Unicef
Grosses Versprechen - aus diesen Gründen darf sich Wettingen ab sofort «kinderfreundlich» nennen

Vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef erhält Wettingen das Label "kinderfreundliche Gemeinde". Nun sollen verschiedene Massnahmen für Kinder und Jugendliche umgesetzt werden – eine davon ist bereits im Rathaus zu sehen.

Carla Stampfli
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Eine kindergerechte Gemeinde - Wettingen verspricht Massnahmen.

Eine kindergerechte Gemeinde - Wettingen verspricht Massnahmen.

Keystone

Wettingen darf sich nun offiziell «kinderfreundliche Gemeinde» nennen. Sie ist nach Baden, Freienwil, Möriken-Wildegg, Rekingen und Zetzwil die insgesamt sechste im Kanton. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef hat der Gemeinde Wettingen das Label vor Kurzem überreicht.

Das grosse Versprechen

«Ich freue mich sehr, dass wir als ‹kinderfreundliche Gemeinde› ausgezeichnet worden sind», sagt Gemeindeammann Roland Kuster. Er sehe das Label aber auch als «Siegel der Verpflichtung». Dieses werde die Gesellschaft stets daran erinnern, sich zu fragen, ob sie sich denn auch genug für ihre Nachkommen einsetze. «Wir arbeiten heute für unsere Kinder, damit die Gesellschaft weiterkommt.» Denn: «Kinder sind unsere Zukunft.»

Elsbeth Müller (r.), Geschäftsleiterin Unicef Schweiz, überreicht Gemeinderätin Antoinette Eckert und Gemeindeammann Roland Kuster die Auszeichnung für Wettingen als «kinderfreundliche Gemeinde».

Elsbeth Müller (r.), Geschäftsleiterin Unicef Schweiz, überreicht Gemeinderätin Antoinette Eckert und Gemeindeammann Roland Kuster die Auszeichnung für Wettingen als «kinderfreundliche Gemeinde».

Barbara Scherrer

Aktionsplan für vier Jahre

Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz, sagt, die Gemeinde könne stolz sein, das Ziel erreicht zu haben. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Gemeinde so für Kinder einsetzt.» In der Tat hatte Wettingen verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen, damit sich die Gemeinde für das Unicef-Label bewerben konnte. So musste sie zuerst eine Standortbestimmung durchführen. Diese zeigte auf, inwiefern sich Wettingen für Kinder und Jugendliche einsetzt. Danach wurden die Jungen umfassend zu ihren Bedürfnissen und nach ihren Meinungen befragt. Gleichzeitig wurden verschiedene Kindermitwirkungstage organisiert. Dabei konnten Kinder und Jugendliche ihre Ideen, Wünsche und Visionen für ihr Lebensumfeld, ihr Quartier oder ihre Schule anbringen.

Auf Basis der Aussagen formulierte die Gemeinde schliesslich einen Aktionsplan für die nächsten vier Jahre. Dieser sieht verschiedene Massnahmen vor, welche die Kinderfreundlichkeit von Wettingen verbessern sollen. Die Finanzierung der Projekte wird jeweils im Rahmen der Budgetplanung erarbeitet.

Im Aktionsplan vorgesehen sind unter anderem folgende Massnahmen:

  • Den Bau einer Skateranlage mit der Jugendarbeit Wettingen und den Jugendlichen unterstützen.
  • Eine Sprechstunde für Kinder und Jugendliche bei der Gemeinde einführen.
  • Jedes Jahr am 20. November anlässlich des Tags der Kinderrechte eine Aktion zum Thema organisieren.
  • Die Standorte der Jugendarbeit Wettingen sichtbarer machen, etwa mit Klassenpartys für Kinder von der ersten bis vierten Klasse in der Villa Fluck.
  • Eine Kampagne gegen Mobbing mit Primarschülerinnen und -schülern erarbeiten.
  • Eine legale Spraywand beziehungsweise eine Graffitiwand in Wettingen installieren.
  • Das bestehende Projekt «Kinder mit Wirkung» ausweiten und ein Kinderparlament schaffen, das alle drei Jahre stattfindet.
  • Einen Nachmittag pro Monat sollen Jugendliche von 12 bis 18 Jahren freien Eintritt ins Bad und fürs Minigolf geniessen.
  • Kindern eine offene Turnhalle zur Verfügung stellen.
  • Eine mobile Kinderanimation, die einmal wöchentlich offen ist und Quartiere anfährt.
  • Öffentliche Plätze und Quartiere für Kinder attraktiver gestalten.

Ein Kinderbriefkasten für Anliegen

Ein Projekt hat die Gemeinde bereits umgesetzt, wie Antoinette Eckert, Ressortvorsteherin Gesellschaft, verkündet: «Ab sofort liegt im Rathaus ein Briefkasten auf, in den Kinder und Jugendliche ihre Anliegen und Ideen auf Zetteln einwerfen können.»

Stein des Anstosses für die Bewerbung von Wettingen als «kinderfreundliche Gemeinde» war ein Postulat, das die Fraktion SP/Wettigrüen 2006 eingereicht hatte. Weil der Vorstoss aber erst in einer falschen Abteilung gelandet war, blieb dieser für eine Weile unbearbeitet. «Es war ein langer Weg bis zum Label», blickt Gemeinderätin Eckert zurück. Dass man nun ausgezeichnet wurde, sei eine Genugtuung für alle Beteiligten. Elsbeth Müller fügt an, dass die Förderung von Kindern eine wichtige Entscheidung sei, um das volle Potenzial des Wachstums der Gemeinde abzuschöpfen. «Zu diesem Engagement möchte ich Ihnen herzlich gratulieren.»

Das Unicef-Label gilt für vier Jahre. Nach deren zwei muss die Gemeinde Wettingen einen Zwischenbericht zum Stand der Umsetzung des Aktionsplans verfassen. Danach entscheidet Unicef, ob die Auszeichnung verlängert und Wettingen als «kinderfreundliche Gemeinde» rezertifiziert wird.

Unicef-Label: Darum geht es

Die UN-Kinderrechtskonvention ist in der Schweiz seit 1997 verbindlich. Für die Umsetzung der Kinderrechte sind Kantone und Gemeinden verantwortlich. Mit der Initiative «kinderfreundliche Gemeinde» unterstützt Unicef Schweiz die Gemeinden, die Kinderrechte umzusetzen, die Kinderfreundlichkeit zu steigern sowie die Teilnahme und Teilhabe von Kindern in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu stärken. Der Swisslos-Fonds des Kantons Aargau unterstützt die Initiative.

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