Wenn Benjamin Marti, Chef der Dienstgruppe zwei von den Einsätzen erzählt, läuft vor dem inneren Auge des Zuhörers beinahe ein Krimi ab, obwohl Marti aus ermittlungstaktischen Gründen nicht ins Detail gehen darf.

Nur so viel: Von aussen sind die Spielhöllen, in denen illegal gezockt wird, kaum erkennbar. Sie befinden sich fast ausschliesslich in öffentlichen Lokalen, Internetcafés und Clubs oder genauer deren Hinterzimmer, die als solche gar nicht erkennbar sind. «Wenn draussen immer Autos rumstehen, aber wir im Lokal kaum je Kundschaft sehen, kann das ein erstes Indiz sein, dass der Betreiber sein Geld nicht nur mit dem Verkauf von Essen und Getränken verdient», sagt Marti.

Die Repol beziehungsweise die Dienstgruppe zwei, verbuchte 2015 und 2016 gleich mehrere erfolgreiche Einsätze gegen illegale Glücksspiele und Sportwetten: So stellte sie 2016 insgesamt 40 Wettcomputer und Spielterminals sicher – 2015 waren es 22.

Auch Wettkarten und Bargeld für illegale Sportwetten gingen ins Netz. Insgesamt brachte die Repol in den beiden Jahren 26 Fälle zur Strafanzeige. 2015 waren es 17 Fälle, 9 im Jahr 2016. Zum Vergleich: Die Stadtpolizei Baden, die unter anderem auch für die Gemeinden Birmenstorf, Ennetbaden, Turgi, Ober- und Untersiggenthal zuständig ist, hat in diesem Sachzusammenhang in den vergangenen Jahren nur vereinzelt Anzeigen erstellt, wie Stadtpolizeichef Martin Brönnimann bestätigt. «In unserem Zuständigkeitsgebiet gibt es aber vermutlich weniger solcher einschlägiger Lokalitäten.»

Bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), die für die Strafverfahren bei illegalen Glücksspielen zuständig ist, zeigt man sich vom Erfolg der Repol beeindruckt. «Wir eröffnen pro Jahr rund 130 Fälle», sagt Maria Saraceni, Mediensprecherin bei der ESBK. Da seien 17 Fälle in einem Jahr einer einzigen Regionalpolizei durchaus beachtlich.

Hotspots bleiben geheim

Die Repol ist für die Gemeinden Wettingen, Würenlos, Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach und Bergdietikon zuständig. Wo genau sich die Spielhöllen befinden und ob es in diesen Gemeinden Hotspots für illegale Glücksspiele gibt, gehört zu jenen Fragen, welche die Repol aus taktischen Gründen nicht bekannt geben will.

«Wir haben aufgrund von Hinweisen und Ermittlungen festgestellt, dass sich illegale Glücksspiele in verschiedenen Gemeinden unseres Einsatzgebiets schleichend vermehrt haben», sagt Repolchef Roland Jenni. Im Einzugsgebiet seien die Voraussetzungen für illegale Glücksspiele mit der Nähe zu Zürich, dem Autobahnanschluss oder der Bevölkerungsdichte besser als in anderen Regionen im Aargau.

Zusätzliches Know-how

Mit dem 24-Stundenbetrieb, der 2014 eingeführt wurde, ist die Repol nachts und am Wochenende deutlich präsenter, was mehr Kontrollen ermöglicht. Aussschlaggebend für die Zahlen ist jedoch vor allem, dass sich die Dienstgruppe zwei nebst ihrer regulären Aufgaben auf die Betreiber illegaler Spielhöllen spezialisiert hat.

Will heissen: Die Mitglieder der Dienstgruppe haben sich zusätzliches Know-how angeeignet, um gezielt gegen die Betreiber vorzugehen. «Am Anfang führten wir unsere Einsätze noch in Zweierteams durch», sagt Gruppenchef Marti. «Aber damit wir gezielter und schneller vorgehen können, haben wir für die geplanten Einsätze die Patrouillenstärke auf vier und mehr erhöht», sagt er.

Denn unter den Betreibern haben sich die Einsätze herumgesprochen. So wie die Polizisten mit jedem Einsatz lernen, so würden auch die Betreiber dazulernen. Dies erschwere die Einsätze, sagt Marti und fügt hinzu: «Letztlich ist ein Einsatz mit mehreren Personen auch sicherer.»

Je nach Art des Verstosses kommt die Staatsanwaltschaft Baden oder die ESBK ins Spiel. Letztere verhängt in der Regel Geldbussen zwischen 3000 und 15 000 Franken. Die höchste mögliche Busse wäre 500 000 Franken bis hin zur Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwaltschaft ist für illegale Sportwetten zuständig. In der Schweiz dürfen nur «Swisslos» und «Loterie Romands» Sportwetten durchführen. Auch mit der Lotterie- und Wettkommission Comlot arbeitet die Repol zusammen. «Sie hat für uns eine Partner- und Beraterfunktion und ist meistens in unsere Verfahren involviert», sagt Jenni.

Vorreiter im Aargau

Die Repol Wettingen-Limmattal sei auf diesem Spezialgebiet quasi ein Vorreiter im Aargau, sagt Jenni und fügt an: «Die verschiedenen Regionalpolizeien tauschen sich untereinander regelmässig aus, unter anderem um das Know-how weiterzugeben. In diesem Rahmen wurden wir auf unsere Erfahrungen mehrfach angesprochen.»

Benjamin Marti macht darauf aufmerksam, dass es bei den illegalen Glücksspielen nicht nur darum geht, Gesetzesverstösse zu ahnden. «Wichtig ist auch, dass wir die Spieler schützen.» Diese machen sich nicht strafbar, wenn sie spielen. «Bei den Spielern handelt es sich oft um Personen, die von der Sozialhilfe leben, verschuldet oder spielsüchtig sind und in den Casinos keinen Zutritt haben», sagt Marti und fügt an: «Bei den Betreibern handle es sich in der Regel um Ausländer.»

Nicht selten würden sie im Auftrag für Hintermänner die Automaten betreiben und dafür einen monatlichen Betrag erhalten. «Den eigentlichen Gewinn streichen die Hintermänner ein», erklärt Marti. Die Hintermänner zu stellen, sei aber Aufgabe der Spielbankenkommission.

Eine Studie der Universität Bern geht von rund 350 Millionen Franken aus, die in der Schweiz jährlich mit illegalen Glücksspielen und Wetten umgesetzt werden. «Weil wir hier von einem illegalen Geschäft sprechen, ist es jedoch gut möglich, dass dieser Betrag deutlich höher liegt», sagt Manuel Richard, Direktor der Comlot.

Was die Arbeit der Repol betrifft, so nutzt sie die Aussagen von Spielern wie auch Betreibern, um Informationen zu weiteren Spielhöllen zu erhalten. «Wir stellen allerdings fest, dass die Zahl dieser einschlägigen Lokale aufgrund des Kontrolldrucks rückläufig ist», sagt Marti.

Man könne jedoch noch nicht mit Sicherheit sagen, ob illegale Glückspiele und Sportwetten ebenfalls abgenommen haben oder, ob sich Betreiber und Zocker in den Privatbereich zurückgezogen haben.