Strip-Poker an Schule
Heiner Studer: «Wir wussten nichts von den Vorwürfen und Gerüchten»

Strip-Poker im Unterricht und Porno als Hausaufgaben. Der Wettinger Vizeammann Heiner Studer verspricht, dass die Vorfälle an der Oberstufe aufgeklärt werden und der Lehrer nicht mehr in Wettingen unterrichten werde.

Dino Nodari, Dean Fuss
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Heiner Studer verspricht null Toleranz

Heiner Studer verspricht null Toleranz

AZ

Der Oberstufen-Lehrer steht zwei Jahre vor der Pensionierung. Als Rechenaufgagbe hat er vor einem Jahr mit seinen Schülern Strip-Poker gespielt. Bis im Februar wusste die Schulpflege nichts von diesem Vorfall. Erst im Februar wurde die Schulpflege informiert, schreibt Heiner Studer in einer Stellungnahme. Der Vizeammann von Wettingen und Vorsteher des Ressorts Bildung erklärt, dass die Schulpflege über den Lehrer informiert wurde, weil er sich gegenüber Schülern mit sexistischen Äusserungen verbal vergriff. Vom Strip-Poker-Vorfall habe aber auch Studer erst im Februar erfahren.

«Von den Vorwürfen und Gerüchten ist nichts zu uns gedrungen», sagt Heiner Studer. Auch seine Tochter Lilian, die an der Oberstufe in Wettingen unterrichtet, habe nichts davon gehört. «So gut kenne ich meine Tochter, wüsste sie etwas, hätte sie das nicht verschwiegen.»

«Auch ich wurde betatscht»

Rund um das Schulhaus Zehntenhof in Wettingen sind die Vorwürfe gegenüber einer Lehrkraft unter den Schülern das Thema Nummer 1. «Auch ich wurde von ihm betatscht», sagt ein Mädchen. Sie und auch weitere Betroffene hätten die Vorfälle anderen Lehrern mitgeteilt. «Diese haben uns gesagt, dass sie das an die Schulleitung weiterleiten würden.» Passiert sei aber nichts. Die Lehrkraft habe vornehmlich die Mädchen belästigt, sagen zwei Buben. «Er hat den Mädchen hinter dem Rücken am BH-Verschluss herumgefingert, sie massiert, gestreichelt und ihnen an den Po gefasst.» Im Schwimmbad habe er sich jeweils unter den Augen seiner Schülerinnen und Schüler umgezogen, ergänzen die beiden. Doch nicht alle in Wettingen haben von den Vorfällen Wind bekommen. «Ich habe heute Morgen in der Zeitung erstmals davon gelesen. Gerüchte habe ich keine aufgeschnappt», so eine Mutter. Sie habe aber auch nicht näher mit dem Schulhaus Zehntenhof zu tun gehabt, da ihre Kinder in anderen Schulhäusern zur Schule gehen. (dfs)

Auch von den Gerüchten, die an der Schule kursieren, der Lehrer betatsche Schülerinnen, weiss Studer nichts. Jetzt bestehe aber Handlungsbedarf: Es müsse sofort alles getan werden, um abzuklären, wer was wusste. Beim Strip-Poker-Vorfall sei es nicht bis zum letzten gekommen. Die wesentlichen Körperstellen seien immer bedeckt gewesen. «Trotzdem, das darf nicht sein», empört sich Studer. «Da gibt es null Toleranz.»

Hausaufgabe: Pornos anschauen

Der Fall kam aus, weil sich besorgte Eltern an die Schulpflege wendeten. Dies berichtete «20 Minuten». Der Lehrer habe ihren Kindern als Hausaufgabe aufgetragen, Pornos zu schauen. Zudem habe er die Schüler mit perversen Sprüchen bedrängt. Eine Mutter berichtet gar, er habe ihrer Tochter an den Po gefasst. Seit Anfang März ist der Lehrer krank geschrieben.

Zu den Hausaufgaben-Pornos kann Heiner Studer nichts sagen. Er habe diese Infos erst gestern Abend erhalten und seither keine Zeit gehabt, allen Details nachzugehen. Damit wolle er aber nicht sagen, dass dieser Vorwurf vernachlässigbar sei.

Der angeschuldigte Lehrer wollte gegenüber az keine Stellung nehmen. Die ganze Kommunikation in diesem Fall laufe über Heiner Studer und Schulpflegepräsident Thomas Sigrist. «Auch ich will seine Version hören. Er kann sich bei uns rechtfertigen», sagt Studer. Konkret über die Taten des Lehrers sei noch nicht gesprochen worden. Für den Lehrer gilt die Unschuldsvermutung.

Schulpflege wurde nicht informiert

Heiner Studer bestätigt, dass der Lehrer bis im Sommer krankgeschrieben sei: Vermutlich handle es sich um ein Burn-Out. «Der Lehrer wird sicher nicht mehr in Wettingen unterrichten. Wir gehen auch davon aus, dass er in den verbleibenden zwei Jahren vor seiner Pensionierung kaum mehr an einem anderen Ort als Lehrer tätig sein wird. Auch aufgrund seiner Krankschreibung wäre das nicht in seinem Interesse, und schon gar nicht in demjenigen der Schülerinnen und Schüler», so Studer.

Nach dem Strip-Poker hätten sich der Schulleiter, der Schulpsychologische Dienst, die Schulsozialarbeiterin und weiteren Fachleuten der Sache angenommen. Sie seien zur Folgerung gekommen, dass der Lehrer unter Auflagen weiterbeschäftigt werden könne. «Leider wurde die Schulpflege damals nicht informiert», so Studer. «Der Schulleiter ist zwar Vorgesetzter der Lehrer, hätte aber in solchen Fällen wie vor einem Jahr dennoch eine Meldepflicht gegenüber den Behörden.»

Für seine Lektionen sei eine Stellvertreterin eingesetzt worden. Eine Vertretung der Schulpflege habe in den letzten Tagen intensive Gespräche mit den Eltern geführt. Die Schulpflege sei jetzt daran, das Problem der internen Kommunikation und des internen Kontrollsystems aufzuarbeiten.

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