Baden
«Härdöpfelbunker» und Villen: Auf den Spuren der «verbotenen Stadt»

Zum 125-jährigen Bestehen der BBC/ABB bietet Baden Info eine spezielle Führung unter dem Name «Baden Turbo – Industrie, die bewegt» an.

Ursula Burgherr
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Baden Turbo – Industrie, die bewegt
8 Bilder
Stadtführerin Lucia Kohl informierte Interessierte durch die Geschichte der Badener Industire.
Während eineinhalb Stunden klärte Lucia Kohl Listmann die Interessierten über die Geschichte der Badener Industrie auf.
Die Stadtführung wird anlässlich des 125-jährigen Bestehen der ABB angeboten.
Die Gruppe begibt sich auf Erkundungstour.
Auch historisch relevante Bauten werden thematisiert.
Der Konzernriese ABB bot einigen Gesprächsstoff.
Die Stadtführerin lässt mit Bildern und ihren Schilderungen die Vergangenheit neu aufleben.

Baden Turbo – Industrie, die bewegt

Ursula Burgherr

1891 gründeten Walter Boveri und Charles E. Brown die BBC in Baden, aus der später der Grosskonzern ABB hervorging. Mit dem Bau von Gas- und Dampfturbinen sowie Turboladern eroberten sie die Welt. 125 Jahre später bietet Info Baden anlässlich des Jubiläums die Führung «Baden Turbo – Industrie, die bewegt» an. Die Führung führt durch das Industriegelände und gibt Einblick in die Blütezeiten der grossen Badener Fabrikationsbetriebe, welche die Kleinstadt an der Limmat weltweit bekannt machten. In der Limmatstadt schossen Fabrikhallen wie Pilze aus dem Boden. In Baden Nord entstand die sogenannte «verbotene Stadt». Der Name lässt sich auf folgende Begebenheiten zurückführen: Arbeiter konnten sie nur unter Vorweisung eines Arbeitsausweises betreten. Zudem standen um das Areal Portierhäuschen, an denen kein Unbefugter vorbeikam. Die Erkundungstour zeigt aber auch, was nach der Deindustrialisierung passierte, als die meisten Produktionshallen der Abrissbirne zum Opfer fielen.

Stadtführungen

Informationen und Anmeldungen unter www.baden.ch/stadtfuehrungen oder bei Info Baden, Bahnhofplatz 1, 5401 Baden; Tel. 056 200 87 87; info@baden.ag.ch. Nächste öffentliche Stadtführungen «Baden Turbo – Industrie, die bewegt»: Mittwoch, 21. September; Mittwoch, 12. Oktober; Mittwoch, 2. November; 18 Uhr. Kostenpunkt: 20 Franken für Erwachsene/10 Franken für Kinder. Alle Führungen können für Gruppen bis 25 Personen für 230 Franken gebucht werden.

Gestartet wird der eineinhalbstündige Rundgang auf dem Brown-Boveri-Platz vor den Trafohallen. In den heute öffentlich zugänglichen Hallen 36 bis 38 stellte die heutige ABB einst Transformatoren von monumentaler Grösse her und prüfte ihre Funktionstüchtigkeit im Hochspannungslabor, bevor sie in alle Welt transportiert wurden. Aus dieser Epoche erhalten geblieben sind die Stahlträger und eine Dachlaterne. Im 2014 eröffneten Trafo-Hotel in der Halle 38 zeugen Schwarzweiss-Aufnahmen von der industriellen Hochkonjunktur in Baden.

Vom «Härdöpfelbunker» und Villen

Stadtführerin Lucia Kohl Listmann lässt mit alten Bildern und ihren Schilderungen die Vergangenheit aufleben und zeigt auf dem Rundgang gleichzeitig, wie das einstige Industriequartier mit ausgeklügelter Architektur neuen Zwecken zugeführt wurde. Wo heute eines der drei Gebäude der Berufsfachschule BBB steht, richtete die damalige BBC 1904 die erste Werkkantine für Mitarbeiter ein. «Wir nannten sie den ‹Härdöpfelbunker›, da es dreimal in der Woche Kartoffeln gab», erinnerte sich René Eggenberger, der 40 Jahre für die BBC und ABB arbeitete und bei der ersten Führung mit dabei war. Man wünschte, seine Gedanken lesen zu können, als er durch das neue Areal mit den hochmodernen Gebäuden spazierte. Inzwischen haben sich dort neben dem Dienstleistungssektor der ABB zahlreiche andere Firmen eingemietet. Auch der amerikanische Grosskonzern General Electric macht sich nach der Übernahme der Kraftwerksgeschäfte von Alstom zunehmend breit. Er zählte schon zu BBC-Zeiten zu den grössten Konkurrenten. Noch immer in Betrieb ist der Turbolader-Prüfstand mit dem Strömungslabor. «Die ABB Schweiz ist in diesem Bereich nach wie vor Marktführer», sagt Kohl Listmann. Ein Fabrikgebäude, das genau wie das «Gloggehüüsli» noch aus der Gründerzeit stammt, ist die alte Schmiede – heutiger Standort des Kulturlokals Werkk. Von der Glocke des Portierhäuschens, über die ersten Loft-Wohnungen bis zu den noblen Villen der Patrons: Der Rundgang ist gespickt mit Anekdoten und bietet den Besuchern spannende Einblicke in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Baden.