehenden Baubeginn: «Wir sind jetzt mit Hochdruck dabei, ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Programm zusammenzustellen. Und wir suchen Räumlichkeiten, in denen wir in der neuen Saison spielen werden.»

Theater in der Langmatt

Unter dem Slogan «Kurtheater Ausser Haus» werden Produktionen an zahlreichen Orten in der Stadt zu sehen sein – unter anderem im Museum Langmatt, im Nordportal und in der Alten Schmiede. «Auch die Abonnemente werden in einem kleineren Rahmen wieder angeboten», sagt Albanesi. Die bisherigen Abonnenten seien in den letzten Tagen informiert worden.

Es werde ein intensives Programm geben – mit grossen Leckerbissen: «Es wird super. Wir werden in der Bauzeit weiterhin ein grosses Haus sein und grosse Namen nach Baden holen.» Das detaillierte Programm für die neue Saison wird am 13. Juni bei der Veranstaltung «Was war – Was kommt» im Museum Langmatt bekannt gegeben. Das Programm gestaltet noch einmal der Dramaturg Armin Kerber.

Im Frühjahr 2020 wird das Kurtheater dann unter einer neuen künstlerischen Leitung wiedereröffnet. «Der Plan ist, dass wir Ende 2019 einziehen und dann fulminant im neuen Haus starten können», sagt Lara Albanesi.

Die Administration des Kurtheaters wird während der Bauzeit ein Büro im nahen Museum Langmatt an der Römerstrasse beziehen. Dass dort vor kurzem die Wohnung im obersten Stock frei wurde, sei ein wunderbarer Zufall. «Das ist ideal für uns, da wir ja das Bauprojekt eng begleiten werden», so Albanesi.

Die bisherigen Büros im Studiogebäude des Kurtheaters müssen weichen, der Anbau wird abgebrochen. Das Umbauprojekt «Équilibre» der Zürcher Architekten Elisabeth und Martin Boesch sieht neben dem Abbruch des Studiogebäudes unter anderem eine Erweiterung des sogenannten Bölsterli-Foyers über dem Eingang an der Parkstrasse und eine umfassende Sanierung des Bestandes vor. Zudem wird eine neue Hinterbühne erstellt und dafür auch der Bühnenturm erneuert.

450 Jahre Theatertradition

Seit seiner Eröffnung 1952 wurde das Kurtheater nie umfassend saniert. Teile des Hauses, wie etwas das gläserne Sachs-Foyer, stehen unter kantonalem Denkmalschutz. Der Entwurf der jungen Architektin Lisbeth Sachs für das neue Kurtheater ging 1939 aus einem Wettbewerbssieg hervor.

Das älteste Theater der Schweiz liess der Rat der Stadt Baden 1672 am Oelrain beim heutigen Theaterplatz bauen. Schon seit 1570 wurden aber im Haus zum Herrengarten am Schlossbergplatz Komödien vor 400 Zuschauern aufgeführt. Nach 450 Jahren kann nun ab 2020 endlich ein neues Kapitel der langen Badener Theatertradition geschrieben werden.