Untersiggenthal

GoEasy-Verwaltungsrat Beat Anliker: «4 Prozent sind kein hoher Zins»

Beat Anliker beim Spatenstich zum Bau des Hallensporzentrums «Go Easy». Er will nun einen gigantischen Wasserpark sowie ein Fussballstadion bauen.

Beat Anliker beim Spatenstich zum Bau des Hallensporzentrums «Go Easy». Er will nun einen gigantischen Wasserpark sowie ein Fussballstadion bauen.

Wer ist der Mann, dessen Firma «Go Easy» die Stadt Baden ein Millionen-Darlehen gewähren will? Ganz einfach: Beat Anliker. Geschäftsführer, Hauptaktionär und Mitglied des «Go Easy»-Verwaltungsrates.

Zurzeit sorgt er mit seinem 13-Millionen-Projekt «Go Easy» für Schlagzeilen, dem Hallensportzentrum in Untersiggenthal, das heute in zwei Wochen eröffnet. Doch eigentlich will Beat Anliker noch viel höher hinaus: Er verfolgt Pläne für einen gigantischen Freizeitpark mit dem Namen «Aquamania». Vorgesehen war der Bau ursprünglich in Oensingen SO.

Der 150 Millionen Franken teure Wasservergnügungstempel sollte die längste Röhrenrutschbahn der Welt, eine Canyoning-Anlage mit künstlichem Wildwasserbach, einen Tropenwald sowie Sprudel- und Thermalbäder enthalten. «Wir hatten in Oensingen bereits das Land gekauft, und wir waren uns einig mit der Gemeinde. Doch dann kam es zu Wechseln im Gemeinderat, der nicht mehr bereit war, das Land in ein Gewerbe- und Freizeitgebiet umzuzonen.»

Oensingens Gemeindepräsident Markus Flury (FDP) erinnert sich: «Nicht nur ich persönlich, sondern der Gesamtgemeinderat lehnte das Projekt ab.» In erster Linie, weil der Gemeinderat der Meinung war, die Baulandreserve lieber für Gewerbe und Industrie und neue Arbeitsplätze brauchen zu wollen, statt für diesen Freizeitpark. «Hinzu kam, dass wir der Meinung waren, das Projekt sei zu utopisch», sagt Flury.

Beat Anliker erklärte bereits 2012: «Für mich stellt sich nicht die Frage, ob Aquamania gebaut wird, sondern nur noch wann und wo.» Dazu steht er noch heute: «Wir haben einen neuen Standort gefunden, ausserhalb der Schweiz, und es dauert nicht mehr lange, bis wir über das Projekt informieren können.»

Neben dem Wasserpark werde das Gesamtprojekt ein Fussballstadion, eine Sporthalle, zwei Hotels und diverse Gewerberäume enthalten. «Die Planung und Realisierung geschieht gemeinsam mit der Standortgemeinde, die das Land in das Projekt einbringt. Und dieses Mal wird es keine politische Kehrtwende geben.»

Zerwürfnis wegen Minigolf-Anlage

In die Schlagzeilen geriet die Firma «Go Easy» vergangenen Sommer, weil die Zusammenarbeit mit der Bad Zurzacher Thermalquelle AG scheiterte. Anliker und «Go Easy» hatten die Minigolf-Anlage gepachtet, doch es kam zum Zerwürfnis.

«Wir forderten einen Zaun rund um die Anlage zum Schutz vor Vandalen. Als der Vermieter nichts unternahm, beschlossen wir, die Anlage nur dann zu öffnen, wenn es wirtschaftlich Sinn macht.» Die Verantwortlichen der Thermalquelle AG fanden dieses Vorgehen «wenig kundenfreundlich» und kündigten den Vertrag.

«Dies, nachdem wir diesen Vorschlag bereits Monate zuvor gemacht hatten, die Thermalquelle aber an GoEasy als kompetentem Betreiber festhalten wollte», so Anliker. «Wir haben der Thermalquelle schon damals vorgeschlagen, dass sie die Anlage besser selber betreiben würde und so Synergien mit den anderen Betrieben möglich wären. Dass dies nun so gemacht wird, erachte ich als beste Lösung.»

Bestens läuft es in Untersiggenthal, wo heute in zwei Wochen das Hallensportzentrum mit dem Namen «Go Easy» eröffnet. Erstellt worden sind zwei Dreifachsporthallen, 2000 Zuschauerplätze sowie ein Sporthotel und ein Restaurant. Unter anderem der NLB-Handballverein TV Endingen wird hier seine Heimspiele austragen.

