Baden
Heimliche Hauptstadt: Eine Führung bietet tiefe Einblicke in die Geschichte der Bäderstadt

Einige haben sich wohl schon gefragt, weshalb aus dem einstigen Schloss eine «Ruine Stein» geworden ist oder warum an bester Stelle in Baden ein «Bernerhaus» steht. Bei der Stadtführung mit Ueli Burkhard erhält man auf diese und viele weitere Fragen spannende Antworten.

Philippe Neidhart
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Stadtführer Ueli Burkhard erklärt die auf der Tür zum Tagsatzungssaal in Bildern erzählte Geschichte.

Stadtführer Ueli Burkhard erklärt die auf der Tür zum Tagsatzungssaal in Bildern erzählte Geschichte.

Der Schwerpunkt der Führung mit dem klingenden Namen «Heimliche Hauptstadt der Eidgenossen» an diesem Sonntagmorgen liegt auf der Geschichte zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert – so macht sich das kleine Grüppchen auf den Weg in Richtung Ruine Stein. Dieser mythisch anmutende Ort war oftmals ein Dreh- und Angelpunkt, wie der geneigte Zuhörer erfährt – so beispielsweise bei der Auseinandersetzung zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern im Jahr 1415.

Lange konnten sich die Habsburger behaupten – erst als die Berner mit einer 1000 Mann starken Truppe samt Kanone anrückten, ergaben sich die Verteidiger und Baden fiel in die Hand der Eidgenossen, wie Burkhard erzählt. Nach dieser Geschichtslektion verteilt der Stadtführer allen Teilnehmern eine Bescheinigung, dass sie «in bester Gesellschaft und in friedlicher Absicht das Schloss Stein zu Baden erobert haben» – und dies exakt 601 Jahre nach den Eidgenossen.

Alle waren zufrieden – ausser die Berner

Bereits zu dieser Zeit besass Baden eine grosse Anzahl an Tavernen und eine gute Infrastruktur, was die Eidgenossen dazu veranlasste, ihre Tagsatzungen in der Bäderstadt abzuhalten. Während diesen wohnten die Vertreter der einzelnen Kantone in Baden: «Alle waren mit ihren Unterkünften überaus zufrieden – ausser die Berner», erklärt Burkhard.

Diese liessen sich an der Weiten Gasse ein eigenes Haus bauen, das auch noch heute unter «Bernerhaus» bekannt ist und durch seine besondere Architektur auffällt. Zu guter Letzt führt der Weg in den Tagsatzungssaal, in welchem bis ins 18. Jahrhundert wichtige Abmachungen getroffen wurden. So fiel unter anderem im Jahr 1506 der Entscheid, 150 stramme Landsknechte zum Papst zu schicken – noch heute als «Schweizergarde» bekannt.

Die wichtige diplomatische Stellung der Stadt Baden erlosch jedoch nach dem zweiten Villmergerkrieg, wie Burkhard erzählt. Nicht nur zerstörten die Zürcher das mittlerweile zu einer Artilleriefestung umgebaute Schloss Stein, sie zwangen die Badener, mit deren Steinen die heutige reformierte Kirche der Stadt zu errichten.