Wettingen
Hallenbad schliesst für zwei Jahre: Für Schwimmer könnte es damit künftig enger werden

Ab Mai ist das Hallenbad in Wettingen aufgrund der Sanierung des Sport- und Erholungszentrums geschlossen. Nun müssen Badegäste, Vereine und Schulen andere Sportarten oder andere Hallenbäder suchen. Doch hat es genug Kapazität?

Carla Stampfli
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Ab Mai ist das Hallenbad in Wettingen geschlossen. Im März 2020 ist die Wiederinbetriebnahme geplant.

Ab Mai ist das Hallenbad in Wettingen geschlossen. Im März 2020 ist die Wiederinbetriebnahme geplant.

Martin Rupf

Nur noch wenige Wochen bleiben Schwimmsportbegeisterten aus der Region, um ihre Bahnen im Hallenbad Tägerhard in Wettingen zu ziehen: Ab Mai ist das Bad aufgrund der Sanierung des Sport- und Erholungszentrums für die nächsten knapp zwei Jahre geschlossen.

Zahlreiche Badegäste, Schulklassen und Vereine besuchen täglich das «Tägi». Doch was machen sie nach der Schliessung?

Sie suchen alternative Sportarten oder weichen auf andere Bäder in der Region aus. Die naheliegende Infrastruktur: das Hallenbad Baden. Dort ist man auf die Situation vorbereitet. «Wir sind uns bewusst, dass es beim Schwimmen künftig enger werden könnte», sagt Manfred Schätti, Leiter der Abteilung Immobilien der Stadt Baden.

Ein eigentliches Konzept habe man aber keines ausgearbeitet. Denn: «Es ist schwierig abzuschätzen, wie viele Badegäste zusätzlich das Hallenbad in Baden besuchen werden.» Man beobachte jedoch genau, wie sich die Schliessung des «Tägi» auswirke. «Dann wird sich zeigen, ob eventuell betriebliche Anpassungen nötig sind.»

Kooperation mit Badener Vereinen

Was die Bahnbelegung durch Schulen und Vereine betrifft, würde Baden den Wettingern gerne Hand bieten. Doch die Möglichkeiten seien leider sehr beschränkt, sagt Schätti. «Wir sind ausgelastet und haben keine Wasserreserven für weitere Vereine mehr.»

Man setze daher auf die Kooperation von Badener Vereinen, etwa, indem sie ihre Bahnen mit externen Klubs teilen. «Es gab bereits Gespräche und es ist ein grenzüberschreitender Solidaritätsgedanke unter den Klubs auszumachen», sagt Schätti.

Katharina Urfer, Präsidentin des Schwimmclubs Tägi Wettingen, bestätigt: «Wir sind in Kontakt mit Badener Vereinen. Es zeichnet sich eine gute Lösung ab. Diese Solidarität freut uns sehr.» Der Schwimmclub zählt rund 160 aktive Mitglieder, vor allem Kinder und Jugendliche.

«Wir sind dankbar, dass uns von verschiedener Seite Hand geboten wird.» So steht beispielsweise fest, dass der Verein nach der Schliessung des «Tägi» im Hallenbad in Nussbaumen trainieren und dort auch Aquafit-Kurse durchführen darf.

«Das hilft uns sehr. Uns fällt ein Stein vom Herzen», sagt Urfer. Was die Schwimmschule betrifft, sei man ebenfalls gut unterwegs. «Zwar können wir künftig nur noch einen Teil der Lektionen anbieten, dennoch sind wir froh darüber.»

«Reaktionsfähig und kreativ»

Das Hallenbad Nussbaumen ist wie das Hallenbad Baden auf die Schliessung des «Tägi» vorbereitet. «Wir werden sicher mehr individuelle Gäste im Bad und in der Sauna begrüssen dürfen. Darauf freuen wir uns», sagt Thomas Weber, Betriebsleiter des Hallen- und Gartenbads. «Jetzt können wir zwar noch nicht vorgreifen.

Doch wären Massnahmen nötig, werden wir reaktionsfähig und kreativ sein», fügt er an. Etwa was die Zwischenreinigung oder die Organisation der vier Schwimmbahnen betrifft. «Wir werden versuchen, allen Gästen gerecht zu werden», betont Weber. Falls der Ansturm zu Spitzenzeiten derart gross sein sollte, könnte man auch prüfen, eine Stunde länger offen zu halten oder ein Frühschwimmen anzubieten, so der Betriebsleiter.

Letzteres ist in Baden bereits aktuell: Das Frühschwimmen im Terrassenbad, das erstmals im letzten Jahr als Pilotversuch angeboten wurde, findet während der Freibadsaison unter freiem Himmel wieder statt. «Wir prüfen derzeit auch ein regelmässiges Frühschwimmen im Hallenbad, wobei das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmen muss», sagt Manfred Schätti.

Dies dürfte zu einer merklichen Entlastung der Wasserflächennutzung führen und entspräche gleichzeitig einem grossen Kundenbedürfnis, speziell auch von ambitionierten Schwimmenden. Natürlich erwarte man auch, dass zusätzliche Einnahmen, beispielsweise durch den Verkauf von Saisonabos, generiert und neue Stammgäste gewonnen werden können, sagt der Leiter der Abteilung Immobilien der Stadt Baden.

Schule mit Alternativprogramm

Und wie sieht es mit den Schulklassen aus, die das «Tägi» besuchen? Betroffen sind unter anderem 60 Klassen der Primarschule und der Heilpädagogischen Schule (HPS) Wettingen. Für sie findet während der Umbauphase kein Schwimmunterricht statt, wie Schulgeschäftsleiter Samuel Kern sagt. «Die Hallenbäder in der Nachbarschaft, etwa Spreitenbach und Baden, haben keine Kapazität.»

Zwar bleibt das Gartenbad in den Sommermonaten ungeheizt offen, dennoch wird ein alternatives Programm angeboten. Geplant seien unter anderem Sportunterricht im Freien und Schnupperlektionen in Sportarten wie Yoga, Judo oder Kickboxen, sagt Kern. Dies liege in der Kompetenz der einzelnen Schulkreise und Lehrpersonen. «Auch wurde ein Projekt in Zusammenarbeit mit der HPS ausgearbeitet.»

Dabei werden Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam den Turnunterricht besuchen. «Dadurch, dass die neue Dreifachturnhalle Margeläcker per August betriebsbereit ist, haben wir ab dann ausreichend Platz», sagt Kern.

Das Hallenbad des Sport- und Erholungszentrums «Tägi» soll im März 2020 wieder in Betrieb gehen.

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