Es gibt Badenerinnen und Badener, die haben bereits ihre Enkelkinder die Rutschbahn im Schuhhaus Ochsner runterrutschen gesehen, wie sie es selber als Kinder taten. Tempi passati: Seit über zwei Jahren steht fest, dass die Liegenschaft Badstrasse 36 einem Neubau zu weichen hat. Nun ist es so weit.

Planer und Architekten, darunter der mit Altbausubstanz an der Badstrasse vertraute Architekt Emanuel Schoop machen glaubhaft, dass Abbruch und Neubau unausweichlich seien. Kurz bevor es so weit ist, sei darum dieses Haus und dessen Geschichte gewürdigt.

Haus Besançon tanzt aus der Reihe

Nebst der besagten Rutschbahn zeichnet sich das «Haus Besançon», wie es Altbadener heute zu nennen pflegen, durch seine Querstellung aus. Es ist das einzige Gebäude in dieser Häuserzeile, das damit die Trauflinie der Satteldächer durchbricht. Die Fassade wird auf der Badstrassenseite durch einen schmucken Erker betont.

Laut Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider steht das Haus nicht unter kommunalem Schutz. Auch der Ensembleschutz, wie er in der neuen Bau- und Nutzungsordnung vorgesehen ist, könnte das Haus nicht vor dem Abbruch retten.

Das Gebäude wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bereits in Querstellung erbaut und nach der Jahrhundertwende restauriert, aufgestockt und mit einem Erker ausgestattet.

Bewegte Geschichte

In seinem Buch «Die Badstrasse im Wandel der Zeit» erzählt der ehemalige Geschäftsmann Hans Krissler mit gleichnamigem Ladengeschäft an dieser Strasse aus der Geschichte auch dieses Hauses.

Er erwähnt dabei, dass die Familie Levy – Krisslers schärfste Konkurrenz – dort einen Hutladen betrieben hatte. Das Geschäft war auf die Bauern und Viehhändler ausgerichtet, die jeweils nach Baden zu Markte zogen.

«Levy junior war das zu wenig fein, und diese Kundschaft passte auch nicht zu Frau Levy, die ihre Vormittage mit ziemlicher Regelmässigkeit im ‹Himmel› verbrachte», erzählt Krissler in seinem Buch.

So zogen die Levys nach dem Zweiten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten, ins Land der Hoffnung, wo sich diese aber nicht erfüllte. Zurück in der Schweiz übernahm Levy eine Fein-Kaller-Filiale in Basel – ohne Glück.

Den älteren Badenern bestens bekannten Namen erhielt das Haus durch Marcel Besançon, der während vieler Jahre den «Coiffeursalon für Sie und Er» führte. Nach dessen Tode übernahm die Tochter den Salon noch für kurze Zeit, bis das Gebäude in den Besitz des Schuhhauses Ochsner wechselte. In einem Obergeschoss hatte der «Haus- und Grundeigentümerverband» seine Büros.

Wenn es sich auch nicht um eine Altstadthäuserzeile handelt, so sei ein sorgsamer Umgang an diesem Ort unabdingbar, erklärt Markus Schneider. Der Neubau werde die Querstellung und die Erker (mit Loggia) aufnehmen, verspricht der federführende Architekt Emanuel Schoop.

Im Auftrag der zur deutschen Schuhverkaufs-Gruppe Deichmann gehörende Dosenbach-Ochsner AG plant er einen sorgfältig eingepassten Neubau. Ein architektonischer «Sündenfall», wie er beim Neubau nebenan (Nr. 34, Pultdach) vor über 20 Jahren heftig diskutiert wurde, soll damit vermieden werden. Und das Schönste dabei: Es gibt eine Rutschbahn.