Wettingen
Heiner Studer: «Die Schulraumplanung ist wie ein schönes Ei»

Die Gemeinde Wettingen benötigt dringend mehr Schulräume. Vizeammann Heiner Studer nimmt Stellung zur Diskussion um die geplanten Schulhausbauten.

Dieter Minder
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Heiner Studer

Heiner Studer

AZ

Die Gemeinde Wettingen benötigt mehr Schulraum. Die Ursache liegt einerseits in der Bevölkerungszunahme und anderseits im neuen System mit sechs Jahren Primarschule. Entsprechend hat die Gemeinde vor rund einem Jahr eine Schulraumplanung präsentiert. Sie sieht vor, die Mittelstufe, also das 5. und 6. Primarschuljahr, im Schulhaus Zehntenhof zu konzentrieren. Um diese Absicht ist in den letzten Wochen eine heftige Diskussion entstanden. Vizeammann Heiner Studer, der das Ressort Schule betreut, äussert sich dazu.

Herr Studer, neuerdings wird die Idee, ein Mittelstufenzentrum im Zehntenhof einzurichten als faules Ei bezeichnet, was sagen Sie dazu?

Heiner Studer: Ja, Wettingen legt sich mit der Schulraumplanung ein Ei, aber kein faules Ei, sondern ein wunderschönes Ei, gelegt von einer glücklichen Henne. Es ist eben kein faules Ei. Deshalb verstehe ich nicht, dass Leserbriefschreiberinnen und -schreiber, die sich in der az meldeten, ein Mittelstufenzentrum für alle 5.- und 6. Klassschüler um jeden Preis verhindern wollen.

Die Interessengemeinschaft «Sechs Jahre ein Schulhaus» zweifelt die Schulraumplanung an.

Die Wettinger Schulraumplanung ist seriös und wird kontinuierlich überprüft. Die Planung für den Neubau des Schulhauses Zehntenhof läuft aufgrund eines Einwohnerratsbeschlusses vom Frühjahr 2012. Um Pfingsten wird die Jurierung für das Projekt beendet sein, wir hatten einen Wettbewerb durchgeführt. Anschliessend wird die Vorlage für den Einwohnerrat aufbereitet, was mit aktuellen der Schulraumplanung geschehen wird. Letztlich wird das Stimmvolk zu entscheiden haben. Was die Realisierung des Mittelstufenzentrums betrifft, sind wir der Überzeugung, dass pädagogische, räumliche und auch finanzielle Gründe eindeutig dafür sprechen.

Wie realistisch sind die Ausbauvorschläge der IG für die Primarschulhäuser?

Die IG «Sechs Jahre, ein Schulhau» verlangt den Unterricht von der 1. bis 6. Klasse im gleichen Schulhaus. Wenn man diesen Weg beschreiten wollte, müsste im Altenburg Platz für zusätzliche Klassen geschaffen werden. Mit Ausnahme der möglichen Anbauten für Gruppenräume, Rucksäcke genannt, erträgt das Areal keine räumliche Erweiterung. Das Grundstück kann nicht weiter überbaut werden, weil sonst der Spielraum für die Kinder auf unverantwortliche Weise reduziert würde. Es ist es vernünftig, im Altenburg genügend Schul- und Spielraum für die Dreifachführung der 1. bis 4. Klasse anzubieten.

Wie stark ist das Projekt Margeläcker mit dem Mittelstufenzentrum verknüpft?

Wenn die Realschule wie geplant zusammen mit der Sekundarschule ins Margeläcker verlegt wird, wird es in der Schulanlage Dorf genügend Schulraum für eine Doppelführung der 1. bis 6. Schulklassen haben.

Was passiert mit dem Schulhaus Zehntenhof?

Das Schulhaus Zehntenhof muss auf jeden Fall erneuert werden, denn ob es saniert oder neu gebaut wird, die Gemeinde muss jeweils rund 18 Millionen Franken aufwenden. Ein Mittelstufenzentrum mit wesentlich mehr Schulraum kostet nur einige wenige Millionen Franken mehr.

Die Schulanlage Margeläcker wird ausgebaut, wer wird dort unterrichtet?

In der erweiterten Schule Margeläcker sollen nach der Planung der Behörden die 1. bis 4. Klassen dreifach geführt werden. Sollten nach dem Vorschlag der IG die 1. bis 6. Klasse dort unterrichtet werden, wäre nur eine Doppelführung möglich. Das würde im Margeläcker ein weiteres Schulhaus mit zusätzlicher Turnhalle bedingen.

Was heisst das auf der Kostenseite?

Die Variante der IG wäre insgesamt mehr als 20 Millionen Franken teurer als die Vorschläge der Behörden. Wenn Wettingen für weniger Kosten eine auch pädagogisch sinnvolle Lösung der Schulprobleme realisieren kann, liegt dies im Interesse der Schülerinnen und Schüler und der Bevölkerung.