Wettinger Klosterspiele
Hannes Schmid: «Heute wird im Theater sehr viel diskutiert»

Hannes Schmid hat die künstlerische Leitung über die Wettinger Klosterspiele abgegeben: Im Interview mit der az hält er Rückschau auf sechs Jahre Theaterarbeit.

Marco Guetg
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Hannes Schmid. Walter Schwager

Hannes Schmid. Walter Schwager

Walter Schwager

Hannes Schmid, Sie haben kürzlich die künstlerische Leitung der Wettinger Klosterspiele abgegeben. Warum?

Hannes Schmid: Einerseits bin ich nicht mehr der Jüngste, andererseits habe ich sechs Jahre lang ziemlich viel für diese Klosterspiele gearbeitet und möchte jetzt einfach ein bisschen kürzertreten. Wobei ich diese Spiele nie hätte aufbauen und durchführen können ohne die unzähligen freiwilligen Helferinnen und Helfer.

Wie kamen Sie 2004 dazu, die Wettinger Klosteranlage zum Theaterort zu machen?

Ich kenne dieses Kloster seit meiner Jugend und wusste, dass dort Theateraufführungen stattgefunden haben und fand es schade, dass dies nicht mehr der Fall ist. Denn dieses Kloster mit seinen wunderbaren Plätzen hat eine Mystifikation, die einen packt.

Das war wohl auch der Grund, dass Sie als erste Inszenierung das «Salzburger Grosse Welttheater» ausgewählt haben, ein ausgeprägt religiöses Stück.

Im Vordergrund standen die Religiosität, Fragen nach reich und arm und allem weiteren, was in einem klösterlichen Umfeld passiert. Fragen, die offensichtlich ankamen, denn das «Welttheater» war von den drei Stücken publikumsmässig das erfolgreichste.

Sie haben dabei selber Regie geführt. Hatte der Kritiker und ehemalige Schauspieler Lust, wieder mal für die Bühne zu arbeiten?

Auch. Gleichzeitig war es für mich ein Test. Ich hatte ja selber einmal den König gespielt. Das Stück blieb mir von der Sprache her als etwas Grossartiges in Erinnerung. Mir schwebte deshalb eine ganz auf die Sprache konzentrierte Inszenierung vor, ohne Spektakel.

Und wie war Ihre Regieerfahrung?

Ich habe gemerkt, dass die Arbeit mit Profis nicht mehr gleich ist wie früher. Heute wird sehr viel diskutiert. Das wird schwierig, wenn der Regisseur genau weiss, wie er ein Stück inszenieren will.

Es folgten «Faust I» und letztes Jahr Hürlimanns «Dr Franzos im Aargau». Haben Sie die Stücke ausgewählt und dann den Regisseur gesucht oder war es umgekehrt?

Ich wollte dramaturgisch eine Fortsetzung. Da hat sich «Faust I» mit seinen Fragen um Leben und Tod und der Suche danach, «was die Welt, im Innersten zusammenhält», fast aufgedrängt. Als das klar war, ging es auf die Suche nach einem Regisseur. Beim «Franzos im Aargau» entwickelte es sich anders. Bei unseren Reflexionen über Leben und Tod sind wir beim Jahr 1798 gelandet, als das Kloster von den Franzosen besetzt war, eine Zeit, als im Kloster unglaublich viel passierte. Während zweier bis dreier Jahre wurden dort Tausende verletzte und kranke Soldaten gepflegt, waren die Menschen rundum von Tod umgeben. Dann habe ich Volker Hesse kontaktiert, dann Thomas Hürlimann, der mit seinem «Dr Franzos im Ybrig» diese Zeit schon mal theatralisch aufgearbeitet hatte. Hürlimann kam und war von der Anlage sofort begeistert. Mir war aber wichtig, dass die Aargauer Geschichte an diesem Ort einbezogen wurde. Bei diesen dramaturgischen Überlegungen entstand dann die Idee des Vorspiels mit seinen eindrücklichen Bildern von Tod, Schrecken und Angst.

Nun verlassen Sie die Klosterspiele. Haben Sie Barbara Riecke, Ihrer Nachfolgerin als künstlerischer Leiterin, bereits einen Tipp mit auf Weg gegeben?

Nein. Wohl hätte ich eine Idee, was sich als vierte Inszenierung eignen würde. Doch neuen Leuten soll man nicht reinreden. Die sollen frei sein, ihre eigenen künstlerischen Ideen zu entwickeln.