Siggenthal
GoEasy-Arena: Die Betreiberin von Halle, Restaurant und Hotel ist pleite

Vor einem Jahr wurde in Siggenthal Station das grösste Hallensportzentrum im Aargau eröffnet. Für den Betrieb war "BPM Sports" zuständig - diese Firma musste nun ihre Bilanz deponieren. Zu den Gläubigern gehört auch die "GoEasy Freizeit & Event AG" von Beat Anliker.

Pirmin Kramer
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Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das grösste Sport- und Leistungszentrum des Kantons Aargau eröffnet: die GoEasy-Arena in Siggenthal Station. Kosten: 13 Millionen Franken. Hier trägt unter anderem der NLB-Handball-Verein TV Endingen seine Heimspiele aus; zum Zentrum gehören aber auch ein Bowling- und Fitnesscenter, ein Sporthotel und ein Restaurant.

Die Besitzerin des Zentrums, die GoEasy Freizeit & Event AG um Verwaltungsratspräsident Beat Anliker, hat den Betrieb im Juli 2016 per Vertrag an die Firma BPM Sports Management GmbH ausgelagert.

Diese war nun mit Ausnahme des Fitnesscenters für das Tagesgeschäft des ganzen Zentrums zuständig, also den Unterhalt der Halle, den Betrieb von Hotel, Restaurant und Bowlingcenter, die Zusammenarbeit mit den Vereinen, das Durchführen von Kursen und Sportwochen.

Die GoEasy-Arena in Station Siggenthal: Hier trägt der TV Endingen seine Heimspiele aus.
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So sah das GoEasy noch wenige Wochen vor der Einweihung im Januar 2016 aus.
Am 23. Januar 2016 wurde die Halle eingeweiht: Das Derby zwischen dem TV Endingen und dem STV Baden wollten 1800 Zuschauer sehen.
Der Betreiber der GoEasy-Arena ist pleite, im Fitness-Raum wird aber weiterhin geschwitzt: Markus Schmid, Geschäftsführer von GoEasy-Fitness. Denn die Besitzerin der Arena, die GoEasy Freizeit & Event AG, ist laut Verwaltungsratspräsident Beat Anliker nicht in Bedrängnis. Sie hat den Betrieb von Halle, Bowlingbahn, Restaurant und Sporthotel wieder in die eigenen Hände genommen.
28. Dezember 2016: Bundesliga-Handball-Star Andy Schmid trainiert beim Sportheon-Handballcamp im GoEasy mit Jugendlichen und Kindern.
Im GoEasy tragen die Futsal-Spieler der Maniacs aus Wettingen Heimspiele aus.
Anfang September 2016 fand in der Halle die Futsal Trophy Switzerland statt.
Ende der Saison 2015/16 war das GoEasy bei zwei Nervenschlachten zwischen dem TV Endingen und dem HSC Suhr Aarau mit rund 2200 Zuschauern proppenvoll. Suhr Aarau gewann das zweite (Wiederholungs-)Spiel und stieg in die NLA auf.
Am 4. März 2016 wird der NAB-Sportler des Jahres 2015 in der GoEasy-Arena gekürt. Im Bild: Tennisprofi Amra Sadikovic mit Moderator Jann Billeter.
Eröffnet wurde das "GoEasy" am 19. September 2008. Schon damals gehörten die 12 Bowlingbahnen dazu.
Damals gehörte auch die Kartbahn zum GoEasy. Ihr Betrieb wurde nach einigen Jahren eingestellt und stattdessen zwei Dreifachhallen erstellt.
In der Kartbahn waren auch mehrere Formel-1-Fahrer zu Gast. Hier Nick Heidfeld Anfang September 2009.

Die GoEasy-Arena in Station Siggenthal: Hier trägt der TV Endingen seine Heimspiele aus.

foto-net / Alexander Wagner

Die Betriebsfirma hat nun ihre Bilanz deponieren müssen, wie Tele M1 am Dienstag berichtet. In einem Schreiben an die Gläubiger heisst es: «Wir informieren Sie, dass die BPM Sports Management GmbH als Betreiberin der GoEasy-Arena zahlungsunfähig ist. Per 23. Januar wurde die Bilanz deponiert. Somit sind wir gezwungen, unsere Aktivitäten in der GoEasy-Arena einzustellen. Wir bedauern diese Entwicklung zutiefst.»

