Montagsporträt

«Habe gelernt, die Ellbogen auszufahren»: Dieser Untersiggenthaler ist ein echter Allrounder

Feuerwehrmann, Kassier, Fussballer, Nationalratskandidat: Pascal Rudolf ist ein Allrounder.

Feuerwehrmann, Kassier, Fussballer, Nationalratskandidat: Pascal Rudolf ist ein Allrounder.

Die Kindheit hat den Untersiggenthaler Pascal Rudolf zum Kämpfer gemacht – mit dem «Badener Tagblatt» sprach er über seinen Weg vom Regaleeinräumen zum Politiker.

Pascal Rudolf sitzt in der Lounge vor dem Restaurant Piazza in Baden. Vor ihm stehen zwei Getränke. «Ich brauche die Erfrischung», sagt er und nimmt ein paar kräftige Schlucke von seinem Eistee. Dann kratzt er sich am Arm und zeigt auf einen blauen Fleck. «Vom Fussball.» Nebst zahlreichen anderen Hobbys und Jobs findet er auch noch Zeit zum Kicken.

Hauptberuflich arbeitet der 33-Jährige als Banker, ab August unterrichtet er zeitweise an der Handelsschule in Baden. Der Untersiggenthaler engagiert sich aber auch fleissig in der Feuerwehr und für die FDP. Im Herbst kandidiert er zudem für den Nationalrat bei den Jungfreisinnigen. «Einzig der Bezug zur Kultur fehlt mir etwas», überlegt er. «Aber würde mich jemand an eine Vernissage einladen, würde ich nicht Nein sagen.»

Mit dem Berufswechsel kam politisches Interesse

Nicht immer war der Allrounder so ambitioniert: «Nach meinem Schulabschluss war ich lange antriebslos», sagt Rudolf. Er absolvierte deshalb eine Lehre beim Grosshändler Coop, wo er hauptsächlich Regale einräumte. «Ich will nicht sagen, dass der Job schlecht war. Aber intellektuell hat er mich nicht gefordert.» Irgendwann kam der Moment, da wollte Rudolf mehr und absolvierte eine zweite Lehre. Die kaufmännische Berufsmatur habe er dann aber erst im zweiten Anlauf abgeschlossen.

Mit dem Berufswechsel kam auch das politische Interesse: Rudolf begann, sich für seine Wohngemeinde zu engagieren, amtet heute als Mitglied der Steuerkommission und als Kassier der Ortspartei. Zwischen den Jungfreisinnigen und der Mutterpartei FDP sei er aufgrund seines Alters quasi «Brückenbauer». Schliesslich sei er mit Abstand der Älteste bei den Jungen. «Für mich ist das eine grosse Ehre», sagt der Nationalratskandidat.

Einsetzen will sich Rudolf vor allem gegen die Umweltverschmutzung. «Ich bin nicht einmal zufrieden, wie meine Verlobte staubsaugt», sagt er lachend. Was Sauberkeit angehet, sei er eben sehr penibel. «Meine Freunde sagen, bei mir könnten sie vom Fussboden essen.» Gleichzeitig möchte er auch einen stabilen Finanzhaushalt erreichen. «Die Gemeindefinanzen sind schliesslich kein Selbstbedienungsladen.» Wichtig sei ihm, mit kleinen Schritten ans Ziel zu kommen: «Viele Initiativen wollen zu viel», findet Rudolf. Politik solle einfach sein, interessant und nicht abschrecken. Und Politik solle das Leben ein wenig verbessern.

«In der Schweiz haben wir das Privileg, aktiv am politischen Geschehen mitwirken zu können», findet der Untersiggenthaler. Und Privilegien, davon hatte Rudolf in seiner Kindheit nicht viele. Die Familie musste «immer chli luege wie’s gaht». Vier Kinder und ein Vater, der als Lagerist arbeitete: Viel Geld war nie vorhanden. «Bei uns hat einfach immer der Stärkere gesiegt», erzählt Rudolf. Das habe ihn gelernt, sich für seine Überzeugungen einzusetzen. Den richtigen und freundlichen Umgang mit anderen Menschen und anderen Meinungen musste er sich jedoch selbst beibringen.

Kein gutes Verhältnis zum Vater

Denn zu Hause erhielt Rudolf selten Unterstützung, oftmals gab es Konflikte. Vor allem zwischen dem Jungen und seinem Vater. Heute hat er keinen Kontakt zu ihm. Das sagt der Untersiggenthaler jedoch nicht wehmütig, sondern bestimmt. Wenn er davon spricht, was er in seiner politischen Laufbahn bewirken will, fällt einmal plötzlich das Stichwort «häusliche Gewalt». Ob er davon aus erster Hand berichten kann? «Ja», antwortet er. «Aber mehr gibt es dazu nicht zu sagen.»

Daheim habe er gelernt, die Ellbogen auszufahren. Das habe ihn schliesslich zu dem Kämpfer gemacht, der er heute ist. Vom Verkäufer zum Weltverbesserer: Pascal Rudolfs Weg war wahrlich kurvenreich. Doch die Zeit als Lagerist hatte auch sein Gutes. «Ich weiss, dass Cholräbli nicht auf Bäumen wachsen», sagt er und lacht.

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