Christine und Gordon Schultz mussten sich am Flügel mächtig ins Zeug legen, um das Stimmengewirr im Wettinger Rathaussaal zu übertönen. Doch nach den ersten Anschlägen am Flügel wurde es ruhig und die rund hundert Gäste genossen den «Ungarischen Tanz vom Brahms».

Dass die beiden Musiklehrer spielten, hatte eine tiefere Bewandtnis: Sie umrahmten die Abschiedsfeier für Vizeammann Heiner Studer (EVP) und Gemeinderat Felix Feiner (SP). Heiner Studer, der nach 40 Jahren aus der Gemeindepolitik ausscheidet, war der Hauptinitiant der Musikschule Wettingen gewesen.

Wettingen Verabschiedung der Gemeinderäte Heiner Studer und Felix Feiner

Wettingen Verabschiedung der Gemeinderäte Heiner Studer und Felix Feiner

Er war immer fassbar und loyal

Die Arbeit der beiden abtretenden Politiker würdigte Gemeindeammann Markus Dieth. Studer hatte während 28 Jahren als Gemeinderat, wovon 20 Jahre zusätzlich als Vizeammann, das Bildungsressort geleitet.

Während 16 Jahren stand er dem Ressort Kultur vor. In dieser Funktion war er auch Mitglied des Stiftungsrats des Kurtheaters Region Baden-Wettingen. «Heiner machte sich mit seinen speziellen Initiativen nicht überall Freunde», sagt Dieth, um dann zu präzisieren: «Er war im Gemeinderat fassbar und stets loyal. Als Vizeammann konnte ich immer auf in zählen.»

Beruf und Politik für den Verkehr

Auf 24 Jahre Gemeindepolitik, davon je die Hälfte als Einwohnerrat und Gemeinderat, kann Felix Feiner zurückblicken. Dieth wies in seiner Ansprache auf eine Besonderheit in Feiners politischer Karriere hin: «Er war einmal der höchste Wettinger, nämlich Einwohnerratspräsident.»

«Politik hat mich Geduld gelehrt», zitierte Dieth eine von Feiners Aussagen. Zuständig für den Verkehr, musste er erleben, dass es sehr lange dauern kann, bis eine Idee realisiert werden kann. Doch fristgerecht zu seinem Abschied wurde noch die Linie 12, vom Bahnhof Wettingen ins Kantonsspital, in Betrieb genommen. Mit dem Bahnhof verband ihn sein Berufsleben in Wettingen, denn er war dort Teamchef gewesen.

Als Geschenk überreichte Dieth den abtretenden Gemeinderäten je ein Velo-Reparatur-Set. Sowohl Studer als auch Feiner sind in Wettingen entweder zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs.

Zur Feier waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde sowie amtierende und ehemalige Politiker gekommen. Unter ihnen der älteste Einwohnerratspräsident des Kantons, Max Knecht. Er hatte am 21. Januar 1966 die erste Einwohnerratssitzung in Wettingen und damit im Aargau gleitet.

Vor der Feier hatten in Wettingen gleich zwei Gemeinderatssitzungen stattgefunden. In der Ersten, mit den beiden abtretenden Mitgliedern, wurde noch aufgeräumt, was es zu erledigen gab. In der zweiten Sitzung waren Studer und Feier nicht mehr dabei, ihre Plätze hatten Markus Maibach (SP) und Philippe Rey (parteilos) eingenommen.