Es sind unangenehme Zeiten für die Weinbauern im Limmattal. Letztes Jahr liess ein neu angewendetes Pestizid zahlreiche Reben erkranken. Schon damals war klar, dass die Ernte 2015 unter den fatalen Auswirkungen leiden würde.

Doch nach dem letzten Freitag ist die Lage umso verzweifelter. Christian Voser beobachtete das nahende Unheil am späteren Nachmittag: «Das starke Gewitter zog von Spreitenbach her nordwärts. Es folgte zuerst starker Regen und anschliessend Hagel», erklärt der Winzer.

Das Fazit ist vernichtend: 80 Prozent der Ernte sind zerstört, der Schaden lässt sich noch gar nicht beziffern. Bereits vor zwei Jahren habe es in der Region Hagelschäden gegeben, weiss Voser. «So stark habe ich es aber selten erlebt.» Nachdem er bereits mit einem Ausfall von 40 bis 60 Prozent aufgrund des Pestizids gerechnet hatte, sind nach dem Hagelschaden die letzten Hoffnungen auf eine gute Ernte zerstört.

Versicherung bezahlt nicht alles

Ebenfalls hart getroffen wurde das Weingut der Familie Wetzel in Würenlos. Etwa die Hälfte der Reben ist verwüstet. Winzer Martin Wetzel, dessen Gut zuletzt 2002 vom Hagel getroffen wurde, sieht allerdings auch Positives. «Trotz des Schadens haben wir nochmals Glück gehabt, es hätte uns noch weitaus schlimmer treffen können», erklärt er die Situation.

Sein Glück: Der Sturm zog parallel am Hang vorbei. Dadurch blieben viele Beeren verschont. Jedoch wird sich der genaue Verlust erst bei der Ernte sehen lassen. Immerhin kann Wetzel Folgeschäden für das nächste Jahr ausschliessen.

Auch finanziell dürfte der Schaden beträchtlich sein. Im Fall von Christian Voser wird die Versicherung für den Schaden aufkommen, jedoch nur für die beschädigten Trauben.

Auf dem Verlust aus dem Wein, der nun nicht produziert werden kann, bleibt Voser sitzen. Gar keine Entschädigung wird Martin Wetzel erhalten, er hat sich nach genauen Berechnungen bewusst gegen eine Versicherung entschieden.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Gewütet hat das Unwetter am Freitag auch auf der anderen Limmatseite. In Spreitenbach fegte das Gewitter um 16.30 Uhr über die Häuser. Etwa sechs Minuten reichten für massive Schäden und einen langen Arbeitsabend der Feuerwehr. Diese stand fünf Stunden lang mit 70 Männern und Frauen im Einsatz.

Zahlreiche Bäume kippten um, Strassen und vereinzelt auch Keller standen unter Wasser. Hausfassaden und Dächer wurden beschädigt, Schilder und Bauabschrankungen heruntergerissen.

«In Unterführungen stand das Wasser 30 – 40 Zentimeter hoch», schildert Kommandant Sven Imboden die Lage. Herabgerissene Laubblätter verstopften zudem die Abflüsse und erschwerten die Arbeiten.

Insgesamt 45 Alarmmeldungen gingen bei der Feuerwehr im Verlauf des Abends ein. «Grössere Einsätze wie diesen haben wir in der Regel nur alle vier bis fünf Jahre», erklärt Imboden. Die einzige gute Nachricht des Abends: Verletzte wurden in Spreitenbach keine gemeldet.