Wettingen

Grösste Aargauer Wohnbau-Genossenschaft erhält neuen Chef für ihre 917 Wohnungen

Mario Jacober folgt auf Christoph Bernet

Mario Jacober folgt auf Christoph Bernet

Mario Jacober übernimmt bei der Wettinger Genossenschaft Lägern Wohnen den Posten des Geschäftsleiters auf Ende Jahr. Christoph Bernet prägte die Genossenschaft elf Jahre lang und sagt, warum er gekündigt hat.

Es ist die Lust auf eine neue Herausforderung, die Christoph Bernet zur Kündigung veranlasst hat. Nach elf Jahren als Geschäftsleiter der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern Wohnen zieht es ihn weiter. «Ich bin jetzt 53 Jahre alt – es ist für mich der letzte Zeitpunkt für einen beruflichen Wechsel», sagt er.

Der Entscheid bringe eine gewisse Wehmut mit sich, sagt er. «In meinem Alter braucht es sicher etwas mehr Überwindung zu diesem Schritt.» Auf der anderen Seite freut er sich auf eine neue Herausforderung. Welche es sein wird, steht noch nicht fest. Klar ist für ihn, dass sie auch ausserhalb der Immobilienbranche liegen kann.

Das kommt nicht von ungefähr: Bernet kam als Quereinsteiger zu Lägern Wohnen. Der einstige KV-Lehrling und Banker schlug sich nun mit Mietrecht und Bauprozessen herum. «Man ärgert sich als Nachbar vielleicht über ein Bauprojekt nebenan oder als Mieter darüber, dass die Heizung aussteigt», sagt er. So gesehen habe er viel Verständnis für die Perspektive der anderen Seite entwickelt.

Mieter gehen heute häufiger zur Verwaltung

Mieter sind in den letzten Jahren anspruchsvoller geworden, stellt er fest. «Sie hinter­fragen mehr.» Er hat den Eindruck, dass Mieter früher häu­figer kleine Probleme selbst erledigt haben, beispielsweise zum Schraubenzieher griffen, wenn sich ein Fenstergriff gelockert hatte. Oder dass sie zuerst das Gespräch mit dem Nachbarn suchten, wenn sie sich durch Lärm belästigt fühlten. Dementsprechend klingelt heute das Telefon häufiger bei der Verwaltung. «Ich denke aber, das ist eine gesellschaftliche Entwicklung», sagt Bernet.

Lägern Wohnen stellt sich den gemeinnützigen Auftrag, primär Leuten, die finanziell schwächer gestellt sind, günstigen Wohnraum zu ermöglichen. In Bernets Zeit als Geschäftsleiter der grössten Aargauer Wohnbaugenossenschaft fielen einige grosse Veränderungen. Auf der Badener Allmend wurden die Häuser aus den 50er-Jahren abgerissen und durch vier Neubauten mit total 35 Wohnungen ersetzt.

Im Wettinger Neufeld realisierte die Genossenschaft eine Überbauung mit 27 Wohnungen. Im Badener Kappelerhof wurden 133 Wohnungen erneuert. Heute gehören 917 Wohnungen zum Lägern-Bestand. Sie befinden sich zum Grossteil in Baden und Wettingen.

"Brand im Hochhaus ging glimpflich aus"

Froh ist Bernet, dass er in seiner Zeit als Geschäftsleiter nie eine Katastrophe hat miterleben müssen. «Einmal kam es zu einem Brand in einem Hochhaus. Dieser ging aber glücklicherweise glimpflich aus», erzählt er.

«Wir bedauern seinen Weggang sehr», sagt Patrick Bürgi, der Präsident der Genossenschaft. «Was Lägern Wohnen heute ist, ist sie auch dank Christoph Bernet», unterstreicht er. «Wir haben keine Leerstände. Unsere Wohnungen sind gut in Schuss.» Ende Jahr wird Bernet den Chefstab Mario Jacober, 49, weiterreichen. «Wir sind überzeugt, in ihm die richtige Person gefunden zu haben», sagt Bürgi.

Fasziniert vom Genossenschaftsgedanken

Jacober befand sich in einer ähnlichen Situation wie Bernet. «Ich habe eine neue Herausforderung gesucht», sagt der Architekt, der in der Privatwirtschaft tätig ist und demnächst in eine Lägern-Wohnung in Wettingen einziehen wird. «Der Genossenschaftsgedanke hat mich schon immer fasziniert», sagt er. Er habe ja in seinem Berufsleben schon sehr viele Bauprojekte gesehen. Oftmals hätten solche zu Beginn kreative oder innovative Elemente beinhaltet, die später aus Kostengründen wieder gestrichen wurden.

Insofern war er etwa beeindruckt vom «Autofreien Wohnen» an der Badener Gartenstrasse. Bei der im Juli 2017 bezogenen Siedlung verpflichten sich die Mieter dazu, selbst kein Auto zu halten. «Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie innovativ Genossenschaften sind.»

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