Mehrere 10'000 Franken Schaden für GoEasy-Freizeit & Event GmbH

Beat Anliker hält fest: «Wichtig ist zu betonen, dass die Bilanz der Bebreiberfirma deponiert wurde. Die Besitzerfirma, die GoEasy Freizeit & Event AG, ist kerngesund, wir sind nicht in Bedrängnis.» Er habe den Vertrag aufgelöst, bevor die Betreiber-Firma ihre Bilanz deponiert habe, hält Anliker fest.

VR-Präsident Beat Anliker hat den Betrieb wieder in die eigenen Hände genommen.

VR-Präsident Beat Anliker hat den Betrieb wieder in die eigenen Hände genommen.

Indirekt nehme aber auch seine GoEasy Freizeit &Event AG Schaden, sagt Anliker: «Auch wir zählen zu den Gläubigern, der finanzielle Schaden für uns beläuft sich auf mehrere 10'000 Franken. Dies wegen Rechnungen, die für den Betrieb der Halle angefallen und noch nicht bezahlt worden sind.»

Ausserdem habe der Ruf von GoEasy gelitten: «Es haben sich einige Zulieferer, beispielsweise Lebensmittelfirmen oder Elektriker, bei mir persönlich gemeldet. Ich musste ihnen erklären, dass es uns gut geht und dass es die Betreiberfirma sei, welche zahlungsunfähig sei.»

Bei der Qualitätsprüfung habe BPM Sports Management einen topseriösen Eindruck gemacht, sagt Anliker. «Es gab keinerlei Anzeichen für die bevorstehende Insolvenz. Die ganze Angelegenheit ist für uns sehr ärgerlich.» Nun ist wieder Anliker selbst mit seiner Firma für den Betrieb zuständig. «Wir möchten dieses unangenehme Kapitel so schnell wie möglich abschliessen.»

Umstrittener Deal mit der Stadt

Die GoEasy-Freizeit & Event AG geriet bereits vor einem Jahr wegen eines Deals mit der Stadt Baden in die Schlagzeilen. Die Stadt gewährte der Firma ein Darlehen von 1 Million Franken bei einem Zins von 2,5 Prozent, um im Gegenzug neben der Rendite von einem wöchentlichen Nutzungsrecht für die Dreifachhalle zu profitieren. Ursprünglich war gar ein Zins von 4 Prozent vorgesehen, was für einiges Misstrauen sorgte. Stadtammann Geri Müller erklärte: «Das Risiko der Stadt besteht in einem Konkurs der Firma.» Beat Anliker hält fest: «Unsere Firma existiert seit zehn Jahren und ist sehr gut aufgestellt. Es besteht kein Grund zur Sorge.»

"Uns fehlten die Kapitalreserven"

Rainer Gilg, Managing Director von BPM Sports Management GmbH, sagt: «Wir hatten darauf gebaut, die Kosten aus dem laufenden Betrieb decken zu können. Doch leider klappte das nicht. Uns fehlten im Nachhinein betrachtet die Kapitalreserven für sicher 6 Monate. Dies brach uns das Genick.» Die GoEasy-Arena sei die einzige Sportstätte, die er mit seiner Firma betrieben habe, sagt Gilg. Fünf Mitarbeiter seien für die Arena zuständig gewesen. Diese stehen zusammen mit weiteren Mitarbeitenden auf Stundenbasis nun zuoberst auf der Liste der Gläubiger. Gilg: «Der Schaden beläuft sich auf rund 150 000 bis 200 000 Franken, allerdings ohne die Forderungen von Beat Anliker.»

Übrigens: Rainer Gilg hätte am 4. Mai in der GoEasy-Arena als Referent auftreten wollen. Thema: «Sportanlagen erfolgreich führen». Der Event ist wieder abgesagt worden.

Stadt Baden nimmt keinen Schaden

Der Stadt Baden ist kein finanzieller Schaden entstanden. Das Darlehen wurde Anlikers Firma gewährt und nicht der Betreibergesellschaft. Der Badener Stadtammann Geri Müller erklärt deshalb gegenüber TeleM1, dass er sich keine Sorgen mache.

