Bilanzpressekonferenz
Gutes Jahr für Raiffeisenbanken – dennoch schwierige Prognosen und keine GVs oder Jubiläen

Die Raiffeisenbank Lägern-Baregg hat trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ein gutes Geschäftsjahr hinter sich. Aber auch an den Raiffeisenbanken sind die vielen Einschränkungen nicht spurlos vorbeigegangen.

Alexander Wagner
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«Andere Banken waren aggressiver», sagt Iwan Suter, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Lägern-Baregg.

«Andere Banken waren aggressiver», sagt Iwan Suter, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Lägern-Baregg.

Alexander Wagner

Die Raiffeisenbank Lägern-Baregg blickt trotz der besonderen und komplizierten Umstände auf ein erfreuliches und positives Geschäftsjahr zurück. «In unserem Kerngeschäft entwickelten sich die sechs Raiffeisenbanken der Region Baden und Brugg sehr erfreulich», begann Iwan Suter die Bilanzpressekonferenz in Baden.

Dies war jedoch so ziemlich das Einzige, was wie in den vergangenen Jahren war: Die weiteren Bankleiter waren nicht an der Stadtturmstrasse anwesend, sondern wurden zugeschaltet. Auch einzelne Journalisten blieben in den Redaktionsstuben und verfolgten die Ausführungen via Computer.

Der Geschäftserfolg belief sich auf insgesamt über 31 Millionen Franken. Die sechs Banken der Region konnten zudem die «konsolidierte» Bilanzsumme auf 7,5 Milliarden Franken steigern. Auffallend ist der massive Zuwachs an Kundengeldern von über 500 Millionen Franken, was knapp zehn Prozent entspricht. Nicht nur bei den Kundengeldern, auch im Anlagegeschäft sind die Raiffeisenbanken der Region stark gewachsen. So konnte auch das Depotvolumen um über 100 Millionen Franken gesteigert werden.

Schwer zu messender NAB-Effekt

Inwieweit diese massiven Zuwächse mit dem Verschwinden der Neuen Aargauer Bank NAB zu tun haben, wissen die Verantwortlichen zumindest im Moment noch nicht. Es sei ein schleichender Zuwachs und schwierig zu messen. «Aber wir waren im Vergleich zu den Mitbewerbern moderater mit den Negativzinsen. Da waren andere Banken aggressiver», sagt Iwan Suter.

Alle Versammlungen bereits abgesagt

Aber auch an den Raiffeisenbanken sind die vielen Einschränkungen nicht spurlos vorbeigegangen: Sowohl die Raiffeisenbank Aare-Reuss als auch Wasserschloss konnten im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Doch die Jubiläumsfeierlichkeiten fielen praktisch alle ins Wasser oder wurden auf dieses Jahr verschoben. 2021 kann auch die Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen das besondere Jubiläum feiern. Auch dies wird sicherlich nicht im geplanten Masse geschehen. Eines ist jetzt schon klar: Dieses Jahr wird es keine Generalversammlungen der Raiffeisenbank geben. Es wurden bereits alle Versammlungen abgesagt.

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis gab es dennoch zu feiern, auch wenn weder mit den Mitarbeitern noch mit der Bevölkerung darauf angestossen werden konnte: Die Raiffeisenbank Rohrdorferberg-Fislisbach konnte als erste Raiffeisenbank im Kanton Aargau die Bilanzsumme von zwei Milliarden Franken erreichen.

Andere Banken bauen massiv ab

Viele Banken bauen sowohl ganze Filialen als auch die Zahl der Mitarbeiter ab. Die Raiffeisenbanken der Region gehen genau den umgekehrten Weg: Sie haben sechs neue Stellen geschaffen. Zudem haben sie massiv in ihr Filialnetz investiert. Sowohl die Geschäftsstellen in Baden als auch in Birmenstorf wurden erweitert und komplett saniert. In Birmenstorf konnte die neugestaltete Filiale gerade noch vor dem ersten Lockdown feierlich eröffnet werden. Aber auch in die Filialen in Nussbaumen, Untersiggenthal sowie in Schinznach wurde kräftig investiert.

Weiterhin mit Hochdruck vorangetrieben wird der geplante Neubau in Wettingen: Entstehen soll jedoch nicht «nur» eine neue Bank, sondern auch 14 Wohnungen mit der neuen Raiffeisenbank im Erdgeschoss. Dafür wird die Belegschaft für rund zwei Jahre in ein Provisorium ziehen müssen. Noch in diesem Quartal soll das Baugesuch öffentlich aufgelegt werden. Wenn alles reibungslos verläuft, hoffen die Beteiligten auf die Wiedereröffnung in Wettingen im ersten Quartal 2023.

Keine Angst um die Raiffeisenbanken

Ob es auch dieses Jahr so erfreulich weitergeht, ist schwierig vorauszusagen. Zu viele unbekannte Komponenten spielen mit. «Natürlich befürchten wir erste Konkurse. Gerade die Gastro-, Event- und Reisebranche wurde sehr hart getroffen. Da haben wir grosse Bedenken», räumt Suter nachdenklich ein. «Aber wir sind mit der Raiffeisenbank ganz nahe an den Kunden dran», betont er einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Grossbanken. Um die Raiffeisenbanken hat er keine Angst, dafür ist die Substanz zu gut. Aber die restlichen Faktoren können weder er noch seine Kollegen der Geschäftsleitung vorhersagen oder beeinflussen.

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