Nach den Sommer- bis zu den Herbstferien wird in Ehrendingen erneut ein temporäres Halteverbot für Autos vor Schulen gelten. Man werde die Wirkung genau beobachten und danach allenfalls ein dauerhaftes Verbot beschliessen, teilte der Gemeinderat gestern Dienstag mit. Das Halteverbot soll die Problematik der Elterntaxis entschärfen: Seit Jahren steigt im Dorf – wie wohl fast überall in der Schweiz – die Zahl der Kinder, die mit dem Auto zur Schule gefahren werden. Dabei kommt es regelmässig zu gefährlichen Verkehrssituationen direkt vor den Schulen.

Die erste Testphase in der Zeit zwischen Sport- und Frühlingsferien, über die Medien in der ganzen Schweiz berichteten, sei ein Erfolg gewesen, sagt Jennifer Jaun von der Gemeindekanzlei Ehrendingen. Das Halteverbot wurde vor allen Schulhäusern im Dorf ausgeschildert, die Regionalpolizei führte etliche Kontrollen durch und verteilte Bussen: 80 Franken für Anhalten im Parkverbot beziehungsweise 120 Franken für Parkieren vor dem Schulhaus. «Erfreulicherweise zeigte sich die Wirkung auch noch in den Wochen vor den Sommerferien, als das Verbot nicht mehr galt», sagt Jaun. «Weniger Eltern als früher luden ihre Kinder vor dem Schulhaus ab.»

Dennoch sei der Gemeinderat überzeugt, dass es eine zweite Testphase und allenfalls ein dauerhaftes Verbot brauche, um das Problem langfristig zu entschärfen. Für ein definitives Halteverbot braucht es jedoch eine richterliche Anordnung – im Gegensatz zu den temporären Verboten während der 60-tägigen Testphasen, die vom Gemeinderat beschlossen werden können.

Eine weitere Gemeinde im Bezirk Baden sah sich im Frühling zum Handeln gezwungen: In Gebenstorf beauftragte der Gemeinderat einen Sicherheitsdienst, der Autofahrerinnen und -fahrer büsste, die vor dem Schulhaus parkierten oder anhielten. Auch die Regionalpolizei habe Präsenz gezeigt und Bussen verteilt, sagt Gemeindeammann Fabian Keller (CVP). «Die Verkehrssituation hat sich dadurch in den vergangenen Wochen massiv verbessert.»

In den Jahren zuvor hätten Gemeinderat und Schulleitung die Eltern wiederholt gebeten, auf den «Mami-Taxi-Dienst» zu verzichten. «Doch nach kurzer Zeit der Besserung tauchten die Autos vor den Schulen wieder auf», sagt Fabian Keller. Erst die Präsenz des Sicherheitsdiensts habe die gewünschte Wirkung gezeigt. Der Gebenstorfer Gemeinderat beabsichtige darum, diesen auch im kommenden Schuljahr für Kontrollen vor dem Schulhaus zu beauftragen.

Trotz des Erfolgs der Verbote ist man sich in den beiden Gemeinden einig, dass Bussen alleine die Eltern nicht vom Fahrdienst abhalten können. Teilweise führten die Halteverbote dazu, dass die Kinder einige Meter vom Schulhaus entfernt abgeladen worden sind.

Kampagne will Kinder für Schulweg begeistern

Umso wichtiger, so die Gemeinderäte von Ehrendingen und Gebenstorf, sei darum die Kampagne der Mobilitätsberatung «Badenmobil», die von allen Gemeinden des Bezirks sowie von den Stadt- und Regionalpolizeien unterstützt wird. Die Kampagne trägt den Titel «Ich kann das, ich geh’ zu Fuss» und will Kinder für den Schulweg begeistern. Die Motivation der Kinder, in die Schule zu laufen, sei die wirkvollste Massnahme im Kampf gegen Elterntaxis, sind die Verantwortlichen der Kampagne überzeugt.