Auch im dritten Anlauf konnte sich der Grosse Rat letzte Woche nicht zu einem familienergänzenden Kinderbetreuungsgesetz durchringen. Das Gesetz sollte die Aargauer Gemeinden verpflichten, ein «bedarfsgerechtes» Krippenangebot auszugestalten. Kern der Vorlage ist zudem, dass sich die Gemeinden «nach Massgabe der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten» beteiligen sollen.

Zwar erlitt die Vorlage nicht komplett Schiffbruch, doch ist es mehr als fraglich, ob die zweite Lesung im Dezember der Vorlage zum Durchbruch verhelfen wird. Ob man die Vorlage nun gutheisst oder ablehnt, Fakt ist: Die Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde in Sachen Krippenangebot sind enorm. Das Badener Tagblatt hat die Krippensituation (Vorschulalte, also ohne Tagesstrukturen) im Bezirk Baden unter die Lupe genommen.

Höhere Tarife für Kleinkinder

Das Erfreuliche vorneweg: Von insgesamt 1209 Krippenplätzen sind knapp die Hälfte subventioniert. Und: Von den 26 Gemeinden kennen immerhin deren 14 Subventionsmodelle oder zahlen einen kleinen Pauschalbetrag pro Kind und Tag. Und doch kennt knapp die Hälfte aller Gemeinden im Bezirk Baden keine Subventionsmodelle, die sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern orientiert.

Was das im Alltag für Eltern bedeuten kann, zeigt folgendes Fallbeispiel: Lassen Eltern ihre zwei (über 18 Monate alten) Kinder für je drei Tage in der Krippe betreuen, zahlen sie in Bellikon rund 2600 Franken. Im benachbarten Bergdietikon sind es rund 800 Franken weniger pro Monat (siehe Grafik).

Überhaupt ist Bergdietikon für Eltern ein gutes Pflaster, gewährt die Gemeinde doch nicht nur Subventionen, sondern übernimmt auch den Zuschlag von 50 Prozent für Kinder bis 18 Monate. In den Gemeinden Baden, Wettingen, Ennetbaden und Obersiggenthal sind die Tarife (bei den subventionierten Plätzen) alle identisch. Grund: Die meisten Krippen dieser Gemeinden sind dem Krippenpool angeschlossen, weshalb von den 745 Tagesplätzen deren 374 durch die Gemeinden subventioniert sind.

Vereinzelt gibt es auch Krippen wie etwa das «Chinderhus YoYo» in Untersiggenthal, die von sich aus abgestufte Tarife in Rechnung stellen – also Subventionen ausrichten. Wie viel Eltern unter dem Strich für einen Krippenplatz bezahlen, hängt aber nicht nur davon ab, ob sich die Gemeinde finanziell beteiligt.

Auch die Tarife der einzelnen Krippen variieren sehr stark und reichen zum Beispiel für die Kleinkind-Betreuung von rund 85 Franken pro Kind und Tag (Spreitenbach) bis 122 Franken (Birmenstorf). Die meisten Krippen berechnen ab 18 Monaten tiefere Tarife und kennen überdies Geschwisterrabatt.

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