Region
Gruppe fordert mehr «Wir-Gefühl» und Fusionen bei Baden

Eine initiative Gruppe will eine Regionalstadt. Das «Gärtendenken soll endlich überwunden werden», sagen sie. So könnten Grossprojekte von einer regionalen Mehrheit getragen werden. Diesen Sommer stimmt Ennetbaden über die Fusion mit der Stadt ab.

Roman Huber
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Aus der Luft optisch gesehen eine Gemeinde: Ennetbaden (unten) und Baden.

Aus der Luft optisch gesehen eine Gemeinde: Ennetbaden (unten) und Baden.

Stadt Baden

Eine starke Region für eine gemeinsame Zukunft mit einer bedeutenden Regionalstadt, bestehend aus zusammengeschlossenen Gemeinden, ist das Ziel einer Gruppe engagierter Menschen, die in Baden, Ennetbaden, Freienwil, Neuenhof, Obersiggenthal, Wettingen und anderen Regionsgemeinden leben. Darunter sind Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, mit und ohne Parteihintergrund, bürgerlich wie nichtbürgerlich.

Eines haben sie gemeinsam: Die Überzeugung, dass es eine Bewegung von unten brauche, damit das «Gärtchendenken in der Region endlich überwunden» werde. «Es ist eine starke Interessengemeinschaft gefragt, die ihr weltoffenes, frisches Denken nach aussen trägt und an die Vision einer starken, gemeinsamen Region glaubt», erklärt Erich Obrist, Einwohnerrat aus Baden. Die Gruppe, der zurzeit ein Dutzend Personen angehören, möchte weiter wachsen und sich Gehör verschaffen.

Probleme zusammen lösen

Die Gruppe sieht als Kernpunkt die demokratische Mitbestimmung bei tragenden regionalen Vorhaben wie Schulhausplatz, Sportzentrum Tägerhard, Kurtheater und weiteren Entwicklungsprojekten wie unter anderem der Galgenbuck. Die Mitbestimmung bei Fragen zu Siedlungsstrukturen, Mobilität und Umwelt machen an der Gemeindegrenze nicht Halt oder werde von schwerfälligen Gemeindeverbänden wahrgenommen. Grossprojekte müssten von einer demokratischen regionalen Mehrheit getragen werden.

Darum will die Gruppe den Ennetbadener Anstoss aufnehmen. Auch in andern Gemeinden ist in den Legislaturzielen die Prüfung verstärkter Kooperation oder von Zusammenschlüssen die Rede. Die Region warte darauf, dass weitere Schritte folgen würden, ist die Gruppe überzeugt.

Sie glaubt an einen regionalen Neuanfang und hofft, dass die Gemeindeversammlung Ennetbaden die Absichten des Gemeinderates, der gemäss Legislaturzielen einen Zusammenschluss mit der Stadt Baden prüfen will, unterstützt.

Der Zusammenschluss mit Neuenhof vor knapp vier Jahren sei daran gescheitert, weil das Paket auf Behördenebene geschnürt wurde. Man sei sich bewusst, dass trotz des klaren Ja im Einwohnerrat Baden die Informationen einen wichtigen Teil der Bevölkerung nicht erreicht hätten.

Das bestätigte die Aufarbeitung des Zusammenschlussprojektes. Die Gruppe will insbesondere die jungen Leute erreichen. Schliesslich würden sie über die Zukunft einer Region entscheiden, in der sie leben.

«Es braucht eine Bewegung, die von unten kommt», ist Obrist überzeugt. Dies zeigte sich bei Rapperswil-Jona, wo der Zusammenschluss erst im zweiten Anlauf realisiert wurde. Niemand würde sich dort den alten Zustand zurückwünschen, sagt auch Peter Züllig, der Badens Zusammenschlussprojekt mit Neuenhof leitete.

Das schlummernde «Wir-Gefühl», wie es an Badenfahrten, zuletzt am Stadtfest ausbreche, müsse geweckt werden, sagt Obrist. Er denkt an «Little Wettige» auf dem Kriesi-Areal und an all die Festhelfer und Besucher aus den Regionsgemeinden. So viel positive, kreative Energie in einer Region sei einzigartig in der Schweiz. «Die Region könnte sich mit Zusammenschlüssen besser positionieren.»

Auch Baden will Zusammenschlüsse prüfen, heisst es in den Legislaturzielen des Stadtrates. Nach dem Nein zu Neuenhof soll aber Baden nicht vorpreschen, ist die Gruppe überzeugt. Stadtammann Geri Müller könnte darum einem Ja in Ennetbaden an der Gmeind morgen Donnerstag nur Positives abgewinnen.