Baden

Gordischer Knoten ist endlich gelöst: Der Einwohnerrat sagt deutlich Ja zur Langmatt

Der Badener Einwohnerrat bekennt sich einmütig zur Sanierung des Museums und der Stiftung Langmatt.

Der Badener Einwohnerrat bekennt sich einmütig zur Sanierung des Museums und der Stiftung Langmatt.

Der Badener Einwohnerrat beschloss am Mittwoch im Trafosaal fast einstimmig, dass das Museum und die Stiftung Langmatt wie vorgeschlagen saniert werden können. Die Fraktionen von links bis rechts waren sich einig, dass die vorgelegte Strategie richtig sei. Auch zur Sanierung des Bezirksgebäudes und zur Immobilienstrategie sagt der Rat einstimmig Ja.

Am zweiten Sitzungsabend nach der langen Corona-Pause hat der Badener Einwohnerrat am Mittwochabend deutlich Ja gesagt zu der vom Stadtrat vorgelegten «Strategie Zukunft Langmatt». Das Traktandum war mit Spannung erwartet worden und lockte auch zahlreiche Zuschauer in den Trafosaal.

Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) konnte gleich zu Beginn der Beratung eine erfreuliche Mitteilung machen: Der Swisslos-Fonds des Kantons entsprach einem Gesuch der Stiftung Langmatt, sich mit einer Million Franken an der weiteren Planung zu beteiligen – vorausgesetzt, dass der Einwohnerrat der Vorlage zustimme.

Mischa Brandmaier (FDP), Präsident der Strategiekommission sagte, der Sanierungsbedarf der Langmatt sei unbestritten. Es tropfe ins Haus, es gebe keinen Zweifel, dass man rasch etwas unternehmen müsse. Die Kommission habe den geplanten Bilderverkauf aus der Sammlung anfänglich kritisch betrachtet, aber dann festgestellt, dass man das gesetzte Ziel der Sanierung der Stiftung Langmatt nicht anders erreichen könne.

«Magisches Dreieck für die Langmatt sinnvoll»

Markus Rausch, Präsident der Finanzkommission, strich die geglückte Zusammenarbeit der Stiftung Langmatt mit der städtischen Abteilung Kultur und dem Stadtrat heraus. Die Verteilung auf das «magische Dreieck: Stadt Baden - Stiftung Langmatt - AG Langmatt» sei sinnvoll. Die AG soll in Zukunft für den Unterhalt der Liegenschaft zuständig sein, während die Stiftung ganz für den Betrieb des Museums zuständig ist.

Susanne Slavicek (Team Baden) sagte, das Mäzenatentum sei im Aargau leider kaum verbreitet. Die Strategie zur Langmatt sei deshalb der richtige Weg und zeuge von einem frischen Wind. Der gordische Knoten in dieser Frage sei endlich durchschlagen, nachdem die Stiftung Langmatt seit ihrer Gründung mit zu knappen Finanzen gekämpft habe.

Mark Füllemann (FDP) sagte, seine Fraktion nehme den Bericht sehr zufrieden zur Kenntnis. Man habe schon bald, nachdem die Stadt Baden die Villa Langmatt mit ihrer Kunstsammlung 1988 erbte, gemerkt, dass die Stiftung nicht über genügend Kapital verfüge. Die FDP unterstütze die vorgeschlagene Variante «Juwel für alle» für die Zukunft des Museums. Der Verwaltungsrat der zu schaffenden AG Langmatt dürfe aber nicht deckungsgleich mit dem Stiftungsrat der Stiftung Langmatt sein. Die Badener Politik müsse mit zwei bis drei weiteren Vertretern im Verwaltungsrat vertreten sein.

Einigkeit über den gordischen Knoten

Auch Steffi Kessler (SP) sprach von der lange ersehnten Lösung des gordischen Knotens bei der Langmatt. Die SP unterstütze die Rollenverteilung zwischen Stiftung und Stadt sowie die Umsetzung der Variante «Juwel für alle».

Mike Rinderknecht (SVP) unterstrich die Bedeutung der Sammlung Langmatt für Baden. Er erinnerte an die wechselvolle Geschichte der Langmatt und die Bedingungen, die John A. Brown in seinem Testament festhielt, als er die Villa und die Kunstsammlung der Stadt vermachte. Die SVP sei sehr erfreut darüber, dass die Zukunft der Langmatt jetzt endlich gesichert sei. Rinderknecht sprach als Vierter von der Zerschlagung des gordischen Knotens, was zu allgemeiner Heiterkeit im Saal führte.

Fabian Hummel (GLP) gratulierte Langmatt-Direktor Markus Stegmann für seinen grossen Einsatz und dafür, was er in den letzten Jahren aus dem Haus gemacht habe. Hummel sagte aber auch: «Wir bekommen mit der Strategie nicht nur ein Juwel, wir bezahlen auch ein Juwel.» Man müsse sich fragen, was mit einem allfälligen Mehrertrag aus dem Bilderverkauf geschehe. Obwohl er aus formellen Gründen keinen Antrag zur Vorlage des Stadtrats stellen konnte, wiederholte er seine Idee, einen eventuellen Mehrertrag der Stiftung zu einem Teil auch für die Sanierung des Gebäudes einzusetzen.  

Die Langmatt als internationaler Leuchtturm

Auch die CVP unterstütze die vorgelegte Strategie einstimmig, wie Thomi Bräm erklärte. Er sagte, die Langmatt müsse als international ausstrahlender, kultureller Leuchtturm zusammen mit den Bädern noch stärker zur Standortvermarktung der Stadt Baden eingesetzt werden.

Steven van Petegem (Grüne) erwiderte, bei der Bekanntheit gäbe es noch viel Luft nach oben. Die Grünen seien ebenfalls erfreut über die vorgelegte Strategie. Der geplante Bilderverkauf stosse bei der Fraktion auf keine Begeisterung, aber sei ein notwendiges Übel.

Stadtrat Erich Obrist sagte in seinem Schlusswort, die Langmatt sei ein schönes Erbe, das die Stadt 1988 erhalten habe. Aber eben auch ein schwieriges Erbe, das mit grosser Verantwortung verbunden sei. Das Museum stehe an der Römerstrasse in einem aufblühenden Quartier und lade heute jede und jeden ein, Ausstellungen zu besuchen, den Park zu geniessen. Zum möglichen Mehrertrag aus dem Bilderverkauf sagte Obrist, eine teilweise Ausschüttung an die Stadt sei gar nicht möglich, aber die Stiftung werde einen allfälligen Mehrertrag für die weitere Entwicklung der Langmatt einsetzen. Er hoffe, dass die Badener Politik geschlossen in die Volksabstimmung über die Strategie gehen könne. Erich Obrist fand Gehör im Saal: Alle fünf Anträge zur Strategie Langmatt nahm der Einwohnerrat einstimmig oder mit sehr grosser Mehrheit an.

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