Lärm, Stimmengewirr, Lösungsmittelgeruch. Die Arbeiter verschwinden im grosszügig angelegten Foyer in einer Feinstaubwolke. Sie fräsen und schneiden im Eingangsbereich. Sie verlegen Leitungen und färben Böden. Sie montieren in den Garderoben die Kästen. Hier soll am Samstag der neue Vorzeigebau des Aargauer Sports feierlich eingeweiht werden. Wer an diesem Vormittag durch den Bauch der Halle marschiert, dem kommen Zweifel. Das Gebäude gleicht einer Grossbaustelle.

«Die Leute erwartet eine Baustelle – aber auch eine neue Wettkampfhalle»: Das sagt VR-Präsident Beat Anliker kurz vor der Eröffnung der Go-Easy-Arena.

Apropos Baustelle: Wenn es um zeitgemässe Infrastruktur geht, sind Aargauer Sportvereine nicht zu beneiden. Bei vielen Anlagen ist der Lack am Blättern. Stadien wie das Brügglifeld in Aarau oder die Altenburg in Wettingen besitzen zwar einen rauen Charme, sie sind aber frei von jeglichem Komfort. Ähnlich unbefriedigend präsentiert sich die Situation bei den Handball-Vereinen. Die Hallen der Spitzenklubs sind entweder in die Jahre gekommen oder zu engräumig – oder beides zusammen.

Abhilfe soll jetzt ausgerechnet ein Bau im schmucklosen Industriegebiet Hard in Siggenthal Station schaffen. Eingeklemmt zwischen einem Zementwerk und einer Recycling-Firma. In Rekordzeit ist die Go Easy-Arena entstanden. Ein Sport- und Unterhaltungskomplex modernster Prägung – wenn er fertiggestellt ist.

13 Millionen teurer Bau

Noch steht der Feinschliff an. Auf der blauen Spielfeldfläche, wo übermorgen der Auftakt in eine neue Ära stattfinden soll, fehlen nach wie vor die Linien. Die imposante Betontribüne, die 1600 Sitzplätze bietet, wirkt kalt und abweisend. Beat Anliker beruhigt. «Keine Sorge, wir sind voll im Plan. Am Samstag werden für das Nationalliga-B-Spiel zwischen dem TV Endingen und STV Baden Kissen für die Zuschauer bereitliegen», versichert der Verwaltungsratspräsident der GoEasy Freizeit & Event AG.

Der umtriebige Berner Unternehmer hat das Projekt angestossen. Kostenpunkt: Rund 13 Millionen Franken. «Finanziert ohne irgendwelche Steuererhöhungen», wie er betont und fälschlicherweise behauptet worden sei. Fünf Millionen haben Bund und Kanton beigesteuert, eine Million kommt aus dem Umfeld des Hauptmieters, des TV Endingen und der Gemeinde.

Die Aktionäre beteiligen sich mit 3,4 Millionen. Die restlichen vier Millionen laufen über eine Hypothek. Noch offen ist, ob die Stadt Baden mit einem Darlehen von einer Million einsteigt. Sollte die Stadt verzichten, stünde laut Anliker eine Gemeinde auf der Warteliste bereit, um die frei werdenden Kapazitäten zu übernehmen.

Investor Anliker hat ausgerechnet, dass die GoEasy-Halle vom ersten Tag an gewinnbringend betrieben werden kann. Den Betriebsaufwand von 1,2 Millionen Franken stehen fixe Einnahmen durch die Hallenmiete von 1,02 Millionen gegenüber. Die restlichen Erträge sollen durch die Mantelnutzung erzielt werden.

Bis 18 Vollzeitangestellte

Bis im Frühling sollen die restlichen Bauarbeiten abgeschlossen sein. Laut Anliker steht ab Ende Februar die zweite Dreifachturnhalle zur Verfügung. Im März nimmt das Hotel mit seinen 58 Betten den Betrieb auf und ab April dient das GoEasy als Aargauer Zentrum zur Durchführung von Aus- und Weiterbildungskursen im Rahmen von Jugend+Sport. Die Eröffnung für das Fitnessstudio und den Tanzclub Silex ist für September vorgesehen. Ausserdem dient die Anlage künftig dem Behindertensportverband PluSport und der Handball-Nationalmannschaft als Stützpunkt. Sobald der ganze Betrieb hochgefahren ist, rechnet Anliker 15 bis 18 Vollzeitangestellten, die für den Unterhalt der Halle zuständig sein werden.

Wie gut das Team um Geschäftsführer Tobias Wegmüller bereits eingespielt ist, wird sich am Samstag zeigen, wenn um 16.15 Uhr die Eröffnungsfeier stattfindet. Auf der Gästeliste stehen unter anderem Ständerätin Pascale Bruderer, Regierungsrat Alex Hürzeler und Mattias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport. Im Anschluss kämpfen Endingen und Baden in der neuen Halle erstmals um Punkte. Begleitet von Lärm und Stimmengewirr.