In die Schlagzeilen geraten ist das Sportzentrum diese Woche, weil der Badener Stadtrat bekannt gab, dass er mit der Firma «Go Easy Freizeit & Event AG» einen Deal eingehen will (siehe Box): Baden soll der Firma ein Darlehen von 1 Million Franken über eine Laufzeit von 10 Jahren gewähren – und erhält im Gegenzug einen für viele überraschend hohen Maximalzins von 4 Prozent pro Jahr.

Viele fragen sich: Wer ist der Mann, der diesen Deal aufgegleist hat? Der 50-jährige Anliker ist Geschäftsführer, Hauptaktionär und Mitglied des «Go Easy»-Verwaltungsrates.

Anliker wuchs in der Stadt Bern auf und absolvierte die höhere Wirtschafts- und Verwaltungsschule. Er spielte in der Freizeit Handball beim BSV Bern und machte sich danach vor allem als Trainer einen Namen, unter anderem bei der Schweizer Junioren-Nationalmannschaft sowie bei den Zürcher Grasshoppers, wo er auch als Manager tätig war.

«4 Prozent sind kein hoher Zins»

Den Vorwurf, der vorgesehene Zins von 4 Prozent sei ausserordentlich hoch, hat er mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Die Vermutung, der sehr hohe Zins sei ein Indiz dafür, dass die Stadt Baden mit dem Deal ein hohes Risiko eingehe, entspreche nicht den ökonomischen Tatsachen, erklärt Anliker.

«Die Höhe des Zinssatzes hat in diesem Fall nichts mit Risiko zu tun. 4 Prozent Zins sind in der Immobilienbranche keineswegs viel. Eine Nettorendite von 4 Prozent ist sogar eher knapp.» Der Stadtrat Baden hingegen schreibt in der Vorlage an das Stadtparlament, eine Rendite von 4 Prozent dürfe im heutigen Zinsumfeld als hoch bezeichnet werden.

Es handle sich beim geplanten Vertrag um eine Partnerschaft, von der beide profitierten, so Anliker: «Das Darlehen ermöglicht es unserer Firma, das Eigenkapital zu erhöhen, mit der Folge, dass wir bei der Bank bessere Kreditkonditionen erhalten.

Die Stadt wiederum erhält einerseits Zins auf das Darlehen, und kann zudem die Halle für einen Abend ihren Vereinen zur Verfügung stellen.» Darüber hinaus erhalte die Stadt Vorzugskonditionen für die weitere Hallennutzung.

Das Darlehen ist auf 10 Jahre fest abgeschlossen. Eine Amortisation könne jederzeit erfolgen, oder aber nach den 10 Jahren könnten die Partner eine neue Übereinkunft treffen, erklärt er.

Der Stadtrat kommt bei seiner Risikoüberlegung, die er in der Vorlage an den Einwohnerrat darlegt, zum Schluss: «Das Risiko der Stadt besteht in einem Konkurs der Firma.» Dazu sagt Anliker: «Mir ist wichtig zu betonen, dass weder ich noch einer der Investoren je mit einer Firma in Konkurs gingen.»

Zudem bestehen die Haupteinnahmen der neuen GoEasy-Arena laut Anliker zu einem erheblichen Teil aus festen Mietzinseinnahmen mit seriösen Vertragspartnern wie dem Kanton, dem schweizerischen Handball-Verband, PluSport oder langjährigen, solid geführten Vereinen und Unternehmen. «Diese Verträge sind auf 10 bis 15 Jahre ausgelegt und bringen 75 Prozent des Deckungsbeitrages, bereits bevor der erste Ball in der Halle rollt.»

Über die kritischen Zeitungsberichte der vergangenen Tage ist Anliker erstaunt: «Jahrelang hatte der TV Endingen keine eigene Sporthalle, keine Heimat. Und auch bei vielen anderen Gemeinden mangelt es an Sporthallen für die Vereine.»

Vielen Gemeinden gelinge es nicht mehr, neue Sporthallen zu bauen. «Nun haben wir als private Unternehmung, mithilfe des Swisslos Sportfonds Kanton Aargau und des Bundesamts für Sport ein Projekt in Rekordzeit realisiert, das einen grossen Teil der Hallenprobleme löst und gute Partnerschaften mit der Gemeinde Endingen und der Stadt Baden vorsieht – und schon soll es schon wieder nicht in Ordnung sein?»

Man sollte «in der ganzen Polemik» berücksichtigen, dass die zahlreichen Sportvereine eine enorm wichtige Arbeit bezüglich Jugendfreizeit, Integration und Gesundheit leisteten. Dies zu fördern, sei durchaus auch Aufgabe der öffentlichen Hand, und wenn dies mit Darlehen geschehe statt mit Mieten, könne dies aus Sicht des Steuerzahlers auch keine schlechte Lösung sein.»

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