Wettingen
Gutschein-System für Kinderförderung stösst beim Gemeinderat auf Ablehnung

Kinder und Eltern sollen zusätzlich gefördert werden. Dazu hat der Gemeinderat ein Gutschein-System entwickeln lassen. Just dieses empfiehlt er dem Einwohnerrat zur Ablehnung.

Sabina Galbiati
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Dank dem neuen Gutschein-System könnten auch Kinder aus ärmeren Verhältnissen ins Ferienlager. ZVG

Dank dem neuen Gutschein-System könnten auch Kinder aus ärmeren Verhältnissen ins Ferienlager. ZVG

Timo Ullmann

Wettingen könne mit der Umsetzung dieses Vorstosses ein vorbildliches Zeichen in der Schweizer Familienpolitik setzen, schreiben die Motionäre in ihrem Vorstoss an den Gemeinderat. Gemeint ist ein Gutschein-System, das Kinder und deren einkommensschwache Eltern unterstützt.

Obwohl von der Idee nicht begeistert, legt der Gemeinderat an der Einwohnerratssitzung vom 19. Dezember ein Konzept zur Umsetzung eines solchen Gutschein-Systems vor. Und empfiehlt es im selben Atemzug dem Einwohnerrat zur Ablehnung.

Seine Begründung: Auf nationaler und kantonaler Ebene seien verschiedene Initiativen hängig, die Familien künftig stärker fördern sollen.

Kommt hinzu, dass auf Gemeindeebene zwei Projekte zum Thema Familienpolitik in der Pipeline stehen: Zum einen soll die Elternbildung neu organisiert werden, zum anderen wird ein Konzept zur frühkindlichen Begleitung, Betreuung und Erziehung erarbeitet.

Keine Aufgabe der Gemeinde

Der Gemeinderat bezieht eine klare Position: «Aufgabe der Gemeinde ist es, belastete Familien und Kinder zu unterstützen und zu begleiten». Die Einführung von Gutscheinen zur Finanzierung von Freizeitbeschäftigungen sei nicht Aufgabe der Gemeinde.

So funktioniert das neue Gutschein-System

Vom Gutschein-System profitieren finanzschwache Familien. Dabei können Kinder zwischen 0 und 13 Jahren oder deren Eltern die Gutscheine beispielsweise für Kurse, Workshops, Eintritte, Teilnahme an Ferienlagern oder Jahresmitgliedschaften einsetzen. Die Angebote müssen zwingend im Bezirk Baden statt finden. Und das Angebot soll zusätzlich zu den bereits bestehenden Leistungen der Gemeinde geschaffen werden. (gal)

Für das Gutschein-System rechnen die Fachpersonen mit jährlichen Kosten zwischen 400 000 und 550 000 Franken. Auch das dürfte den Gemeinderat zur Ablehnung bewogen haben. Denn die finanzielle Situation der Gemeinde hat sich «markant verschlechtert» schreibt er in seiner Botschaft an das Gemeindeparlament.

Somit erscheine auch aus finanzieller Sicht dem Gemeinderat die freiwillige Übernahme dieser neuen, zusätzlichen Aufgabe zurzeit nicht angebracht.

Egal wie der Einwohnerrat entscheiden wird: Übersteigen die Kosten für das Projekt 400 000 Franken, hat das Stimmvolk das letzte Wort.

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