Nussbaumen

Harsche Kritik am Konzept Oase: Planung habe am Limmatufer in Baden aufgehört

Auch die Grünen fordern einen Marschhalt bei der «Oase».

Auch die Grünen fordern einen Marschhalt bei der «Oase».

Das Regionale Gesamtverkehrskonzept Oase stösst auf grossen Widerstand. Das zeigte sich auch beim Informationsabend in Nussbaumen.

«Gibt es hier eigentlich auch jemanden, der für das Konzept Oase ist?», fragte Walter Vogt, der Moderator des Informationsanlasses zum Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau im Gemeindesaal Obersiggenthal. Wenn da wirklich jemand gewesen sein sollte, der das Konzept begrüsst, dann hat er – oder sie – sich jedenfalls sehr zurückgehalten. Der Tenor aus dem Volk war sehr deutlich: «Oase» löst in Ober- und Untersiggenthal gar keine Freude aus. Im Gegenteil.

Daran vermochte auch Regierungsrat und Baudirektor Stephan Attiger (FDP) nichts zu ändern, der auf das zu erwartende Wachstum in der Region, die Auswirkungen auf die Mobilität und damit auf die Ziele von «Oase» hinwies. Immerhin meinte der Badener Stadtammann Markus Schneider (CVP), in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Planungsverbandes Baden Regio, dass man bei Baden Regio glaube, dass die «Ansätze von Oase im Grundsatz richtig» seien.
Grundsätzliche

Kritik an den Plänen

Diese Ansätze – Plafonierung des Motorfahrzeugverkehrs, Beeinflussung des motorisierten Individualverkehrs durch Förderung von Bus und Bahn und vor allem des Veloverkehrs sowie ein Verkehrsmanagement – die Carlo Degelo (Leiter der Abteilung Verkehr beim Kanton) vorstellte, wurden allerdings stark in Zweifel gezogen. Das Konzept enthalte viele Schlagwörter, wurde vorgebracht. Es sei aber nicht klar, was es alles enthalte.

Die Auswirkungen auf Ober- und Untersiggenthal seien riesig. Angezweifelt wurden auch die Prognosen zu den Frequenzen. «Die 8,9 Millionen Fahrten jährlich – vorausgesetzt, dass die geplanten Massnahmen überhaupt greifen – geben angesichts der 6,5 Millionen Fahrten am Gotthard schon zu denken», meinte eine Dame. «Es ist nur schwer verständlich, wie da die angestrebte Siedlungsverträglichkeit erreicht werden soll.»

«Wir wollen keinen Autobahnzubringer bauen»

«Ich habe das Gefühl, dass die Planung am Limmatufer in Baden aufgehört hat», stellte ein Vertreter der IG OSN («Oase so nicht») fest. «Siggenthal wird ungerecht behandelt. Baden wird entlastet, das Siggenthal jedoch belastet.» Diesem Einwand, der starken Applaus bekam, hielt Carlo Degelo entgegen: «Wir wollen keinen Autobahnzubringer bauen. Wir verfolgen einen anderen Ansatz. Wir versuchen, das Mobilitätsverhalten zu beeinflussen.»

Auf Kritik stiess auch die Verteilung des Durchgangsverkehrs beidseits der Limmat. Sie soll allerdings gemäss «Oase» verbessert werden, indem der Verkehr vermehrt über den Wildenstich und Turgi Richtung Baden geleitet werden soll. Als problematisch wurde dabei der geplante Martinsbergtunnel bezeichnet: «Solange dieser Tunnel vorgesehen ist, haben wir keine Lösung, sondern ein Problem», wurde festgestellt.

Diesem Argument gegenüber zeigte sich Regierungsrat Attiger – teilweise, wie er betonte – zugänglich. «Wir wollen eine andere Verteilung des Verkehrs», betonte er. «Die Verteilung stimmt heute nicht. Was wir jedoch nicht wollen, ist eine Nord-Süd-Achse öffnen.»

Baudirektor: «Es geht nicht allein um Baukosten»

Den Einwand, dass man mit dem Projekt Oase die billigste Variante gewählt habe und Untersiggenthal dabei Opfer werde, liess der Baudirektor nicht gelten. «Es geht nicht allein um Baukosten», erklärte er. «Mit einer Umfahrung wird überregionaler Verkehr angezogen. Wir wollen aber den regionalen Verkehr abwickeln.»

Das sei ja alles schön und gut, meinte dazu ein Votant. «Aber dann ist der Tunnel in Baden für mich völlig unlogisch.» Eher wenig freundnachbarlich war der Einwand: «Da werden 400 Millionen für die Entlastung von Baden verlocht – und was haben wir davon? Die Massnahmen von Oase dienen nur der Beruhigung der Gemüter. Das Konzept ist kein Ausbund von Kreativität.»

Dazu entgegnete Carlo Degelo, dass unzählige Varianten geprüft worden seien. Seine Feststellung, dass es letztlich auch um Solidarität gehe, kam aber gar nicht gut an. Sie wurde mit Protestrufen und sogar Pfiffen quittiert.

«Es gibt noch sehr viele offene Fragen»

Der Obersiggenthaler Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) dürfte die Sache auf den Punkt gebracht haben. Er freute sich zwar ob des grossen Interesses, stellte aber zu den Aussagen zum Konzept Oase fest: «Wir haben in Obersiggenthal ganz andere Erfahrungen gemacht. Es gibt sehr viele offene Fragen.»

Im Namen der IG OSN dankte Eugen Frunz dafür, dass der Orientierungsanlass – der offenbar ursprünglich nicht vorgesehen war – möglich geworden sei. «In der Bevölkerung bestehen Bedenken und Ängste», erklärte er. «Es ist verständlich, dass man eine gute Lösung will.» An einer weiteren Informationsveranstaltung (am 2. Dezember, ab 19 Uhr im Gemeindesaal Obersiggenthal) will die IG ihre Analyse zum Konzept Oase präsentieren und ihre Forderungen an den Kanton darlegen.

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