Baden

Grosse musikalische Taten von kleinen Königen

Die smallkings überzeugen bei ihrem Auftritt im Merkker. Trotz Ohrwurmpotenzial fehlt möglicherweise der grosse Hit fürs Radio.

Kein Korsett stört die Kreativität, keine Diva verdrängt die Musiker, keine Stilvorgaben setzen künstliche Grenzen. Herrlich für Berufsmusiker, wenn sie machen können, was sie wollen, wenn sie selbst kleine Könige sein können und keines Herren Knechte sein müssen.

Die smallkings traten am Freitagabend auf – spät, aber immerhin fast vor vollem Haus, würde man das chronische outdoor-Volk vor der Türe dazuzählen.

Irgendwo hat man die Jungs auf der Bühne alle schon mal gesehen und gehört. Erstens, weil sie seit Jahren die Schweizer Musikszene bereichern und teils bei grossen und bekannten Namen in Diensten stehen (Plüsch, Fusion Square Garden, azton).

Und zweitens, weil sich die Badener Szene bestens an Portefank erinnert, jene Combo, welche die smallkings früher waren, die mit Begeisterung rotzige Selfmade-FunkSongs ans Publikum brachte.

Klein, aber königlich

Mit den Jahren hat der Funk stilistisch nachgelassen und der Rock hat Einzug gehalten, deshalb die Namensänderung. «Irgendwann hat uns die Assoziation zum Funk einfach zu sehr eingeschränkt», beschreibt Bassist Marcel Suk die musikalische Entwicklung.

Worauf man sich zum kompletten Neustart entschlossen habe – und das gleich richtig: Mit CD, Promotion und eben einer kleinen Tour. «Smallkings», wie originell und passend: Drei der vier Könige sind tatsächlich eher klein gewachsen, die Band spielt zumindest vorläufig von kleinen Bühnen, und es macht ihnen nichts aus, auch im kleinen Rahmen Vollgas zu geben – wie der überschaubare Publikumsaufmarsch in Baden gezeigt hat.

Was sie hingegen spielen und wie, darf wirklich als königlich bezeichnet werden. Roger Molnar, Mazz Urech, Marcel Suk und Alex «Bali» Balajew lassen von Anfang an keinen Zweifel darüber aufkommen, was sie technisch drauf haben.

Wie aus einem Guss stampft die Rhythmusgruppe, Mazz’ Gitarre wirkt – obwohl als Klanginstrument ganz alleine – nie schmächtig oder verloren, im Gegenteil: «Schweinegeil, dein Solo», schreit einer im Publikum. Und Molnar setzt seine ausgebildete Stimme subtil und variantenreich ein.

Wenn es für die smallkings Grenzen geben sollte, setzt sie vielleicht gerade die Raffinesse, die zuhörende Nichtmusiker bei der einen oder anderen Passage überfordert.

Und trotz Ohrwurmpotenzial beim «Radio Song» und vor allem bei der absoluten Supernummer «Rock’n’Roll» (Chorgesang!) fehlt möglicherweise der ganz grosse Hit fürs Radio.

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