Eine sanfte, fast schwebende Stimme hallt durch das Nordportal, begleitet durch die erdigen Klänge eines Cellos. Das rote Licht der Scheinwerfer ist auf Heather Nova gerichtet. Mit geschlossenen Augen steht sie da in ihrem langen Kleid, das die Krone eines Baumes ziert.

Für die Reise quer durch Europa hat Heather Nova den Multiinstrumentalisten Arnulf Lindner mit an Bord geholt. Ob am Piano, mit der Gitarre in der Hand oder am Cello – der Wiener Musiker mag auf ganzer Linie zu überzeugen. Es sind jedoch die zweistimmigen Gesangparts, die dem Konzert eine ganz spezielle Atmosphäre verleihen. Trotz der spärlichen Instrumentierung ist die oft balladesk anmutende Musik keinesfalls simpel oder langweilig.

Mühelos und mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Varianz schwebt Novas Stimme zwischen den verschiedenen Oktaven, dann wieder wechselt sie in einen fordernden Sprechgesang. Sanfte Gitarrenklänge wechseln sich ab mit rockigen Riffs, die Töne der Melodica füllen sanft den Raum und verleihen der Musik einen folkigen Charakter. Als Zuhörer gibt man sich ganz dem Geschehen auf der Bühne hin, treibt auf dem musikalischen Meer langsam aber stetig dem Sonnenuntergang entgegen.

Seit den 90er-Jahren reist Heather Nova mit ihrer Musik durch die Welt, hat 12 Alben und unzählige Singles veröffentlicht. Inspiration für ihre Texte und Melodien zieht die von den Bermudas stammende Singer-Songwriterin aus ihrer Kindheit, die sie mit ihrer Familie auf einem Segelboot in der Karibik und dem Atlantik verbrachte. So erstaunt es kaum, dass ihre neuste CD den Namen «300 Days at Sea» trägt. Auch ihre Naturverbundenheit drückt die Sängerin lyrisch aus.

Unterstützt wird sie dabei durch kunstvolle Bilder, die während des Konzertes in ständiger Bewegung hinter ihr zu sehen sind. Diese stammen von Alberto de Fabio, der Nova während ihres Kunststudiums kennen und schätzen lernte: «Diese Bilder zeigen den Ursprung der Menschheit», sagt die Amerikanerin, als hinter ihr die Umrisse kunstvoll gestalteter DNA vorbeiziehen. Zusammen mit der Musik entsteht eine hypnotische Atmosphäre im Nordportal, deren sich das Publikum nur schwer entziehen konnte.