Die Stadt Baden tut sich schwer mit Hochzeiten – die angestrebte Fusion mit Neuenhof scheiterte an der Urne, Gespräche mit Ennetbaden über eine gemeinsame Zukunft sind zur Zeit auf Eis gelegt. Um diesen Zustand zu ändern, wurde «Traktandum 1» ins Leben gerufen. Bereits zum zweiten Mal veranstaltete der Verein eine Podiumsdiskussion, um das Anliegen einer geeinten und starken Region einem breiten Publikum zu präsentieren.  

Fusion als mögliche Lösung

Ob die Region Baden etwas von seinem westlichem Nachbar Aarau lernen könnte, fragte man sich zu Beginn des Abends und wagte einen Blick hinweg über die Bezirksgrenze. Dort nämlich wurde unter der Federführung von Marco Salvini das Projekt «Zukunftsraum Aarau» entworfen.

Elf Gemeinden gaben eine Studie in Auftrag, um eine engere Zusammenarbeit oder gar die Idee einer Gesamtfusion zu prüfen. «Wichtig ist in erster Linie, die Bevölkerung und Interessegruppen miteinzubeziehen», erklärte Salvini.   

Der Wettinger Raumplaner Beat Suter fungierte als kritischer Zuhörer und konnte dem Projekt durchaus positives abgewinnen: «Es ist ein transparenter Prozess mit einem offenen Ergebnis», so Suter, doch sei dies noch kein Garant für einen Erfolg.

«Wir sind in einem pragmatischen Zeitalter und lösen Probleme, die in den letzten dreissig Jahren entstanden sind.» Das sei zwar eine schwierige Aufgabe, dennoch müsse sie zwingend angegangen werden: «Viele angrenzenden Gemeinden stehen in einem Konkurrenzkampf, der nur mit einer Fusion behoben werden kann», ist sich Suter sicher. Allerdings dürfe diese nicht von oben diktiert, sondern müsse von einer breiten Basis getragen werden: «Ich wünsche uns allen, vom Prozess des Pragmatismus zu einer Vision zu gelangen.»

Angst vor Identitätsverlust

In der nachfolgenden Podiumsdiskussion standen sich Renato Sinelli, ehemaliger Gemeindeammann von Ehrendingen und «Fusionsturbo», der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger und Nik Brändli, Präsident des Vereins In-Fusion aus Aarau gegenüber.

Auch sie betonten den Vorteil von Zusammenschlüssen – wiesen aber gleichzeitig auf deren Herausforderungen hin: «Identitätsverlust ist die Angst, in etwas grösserem aufzugehen – das ist ein typisch schweizerisches Problem», so Hottiger.

Für Brändli jedoch sei dies oft nur ein Vorwand: «Die Argumente des Herzens werden vor einer Fusion oft übertrieben.» Stattdessen müsse man versuchen, deren Vorzüge der Bevölkerung näher zu bringen – denn vieles könnte zusammen effizienter angegangen werden.

Für Sinelli ist klar, das dafür kein Erfolgsrezept existiert, allerdings sei es in Hinsicht auf die Region Baden sinnvoll, in einem kleinen Rahmen anzufangen: «Eine Fusion von Baden und Wettingen ist zur Zeit ein No-Go.»