Baden

Grosse Trauergemeinde erweist Werner Twerenbold die letzte Ehre

Angehörige, Freunde und Mitarbeiter haben am Freitagnachmittag von einer grossen Persönlichkeit Abschied genommen. Rund 1200 Personen hatten sich in der Badener Stadtkirche eingefunden, um Werner Twerenbold Adieu zu sagen.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Trauerfeier gestern Nachmittag strömten Hunderte – meist schwarz gekleidete – Menschen zur Badener Stadtkirche. Sie alle waren gekommen, um Werner Twerenbold die letzte Ehre zu erweisen.

Der Reiseunternehmer war letzte Woche nach einem Unfall verstorben – er wurde 69 Jahre alt. Der Andrang war derart gross, dass sich vor der Kirche eine lange Menschenschlange bildete.

Am Eingang stand die Zunft zur Sankt Cordula Spalier. Der Verstorbene gehörte der Zunft seit 1993 an. Als um 14 Uhr die Glocken ertönten, hatte aber jeder der rund 1200 Trauergäste einen Platz gefunden, auch wenn viele Anwesende stehen mussten.

Familie, Freunde und auch viele der rund 300 Twerenbold-Mitarbeiter, darunter auch Zügelmänner und Taxichauffeure, waren gekommen, um sich von «Werni» Twerenbold zu verabschieden. 

Nachdem Twerenbolds Lieblingssong von Amy Winehouse, «Valery», verklungen war, richtete sich Stadtpfarrer Josef Stübi an die Trauergemeinde. «Wir alle hier haben Fragen. Doch wir wissen Werner Twerenbold geborgen.

Geborgen am Ort des ewigen Friedens und der ewigen Liebe.» Danach trug Schauspieler Hansrudolf Twerenbold den Lebenslauf des Verstorbenen vor. «Als Jüngster von fünf Kindern erlebte er eine unbeschwerte Kindheit in Ennetbaden.»

Schon früh habe sich Werner Twerenbolds Begeisterung für motorisierte Vehikel bemerkbar gemacht. «Er gab sich immer als guter Schüler aus, doch es war kein Geheimnis, dass er lieber das Leben genoss.» Nachdem er mit dem Studium an der Hochschule in St. Gallen begonnen hatte, wurde er bereits im Alter von 22 Jahren zurückgeholt, um in dritter Generation das Familienunternehmen zu führen.

«Es war der Beginn einer grossen Unternehmerkarriere.» Seine Frau Nazly hat Twerenbold 1982 auf einer Nil-Kreuzfahrt kennen gelernt. «Beide verband die Reise-Passion.» Drei Jahre später kam ihr Sohn Karim zur Welt.

«Ohne Druck auszuüben, gelang es Werner, in seinem Sohn das Feuer zu entfachen.» Alles was er gemacht habe – sei es beim Golfen, Jassen oder auch in der Politik – tat er voller Leidenschaft. «Und bei allem was er erreicht hat, hat er immer die Teamarbeit betont.»

Im Anschluss an den Lebenslauf erklang der Song von Norah Jones «Don’t know why» – «wieso, warum», nahm Stadtpfarrer Stübi den Faden auf. Die Antwort darauf müsse sich jeder selber geben.

«Aber bei allem Schmerz sind es Hoffnung, Glaube und vor allem Liebe, die uns erfüllen.» Oder in den Worten von Albert Schweitzer: «Menschen, die wir lieben, bleiben für immer, denn sie hinterlassen Spuren in unseren Herzen.»

Grosse Trauer um Werner Twerenbold

04.12.: Grosse Trauer um Werner Twerenbold

Berührender Brief vom Freund

Während die Orgel erklingt, dringen Sonnenstrahlen von draussen durch die Kirchenfenster. Hansrudolf Twerenbold liest einen Brief von Werner Twerenbolds Jugendfreund Köbi Schwarzenbach vor.

«Lieber Werni, alles in Deinem Leben hast Du richtig gemacht. Aber wie Du uns ganz alleine auf Deinem E-Bike verlassen hast, war so gar nicht Deine Art – Du hast uns quasi französisch verlassen.»

In seinem Brief nimmt Schwarzenbach die Anwesenden mit in die glückliche Kindheit Twerenbolds und liefert die eine oder andere amüsante Anekdote. «Als wir einmal leere Flaschen als Zielscheibe nutzen wollten, kam Werner auf die Idee, für diese könnte es Pfand geben.»

Schon damals habe der Unternehmer durchgedrückt. «Gerade in diesem Moment sitze ich im Flieger von Fernost in die Schweiz und kann leider nicht hier sein. Ich darf wenigstens für mich in Anspruch nehmen, dass ich jetzt, auf 10 000 Metern über Meer, Dir wohl physisch am nächsten bin. Werni, Du wirst immer bei uns sein. Dein Kumpel und Freund, Köbi.»

Stephan Frei, Geschäftsleiter der Reisebüro Mittelthurgau Fluss- und Kreuzfahrten AG, sprach im Namen aller Twerenbold-Mitarbeitenden: «Werner war nicht unser Chef, er war unsere Leitfigur. Seine Sozialkompetenz war naturgegeben und ein grosses Glück für diese Firma.»

Frei ist überzeugt: «Twerenbold hatte Erfolg, weil er ein positives Menschenbild hatte und immer zugehört hat – er kannte jeden der 300 Mitarbeiter persönlich.» Und: Nie habe man Pessimismus oder Misstrauen gespürt.

«Mit seinem positiven Denken und klugen unternehmerischen Handeln hat er aus uns allen Unternehmer gemacht.» Für Frei ist auch klar, woher der Mut und das positive Denken kamen: «Seine Familie hat einen grossen Anteil daran und ihn immer gestützt.»

Es werde noch Wochen und Monate dauern, bis man wirklich realisieren werde, dass «der Patron» nicht mehr hier ist. «Jetzt müssen wir uns ohne Dich durchbeissen.» Und, so Frei: «Karim, Du kannst voll und ganz auf uns alle zählen.»

Auch Mario Delvecchio, Zunftmeister der Zunft zur Sankt Cordula, sprach zur Trauergemeinde: «Fassungslos stehen wir hier und haben den Schock noch nicht überwunden. Doch: Werni wird für uns lebendig bleiben.»

Nach gut einer Stunde war die Trauerfeier vorbei. Die gesammelte Kollekte wird an den Caritas-Laden an der Bruggerstrasse gehen. Stadtpfarrer Josef Stübi: «Werner Twerenbold hatte zeitlebens ein Herz für soziale Belange.»

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