Birmenstorf

«Grosser Preis von Birmenstorf»: Rotierender Schlagzeuger als Blickfang

Zum 16. Mal fand der Brass Band-Wettbewerb «Grosser Preis von Birmenstorf» statt – mit überraschenden Inszenierungen.

Ein Marimbaphon, zwei Xylophone und ein Glockenspiel wirbeln auf der Bühne herum. Musikantinnen und Musikanten in Wintermänteln und Kosakenmützen schmettern gekonnt russische Melodien von der Bühne. Dazu pfeift der russische Steppenwind aus den Lautsprechern. Ein als Wladimir Putin maskierter Perkussionist bearbeitet virtuos das Marimbaphon inmitten von zwei grimmig dreinschauenden Bodyguards. So präsentierte sich die vielfach preisgekrönte «Brass Band Imperial» aus Lenzburg unter der Leitung von Rafael Camartin. Mit einem musikalischen Querschnitt durch ein facettenreiches Russland buhlten die Musiker um die Gunst des Publikums.

Konzertsprecherin Raphaela Schneider durfte wiederum drei Spitzenformationen aus der Schweizer Brass Band-Szene willkommen heissen. Ein Preisgeld von insgesamt 12000 Franken gab es an die drei Ensembles zu verteilen. Das Publikum amtete dabei als Jury.

Mit von der Partie war auch die letzte Siegerin des vom Musikverein Birmenstorf durchgeführten Wettbewerbs: Die Brass Band Berner Oberland unter der Leitung von Corsin Tuor. Sie entführte die Konzertbesuchenden nach Amerika. Mit dem einstigen Hit «America» aus dem Musical «West Side Story» eröffneten die Berner das «Feuer». Der entsetzliche Schrei einer Kornettistin durchdrang den Saal. Ein Tanzpaar erinnerte an den Streifen «Dirty Dancing». Musikantinnen und Musikanten stampften und schrien. Und ein Tohuwabohu rund um ein Glockenspiel sorgte für helle Begeisterung. Der Song «Mr. Sandman», bekannt vom legendären amerikanischen Gesangsquartett «The Chordettes», rundete die Darbietung ab.

Rotierender Höhepunkt

Wiederum mit dabei war die Walliser Formation «Ensemble de Cuivres Valaisan» unter der Leitung von François Roh. Sie präsentierte eine Hommage an die britische Rockband «Queen» und an den vor drei Jahrzehnten verstorbenen Mitbegründer der Band, Freddie Mercury. Das Paradestück «Bohemian Rhapsody» begeistere ebenso wie der Song «Love Of My Live». Solistinnen und Solisten auf Flügelhorn und Euphonium brillierten und ernteten anhaltenden Zwischenapplaus.

Höhepunkt der showmässigen Inszenierung war der Schlagzeuger auf seiner Rotationsbühne. Die Bühne drehte vertikal so, dass der Schlagzeuger auch mit dem Kopf nach unten die Queen-Melodien begleitete. Damit trafen die Walliser ganz den Geschmack des Publikums und ernteten frenetischen Beifall.

Als Sieger des Wettbewerbes durfte OK Präsident Karl Fischer schliesslich das «Ensemble de Cuivres Valaisan» bekannt geben. Auf dem zweiten Platz landete die Brass Band Imperial Lenzburg und die Brass Band Berner Oberland musste sich mit der Bronzemedaille begnügen.

Wuchtiges Zusammenspiel

Im Anschluss an die Wettvorträge fand traditionsgemäss das Massed Band-Konzert statt. Alle drei teilnehmenden Formationen, insgesamt über 90 Musikanten, bestritten gemeinsam ein anspruchsvolles Konzertprogramm und beeindruckten mit musikalischer Präzision und einem wuchtigen Klangkörper.

Auffallend ist das niedrige Durchschnittsalter all dieser Brass Band-Musikerinnen und -Musiker. Während sich viele hiesige Musikgesellschaften mit argen Nachwuchsproblemen konfrontiert sehen, erfreut sich das Brassband-Wesen bei der jungen Bläserschaft grosser Beliebtheit; insbesondere bei musikalischen Spitzenleistungen. Eine solch anspruchsvolle musikalische Tätigkeit setzt aber intensive und zeitraubende Knochenarbeit voraus. Das Resultat darf sich sehen und hören lassen.

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