Den üblichen Ablauf in der Kulturförderung kennen wir: Eine Künstlerin oder eine Gruppe hat ein Projekt, doch bevor die Proben oder Vorbereitungen beginnen können, muss die Finanzierung geklärt, Gemeinden, Stiftungen oder Sponsoren müssen überzeugt werden. Nun passiert für einmal das – aussergewöhnliche – Gegenteil: 100'000 Franken stehen bereit und warten auf die richtigen Künstler, die packende Idee.

Bereitgestellt hat das Geld die Vereinigung Ukurba. Ausgedeutscht etwa: Unternehmen fördern Kultur in Baden. Dahinter stecken vierzehn Badener Unternehmer, die seit 2001 einen Jahresbeitrag (aktuell 5000 Franken) bezahlen – mit dem Ziel, die alternative, regionale Kultur zu unterstützen, und mit dem Motto: gemeinsam geht’s besser und vor allem stärker.

Am Anfang von Ukurba stand 2001 der Hans-Trudel-Kunstpreis. Dann wurden Musikprojekte von Stephan Athanas und Toni Donadio unterstützt, aber auch ein Solarmobil-Rennen des Kindermuseums, die KulTour, ein Fest des Animationsfilm-Festivals Fantoche und das Royal. Mitfinanziert wurden auch die Glasfenster von Ugo Rondinone in der Trafo-Halle, die Stadtmusik erhielt Geld für ihr Projekt am Stadtfest 2012, das musikalisch-theatralische «Offene Hotel» im Verenahof und die Projektionen «Ouroborus» am Stadtturm während der Badenfahrt 2017.

Die Suche nach Neuem

Sind den kulturell interessierten Unternehmern die Ideen ausgegangen oder passiert in Baden zu wenig Unterstützungswürdiges, dass Ukurba nun die 100'000 Franken zur Bewerbung ausschreibt? «Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Gesuche bekommen, haben das eine oder andere unterstützt», sagt Ukurba-Mitglied Mathias Bernhard. «Aber mit der Zeit schien uns das unbefriedigend. Wir wollen nicht einfach eine weitere Stelle sein, an die man Gesuche richten kann.» Die Ukurba wolle nicht kopieren oder auch noch ein bisschen das unterstützen, was die Stadt, das Kuratorium oder der Swisslosfonds machen. «Unser Ziel ist es, etwas zu ermöglichen, das bei den üblichen Förderstellen wenig Chance hat, das mutig und aussergewöhnlich sein kann, aber Potenzial hat – und der Stadt guttut.»

Herzblut-Badener

Die Stadt, Baden, ist ein wichtiges Stichwort bei den Ukurba-Leuten. Sie sind alle mit Lust und Herzblut Badener, man kennt sie im Städtchen und sie kennen das Städtchen.

Wie stellen sie sich dieses neue Projekt nun vor? Bernhard lacht und sagt: «Wir lassen uns überraschen.» Ukurba-Berater Walter Küng ergänzt: «In Baden läuft kulturell viel, aber wenig Neues und eigentlich entstehen auch zu wenige Eigenproduktionen.» Beide betonen, es sei nicht ihre Aufgabe dieses Neue zu erfinden. Die Ausschreibung soll nun Ideen zutage fördern oder zu Projekten anregen. Gefragt ist «ein Wurf» (so Bernhard). Angesprochen sind Kulturtäterinnen aus der ganzen Schweiz und aus allen Sparten, es darf interdisziplinär, ungewohnt, heiter oder ernst sein, irgendwo drinnen oder draussen stattfinden. Einzige Bedingung: Es muss 2019 in Baden passieren.

Ausgeschrieben wird es auf der Website von Ukurba, Anmeldeschluss ist der 12. August. Dann lädt eine Jury die interessantesten Bewerber ein, ihr Projekt zu bearbeiten, und trifft im November eine Vorauswahl. Ende 2018 treffen die Ukurba-Unternehmer aus den drei Vorschlägen die endgültige Wahl.