Go-Easy-Halleneinweihung
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Eine Übersicht über die mit 1780 Fans prallgefüllte GoEasy-Arena in Station Siggenthal beim Eröffnungsspiel der Nationalliga B: TV Endingen – STV Baden.
Eine Übersicht über die mit 1780 Fans prallgefüllte Goeasy Arena in Station Siggenthal beim Eröffnungsspiel der Nationalliga B: TV Endingen – STV Baden.
Lukas Riechsteiner (MItte, Endingen) in der gut gefüllten Halle.
Nemanja Sudzum (am Ball, Endingen) beim Sprungwurf in der prallgefüllten Go easy Arena in Station Siggenthal.
Nemanja Sudzum (Mitte, Endingen) gegen Björn Navarin (links) und Remo Hochstrasser (rechts, beide Baden).
Karlo Ladan (vorne, Endingen) gegen Thomas Stadler (Baden, hinten)
Badens Spielertrainer Björn Navarin (links) gegen Karlo Ladan (rechts, Endingen).
Nemanja Sudzum (links, Endingen) gegen Badens Spielertrainer Björn Navarin (rechts).
Remo Hochstrasser (links, Baden) gegen Lukas Riechsteiner (rechts, Endingen).
Pascal Bühler (links, Baden) gegen Simon Huwyler (rechts, Endingen).
Adi Lehner (links) Goalietrainer und Björn Navarin, Spielertrainer des STV Baden hatten die Ehre, das erste Spiel der neuen Arena zu bestreiten. „Das ist eine schöne Ballsporthalle, wirklich gelungen“, meinte Navarin, der als Profi in der Schweiz und Deutschland schon viele Hallen gesehen hat.
Michael Spuler (links) und Fabian Ammann, das Trainerduo des TV Endingen nach dem ersten gewonnen Spiel. „Das ist ein Riesenschritt nach vorne, endlich haben wir ein zu Hause“, freuen sich die beiden.
Thomas Meier, der 15 Jahre im Rückraum des TV Endingen spielte mit seinen 4jährigen Zwillingen Alina (links) und Laura.
Lukas Keller (rechts), Gemeindeammmann von Endingen und Peter Keller, Vizeammann von Endingen sind enorm erleichtert über die neue Halle.
Roger Keller, der 100 Länderspielte für die Schweiz absolvierte, Jürgen Krucker, neuer CEO vom SHV und Marco Ellenberger, Pressechef vom SHV. Auch die Verbandsspitze vom Schweizer Handballverband liess sich die Eröffnung nicht entgehen.
Uwe Mall, der 100 Länderspiele für die Schweizer Nationalmannschaft bestritt mit seiner Frau Ariane besuchte seit langem wieder mal ein Spiel.
Kreisläufer unter sich: Patrick Schneider (links), langjähriger Spieler des TV Endingen und der Wettinger Wädi Mueller, der 97 Länderspiele am Kreis bestritt und 40 Jahre bei GC als Spieler, Trainer und Sportchef war.
Regierungsrat Alex Hürzeler mit seiner Frau Ursula. „Das ist ein Meilenstein für den Aargauer Sport“, freut sich der Sportminister.
Der Endinger Handballvater und Gründer des TV Endingen, Heinz Schärer, mit seiner Frau Bea. „Das ist ein absoluter Freudentag“, meint der Vater von Flügeflitzer Stefan Schärer, der bei den olympischen Spielen 1996 in Atlanta Fahnenträger war.
Bruno Anderes (links), technischer Leiter von der HSG Siggenthal / Vom Stein Baden und Ulrich Rubeli, Zentralpräsident vom SHV. „Das Projekt wurde auch von uns unterstützt, schliesslich ist der Aargau eine Handballhochburg“, erklärt der Präsident des Handballverbandes.
Christian Koch, Leiter kantonale Sektion Sport vom BKS mit Beatrice Kovacs vom Aargauer Rennverein. „Das ist wirklich etwas für den Sport“, freut er sich.
Jonathan Knecht (links) und Goalie Dario Ferrante, beides verletzte Spieler des TV Endingen: „Das ist ein grosser Moment für uns. Wir haben glaub schon in allen Hallen des Kantons Aargau gespielt“, erklärten die beiden, welche den Start leider nicht auf dem Spielfeld erleben konnten.
Gute Laune beim ehemaligen Präsidenten Werner Locher (links) und Toni Hasler, welche die erste Mannschaft des TV Endingen gemeinsam trainierten. „Das ist phantastisch sind sich die beiden ehemaligen Trainer einig.“ und „Das ist ein Quantensprung ergänzt der Ex-Präsident Locher gutgelaunt.

Go-Easy-Halleneinweihung

Alexander Wagner