Stetten
Hängebrücke mit Güllenleitung stösst Naturschützer sauer auf

Unternehmer Werner Humbel will eine Hängebrücke über die Reuss bauen – und seine Betriebe damit verbinden. Gegen das Bauvorhaben sind fünf Einsprachen eingegangen. Der Unternehmer gibt nicht geschlagen.

Carla Stampfli
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So hätte die Hängebrücke zwischen Stetten (rechts) und Nesselnbach ausgesehen. Doch daraus wird nichts: Das Baugesuch wurde abgewiesen. Dem Vorhaben stehen natur- und landschaftsschützerische Interessen entgegen.zvg/Visualisierung

So hätte die Hängebrücke zwischen Stetten (rechts) und Nesselnbach ausgesehen. Doch daraus wird nichts: Das Baugesuch wurde abgewiesen. Dem Vorhaben stehen natur- und landschaftsschützerische Interessen entgegen.zvg/Visualisierung

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Fünf Einsprachen sind gegen das Bauprojekt von Werner Humbel eingegangen. Was hat er vor? Der Unternehmer beabsichtigt, eine Hängebrücke über die Reuss zu bauen. Vom Bauwerk profitieren sollen Wanderer und hauptsächlich seine beiden Betriebe: der Schweinemaststall in Stetten und die Biogas-Anlage in Nesselnbach.

Denn unter die Brücke will Humbel eine Gülleleitung legen und dadurch 200 Fahrten pro Jahr einsparen. Bis anhin transportierte er die für den Betrieb der Biogas-Anlage nötige Gülle mit Traktoren und Güllewagen via Mellingen und Tägerig nach Nesselnbach.

«Brücke ist gesetzeswidrig»

Werner Humbels Bauwerk stösst vor allem den Naturschützern sauer auf: So gehören etwa die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, WWF und Pro Natura zu den Einsprechern. «Die Hängebrücke soll in die Sperr- und Wasserzone des Reussuferschutzdekretes gebaut werden, die erst noch im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler gelistet ist», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. Das sei ein starker Eingriff und klar gesetzeswidrig.

WWF-Geschäftsführerin Tonja Zürcher stimmt ihm zu: «Das Hauptproblem ist der Standort.» Dass ausgerechnet eine Zone gewählt wurde, in der verschiedene Schutzlandschaften aufeinandertreffen, verstehe man nicht. Schliesslich würden durch die Bauerei Lebensräume von Vögeln, Amphibien und anderen Tieren beeinträchtigt.

Zudem, sagt Johannes Jenny, sei mit der Gnadenthalbrücke einige Hundert Meter weiter die Zugänglichkeit gedeckt. «Das Argument, dass der Übergang auch Wanderern zu Gute kommen soll, lasse ich nicht gelten.»

Stall beeinträchtigt Natur mehr

Werner Humbel gibt sich auf Anfrage von den Einsprachen nicht sonderlich überrascht. «Die Hängebrücke ist ein Projekt, das polarisiert.» Die einen fänden es super, den anderen passe es gar nicht. Was ihn jedoch etwas ratlos lässt, ist, dass nur eines seiner beiden Vorhaben zu reden gibt. «Dass der Schweinestall, der auch in der Schutzzone liegt, rückgebaut und es in der Nähe Biotope geben wird, interessiert niemanden.» Damit mache er einen grossen Schritt für die Umwelt – beeinträchtige der Stall doch die Natur vielmehr als es die Hängebrücke tun würde.

Die Einsprecher bemängeln zwar das Bauprojekt, führen aber auch Alternativen auf: eine Gülleleitung unter die Gnadenthalbrücke oder eine unter die Reuss. «Wir sind überzeugt, dass Letztere trotzdem machbar ist», betont Johannes Jenny.

Denn: Humbel hat die Möglichkeit, eine Leitung unter den Fluss zu bauen, bereits geprüft und dafür rund eine Viertelmillion Franken ausgegeben. «Wir haben während eines Jahres an drei verschiedenen Stellen gebohrt», sagt er. Das geologische Verhältnis unter der Reuss erlaube eine solche Lösung aber nicht. «Wenn die Einsprecher so sicher sind, dass dies doch realisierbar ist, sollen sie ein Projekt erstellen. Ich kaufe es ihnen dann ab», sagt Humbel und lacht.

Antwort des Kantons steht aus

Der 51-Jährige hat zu den Einsprachen eine Stellungnahme verfasst. Die Dokumente liegen zurzeit beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Humbel rechnet mit einer Antwort in den nächsten paar Wochen. Auch wenn diese negativ ausfallen soll, würde er so schnell nicht aufgeben. Er ist überzeugt: «Das Projekt ist eine einmalige Chance.»