Als an der letzten Einwohnerratssitzung über die Beteiligung der Stadt Baden am Grand Casino Baden diskutiert wurde, stand auch die Frage im Raum, ob der Stadtrat gedenke, zur nationalen Abstimmung am 10. Juni (siehe Box) Stellung zu beziehen. Stadtammann Markus Schneider (CVP) liess das damals noch offen, wies aber darauf hin, dass sich der Stadtrat als Gesamtbehörde in der Regel nicht zu nationalen Abstimmungen äussere.

Zur Erinnerung: Die Stadt Baden ist Mehrheitsaktionärin. Sie hält 50,01 Prozent, jedes Jahr fliessen gegen eine Million Franken Dividende in die Stadtkasse. Seit einigen Tagen hängt nun ein Ja-Plakat an der Terrasse des Grand Casinos. Bedeutet das nun, dass die Stadt indirekt doch für ein Ja zum neuen Geldspielgesetz wirbt, da sie ja letztlich Hauptbesitzerin der Spielbank ist? «Nein. Vielmehr ist das Casino vom neuen Geldspielgesetz direkt betroffen. Da erachte ich es als legitim, dass es sich im Interesse all seiner Aktionäre äussert und einsetzt – und das sind nebst der Stadt immerhin rund 2000 Einzelaktionäre», sagt Markus Schneider. Obwohl die Stadt vom Ausgang der Abstimmung betroffen sei, werde der Stadtrat bei dieser Abstimmung keine Stellung beziehen.

Der Vergleich mit dem Rotlicht

Jürg Altorfer, VR-Präsident der Stadtcasino Baden AG, betont: «Es ist unsere Pflicht, uns für das Unternehmen einzusetzen und für dieses die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.» Deshalb habe von Anfang an festgestanden, dass man sich für das neue Geldspielgesetz einsetzen werde. «An dieser Pflicht ändert auch die Tatsache nichts, dass die Stadt Baden 50,01 Prozent der Aktien hält», so Altorfer. Dass die FDP-Delegierten Schweiz die Nein-Parole gefasst haben, kann Altorfer, der von 2000 bis 2009 für die FDP im Badener Einwohnerrat sass, nicht nachvollziehen. «Ich würde mich als ur-liberal bezeichnen. Doch für mich stösst die Freiheit des Einzelnen dort an ihre Grenzen, wo das Wohl von anderen auf dem Spiel steht.»

Wenn das Gesetz am 10. Juni nicht angenommen werde, habe man im Online-Bereich weiterhin einen rechtsfreien Raum und auf Jahre hinaus im Internet keinen Schutz der Spieler vor Spielsucht, so Altorfer. «Da sind für mich die Grenzen der Freiheit überschritten.» Altorfer macht einen Vergleich mit dem Strassenverkehr: «Das ist, wie wenn Autofahrer mit einem ausländischen Nummernschild bei Rot über eine Kreuzung fahren dürften und dadurch die vielen, die sich an die Regeln halten, ungestraft gefährden könnten.»

Markt-Potenzial noch offen

Auch Grand-Casino-Chef Detlef Brose macht sich – wenig überraschend – für das neue Geldgesetz stark: «Es ist im ureigensten Sinne unserer Gesellschaften, unserer Aktionäre und unserer Gäste, Werbung für das Gesetz zu machen.» Dazu seien Geschäftsleitung und Verwaltungsrat verpflichtet. «Wir tun dies für alle Aktionäre und damit auch für die Stadt Baden.» Für Brose sprechen mehrere Gründe für das neue Gesetz: «Damit sichern wir jährlich die eine Milliarde Franken, die von den Casinos und den Lotteriegesellschaften als gemeinnützige Abgaben an AHV und Lotteriefonds geleistet werden.» Weiter würden diese Abgaben durch das neue Gesetz jährlich um rund 300 Mio. Franken steigen. Zudem werde im Online-Bereich der Spielerschutz verbessert; heute sei das faktisch ein rechtsfreier Raum. «Und vor allem verhindern wir durch das neue Gesetz, dass weiterhin jährlich über 250 Mio. Franken Spielertrag an illegal in der Schweiz operierende Glückspielanbieter ins Ausland abfliessen.»

Im Sommer 2017 hat das Grand Casino Baden mit «jackpots.ch» bereits sein Onlinecasino in Betrieb genommen. Roulette, Black Jack, Dutzende von Spielautomaten stehen virtuell im Angebot. Noch kann man nicht um Geld, sondern erst um Punkte spielen. «Wir sind sehr zufrieden. Das Interesse ist sehr gross; wir haben bereits mehrere tausend Spieler, die in unserem Onlinecasino spielen», verrät Brose. Mit dem Onlinecasino wolle man möglichst viele Erfahrungen sammeln, bevor der Markt geöffnet werde.

Dass das Grand Casino Baden auch einen monetären Nutzen bei einem Ja zum neuen Geldspielgesetz hätte, daraus macht Detlef Brose keinen Hehl. «Ja, wir setzen grosse Hoffnungen in den Online-Markt. Doch grundsätzlich unterscheidet sich darin unsere Branche nicht von anderen, die ebenfalls ihre Produkte zusätzlich im Internet anbieten und den Trend der Digitalisierung nutzen.»

Um wie viel der Spielertrag des Grand Casino Baden dank der Online-Erweiterung steigen würde, hänge von verschiedenen Komponenten ab, sagt Brose. Etwa von der Höhe der Spielbankenabgabe, dem möglichen Spielangebot oder den Schutzmassnahmen wie dem Blockieren der illegalen ausländischen Anbieter. «Auch spielt es eine Rolle, wie viele Online-Konzessionen in Zukunft in der Schweiz überhaupt vergeben werden.»