Die Nase läuft, die Glieder schmerzen, der Kopf ist heiss: Die Grippe hält Einzug – vor allem jetzt, Anfang Februar. Am Mittwoch gab das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bekannt, dass in der vergangenen Woche pro 100 000 Einwohner 222 Konsultationen aufgrund grippeähnlicher Symptome erfolgt sind – in der Vorwoche waren es noch die Hälfte.

Nicht nur im Büro ist das Risiko vorhanden, eine Grippe einzufangen, sondern auch in den Spitälern. Das BAG appelliert deshalb seit Jahren an Fachkräfte, sich gegen die Grippe impfen zu lassen.

Und wie sieht es beim Kantonsspital Baden (KSB) aus? Die Anzahl Impfungen sei aktuell noch nicht ausgewertet worden, sagt Andrée Friedl, leitende Ärztin Infektiologie und Spitalhygiene am KSB. Ein Blick auf die Quoten 2015 zeigt: 20 Prozent des Pflegepersonals liess sich impfen, 70 Prozent waren es bei den Ärzten.

Damit liegt das KSB über dem Deutschschweizer Schnitt: Wie eine Umfrage bei gut zwei Drittel aller Schweizer Spitalangestellten zeigt, lassen sich 16 Prozent des Pflegepersonals und 51 Prozent der Ärzte pieksen.

Das Gefälle erklärt Andrée Friedl wie folgt: «Influenzaimpfungen scheinen von der Pflege schlechter als von den Ärzten akzeptiert zu werden.» Ein Grund für die ablehnende Haltung sei, dass sich das Gesundheitspersonal für wenig anfällig hält, schreibt das BAG dazu in einer Informationsbroschüre. Studien zeigen jedoch: Jede vierte Fachkraft, die sich nicht impft, erkrankt im Winter selbst an Grippe. «Die Ärzte glauben an die Schulmedizin. Die Pflegenden hingegen verschliessen sich dem Argument, dass sie auch andere anstecken können, ohne selbst zu erkranken», sagte Franziska Berger, Pflegedienstleiterin am Spital Bülach, diese Woche dem «Tages-Anzeiger».

Auch befänden sich unter dem Pflegepersonal viele junge Menschen, die nie oder nur selten eine Grippe hatten, fügt Margot Enz Kuhn, Hausärztin beim Doktorzentrum Baden, an. Diese würde sich deshalb fragen, wieso sie sich impfen lassen sollten. Das Bewusstsein unter den Ärzten sei grösser. Denn: «Die Impfung macht man nicht für sich, sondern der Patienten wegen.»

Kampagnen zur Ermutigung

Das Bundesamt für Gesundheit hat vor einigen Jahren eine Impfquote von 70 Prozent für das Spitalpersonal ausgerufen. Die Raten des KSB liegen zwar unter diesem Wert, sind jedoch höher als diejenige des Kantonsspitals Aarau (KSA): Die Klinik weist eine Quote von 17 und 59 Prozent auf (siehe Tabelle). Gemein haben die beiden Kantonsspitäler, dass sie die Anzahl Grippeimpfungen in den letzten Jahren steigern konnten, vor allem bei den Ärzten.

Die Kliniken bemühen sich, die Belegschaft zur Grippeimpfung zu motivieren. «Seit vielen Jahren führen wir Kampagnen mit mündlichen und schriftlichen Informationen durch», erklärt Friedl. Man verteile Flyer, Broschüren und informiere die Angestellten über die hausinterne Plattform.

Die Impfung sei gratis und könne entweder während vorgegebenen Impfaktionen oder auf den Stationen durchgeführt werden. «Gratisgipfeli oder Desserts rundeten das Angebot immer wieder ab», sagt sie. Zudem, so Andrée Friedl, würden sich die Mitglieder des KSB-Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung jedes Jahr jeweils als Erstes impfen. Dadurch erhofft sich das Spital eine Vorbildwirkung.

Ziel: Höhere Impfquoten

Dass sich Impfkampagnen lohnen, zeigt das Beispiel des Verbandes Zürcher Krankenhäuser (VZK): Im Spätherbst 2015 wurden sämtliche Angestellten der Zürcher Spitäler angeschrieben. Die Resultate, die nun vorliegen, weisen eine um rund fünf Prozent gestiegene Impfquote auf. Und im Aargau? Die Vaka, die Aargauer Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen vereint, hat bisher keine speziellen Massnahmen zur Förderung der Grippeimpfung unter Fachkräften ergriffen.

Aber: «Höhere Impfquoten sind ein Ziel», sagt Hans Dössegger, Präsident der Vaka. Einem staatlichen Zwang stehe er aber sehr kritisch gegenüber. Denn es gebe durchaus auch Kontraindikationen, Probleme bei Schwangerschaften seien nicht auszuschliessen. Höhere Impfraten sollen durch Motivation erreicht werden, sagt Dössegger. Deshalb sei er gerne bereit, das Thema anlässlich einer Sitzung des Zentralvorstandes anzusprechen «und die Frage zur Diskussion zu stellen, ob eine Aktion analog des VZK auch bei uns sinnvoll wäre».

Ein Impfobligatorium kennt das Kantonsspital Baden nicht, weil es dafür keine gesetzliche Möglichkeit gebe, sagt Infektiologin Andrée Friedl. Doch: «Selbstverständlich sind wir an einer möglichst hohen Impfquote interessiert.» Dasselbe gilt für die anderen Spitäler im Aargau.

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) etwa macht seine Mitarbeitenden auf die Vorteile der Grippeimpfung aufmerksam und ermutigt sie, die Gelegenheit zu nutzen, sich impfen zu lassen. Man respektiere jedoch die Entscheide der Mitarbeitenden und sehe «daher auch davon ab, eine Impfung von oben herab anzuordnen», sagt Miriam Crespo Rodrigo, Leiterin Unternehmenskommunikation am GZF.

Auch Hausärztin Margot Enz Kuhn hält von einem Impfobligatorium nicht viel. Trotzdem findet sie, dass sich Ärzte und Personen, die im Gesundheitswesen arbeiten, impfen lassen sollten. Denn: «Wir sind stark exponiert.» Auch habe man es mit kranken und geschwächten Menschen zu tun, die gegen Influenzaviren weniger resistent sind. Vielmehr müsste man an die Selbstverantwortung appellieren.