Der scheidende Stadtammann wusste nicht, worauf er sich an seinem Abschiedsfest einlassen würde. Was generalstabsmässig hinter verschlossenen Bürotüren geplant wurde, gestaltete sich für Stephan Attiger zu einem abenteuerlichen Schlusspunkt in Baden.

Es begann mit einem Brandalarm im Stadthaus. Die Feuerwehr – bekannt für kompromisslose Einsätze – rettete den Stadtammann mit der Autodrehleiter aus seinem Büro. Damit begann die eigentliche Verabschiedung.

Mit dem Feuerwehr-Oldtimer ging es zuerst ins Feuerwehrmagazin nach Dättwil, wo Sicherheitschef Martin Zulauf seinen Chef empfing.

Zu Attigers Überraschung trafen während des Apéros knapp zwei Dutzend seiner einstigen Mitarbeiter der Motorradmarke KTM ein. Von seinen ehemaligen Motorradhändlern eskortiert, schwang sich Attiger dann selber auf eine KTM und fuhr Richtung Stadt.

Stephan Attiger fährt beim Abschiedsfest mit dem Töff vor

Stephan Attiger fährt beim Abschiedsfest mit dem Töff vor

In Polizeikontrolle hängen geblieben

Doch so reibungslos war diese Fahrt nicht. Beim Badener Tor geriet er in eine Polizeikontrolle. Und dann die Überraschung: Anlässlich der Grosskontrolle fand ein Polizeibeamte tatsächlich einen Joint und ein bisschen Hanf im Gepäck. Schlagfertig konnte sich Attiger jedoch den Verdächtigungen entziehen, indem er erklärte, dass es sich offenbar um das Motorrad von Geri Müller handeln müsse.

Um 18 Uhr erwartete ihn auf dem Schlossbergplatz eine grosse Festgemeinde. Ein herzhafter Applaus empfing den scheidenden Ammann, als dieser mit seinem Motorrad durch das Plakat «Unterwegs in den Aargau» in der Stadtturmdurchfahrt fuhr.

Den Helm abgenommen mischte sich Attiger in Töff-Montur unter die vielen anwesenden Mitarbeiter der Verwaltung, die zahlreichen Behördemitgliedern der Stadt sowie der Gemeinden des Bezirks Baden, die ihm einen herzhaften Abschied bereiteten.

Stephan Attiger bringt beim Abscheidsfest die Brezel unters Volk.

Stephan Attiger bringt beim Abscheidsfest die Brezel unters Volk.

Mit seinem Bauchladen brachte er persönlich die Brezel unters Volk und stiess mit dem extra für diesen Tag abgefüllten (At)«Tiger Gold» der Brauerei Müller an. Dazu spielte das Take 2 Pullup Orchestra auf.

Zu seinen Ehren gab es bei der Spanischbrödlizunft einen Ballonwettbewerb, Und wer vom Brezel nicht satt wurde, durfte zur Weisswurst aus Müllers Metzgerei greifen. So wurde der Abschied zu einem kleinen Volksfest, wobei sich einzig das Wetter zwischendurch von der garstigen Seite zeigte.

Tiger, Rock the Argovian Government!

Auch ein Volksfest dieser Art kann oder darf nicht ganz ohne offiziellen Teil verzichten. Dieser wurde jedoch bewusst kurz gehalten. Seinem Nachfolger Geri Müller fiel es zu, die sieben Jahre seiner Regentschaft und den designierten Regierungsrat für sein Wirken in Baden zu würdigen und ihm zu danken. Er sei weder ein Star, ein kuscheliger Stadtvater noch ein aufgeblasener Aristokrat geworden, sagte Müller über Attiger.

«Du bist ein einfacher, zugänglicher, humorvoller, liebenswürdiger Stadtammann geworden.» Der künftige Ammann lobte seinen Vorgänger, weil er stets Wert auf Transparenz und Verständlichkeit gelegt habe. Weil er die Skeptiker mit ins Boot genommen habe und immer mit beiden Seiten nach der besten Lösung gesucht habe.

Müller zählte die Meilensteine auf, die Attiger in seiner Amtszeit gesetzt habe. Reaktivierung Nordportal, Restaurant Baldegg, Tagesstrukturen, Entwicklung Kehl, Schulhausplatz, Schulraumplanung, Kurtheater, Bäderquartier und noch einiges mehr seien dank seinem Engagement initiiert oder vorangebracht worden. «Stephan ist ein Mensch, der andere gewinnen kann, an einer Idee mitzumachen», brachte Müller die Vorzüge des scheidenden Ammanns auf den Punkt.

Darum forderte Müller ihn dazu auf, sich in Aarau treu zu bleiben. Dazu rief er ihm zu: «Tiger, rock the Argovian Gouvernment!» Attiger selber bedankte sich bei allen, die ihm bei seinem Wirken geholfen haben, insbesondere aber seiner Tochter Jasmin, der Ehefrau Franziska, die ihn auch in Zukunft oft entbehren müssten, sowie Astrid Thommen und Margrit Oldani, die ihm bei der administrativen Arbeit als Stadtammann entlastet hätten.