Die «Golfplatzzone» ist vom Tisch: Mit 692 Nein zu 651 Ja haben die Bergdietiker Stimmberechtigten am Wochenende die Teiländerung der Nutzungsplanung samt Anpassung der Bau- und Nutzungsordnung an der Urne abgelehnt. Die Stimmbeteiligung erreichte rekordhohe 77,7Prozent – ein Zeichen dafür, wie stark das private Projekt für eine 18-Loch-Golfanlage im Naherholungsgebiet auf dem Herrenberg die Gemüter in Bergdietikon bewegte. In der Referendumsabstimmung gelang es den Gegnern, den Entscheid der Gemeindeversammlung vom vergangenen Juni zu kehren. Damals wurde die Ausscheidung einer Golfplatzzone mit 321 Ja zu 294 Nein noch knapp gutgeheissen.

«Weniger knapp» erwartet

Befürworter wie Gegner bemühten sich gestern nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses um Sachlichkeit. Er sei erfreut über das Nein an der Urne, sagte André Gutenberg vom Verein «NoGolf@Herrenberg» auf Anfrage. Allerdings habe er mit einem weniger knappen Ausgang zu seinen Gunsten gerechnet. Ein klareres Ergebnis, so Gutenberg, hätte den «Frieden im Dorf» schneller zurück gebracht.

Er sei «enttäuscht und traurig», sagte Nils Planzer, einer der Mitinitianten der Golfpark Herrenberg AG. Allerdings sei er davon ausgegangen, dass es sehr knapp werden könnte. Das Ergebnis müsse nun so entgegengenommen werden, «wie es ist».

Im Abstimmungskampf seien die Argumente sachlich ausgetauscht worden, betonte Planzer im Namen der Golfplatz-Initianten. Die gegnerische Seite attestierte der Golfpark Herrenberg AG ebenfalls, «einen guten Job» gemacht zu haben, wie sich André Gutenberg vom Verein «NoGolf» ausdrückte. Anders fällt sein Urteil mit Blick auf den Gemeinderat aus. Dieser habe «massiv in den Wahlkampf eingegriffen». Dadurch seien «Emotionen geschürt worden». Er hoffe, dass der Gemeinderat die Wogen jetzt etwas glätte, so Gutenberg.

Zukunft ist «völlig offen»

Laut Nils Planzer wird die Golfpark Herrenberg AG nach dem endgültigen Nein zur beantragten «Golfplatzzone» in den nächsten Tagen überlegen, was weiter geschehen soll. Alles sei «völlig offen». Das heisst: Ob die Golfplatzpläne endgültig begraben werden oder ob allenfalls Überlegungen für ein modifiziertes Projekt angestellt werden.

«Wir bleiben weiter am Ball», heisst es denn auch bei «NoGolf». Nachdem sich der Gemeinderat selber zum Promotor der Sache gemacht habe, sei eine Salami-Taktik nicht auszuschliessen, so Gutenberg. Für ihn sei es wichtig, dass nun die Stadt Zürich mit ihrem Landanteil am Herrenberg «den Riegel schiebt». Erst dann sei der Golfplatz wohl endgültig vom Tisch.

Bergdietikon steht mit seinem Nein zu einem Golfplatzprojekt nicht allein da. Vor kurzem erst erhielt ein Vorhaben in Bad Zurzach an der Urne eine Abfuhr – nachdem dort, wie in Bergdietikon, Gemeindeversammlung und Gemeinderat die Anlage befürwortet hatten.

Hauptgrund für diese ablehnende Haltung ist nach Ansicht Planzers der Hang einer Mehrheit der Bevölkerung «zum Bewahren». Viele hätten «Angst vor Veränderungen», so der Limmattaler Unternehmer und Golffan. Die Menschen seien heute sensibler beim Umgang mit knappen Ressourcen, hält Gutenberg. Eine Mehrheit habe sich dagegen ausgesprochen, dass «so viel Land für eine kleine Sportart und für Privilegierte geopfert» werde. Er wehrt sich allerdings, in die Ecke der «Verhinderer, Ewiggestrigen und Neider» gedrängt zu werden. «Wir haben mit nachvollziehbaren Fakten argumentiert», so Gutenberg.

Der Gemeinderat hatte das Golfplatzprojekt in seiner Stellungnahme als «Gewinn für Bergdietikon» bezeichnet – für die Natur, die Tierwelt und das Dorf, das an Standortattraktivität deutlich gewänne.