Baden
Heinz Winter gewährt intime Blicke hinter den Mikrokosmos Gassenshow

Heinz Winters Film «Mikrokosmos Gassenschau» feierte Premiere. Mit seinem Dokumentar-Film gewährt Heinz Winter dem Publikum einen intensiven Blick hinter die Kulissen von Karl’s Kühne Gassenschau.

ursula burgherr
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Ernesto Graf (l.), Heinz Winter, Paul Weilenmann an der Premiere. UBU

Ernesto Graf (l.), Heinz Winter, Paul Weilenmann an der Premiere. UBU

Die innovativste und experimentierfreudigste Varieté-Theater-Gruppe der Schweiz ist mit Open-Air-Spektakeln wie «Silo 8» und «Fabrikk» Kult geworden. Was in den Achtzigerjahren als kleiner Strassenzirkus startete, hat heute eine Dimension erreicht, die kaum mehr zu toppen ist.

Gründungsmitglieder Ernesto Graf, Markus Heller, Brigitt Maag und Paul Weilenmann sind immer noch mit dabei. Dokumentarfilmer Heinz Winter, der lange in Baden lebte und mit «Abschied vom Gstühl» sein erstes filmisches Werk vorlegte, war bei Karl’s Kühne Gassenschau (KKG) eine Saison lang an der Bar tätig.

«Da kam mir die Idee, dem Publikum zu zeigen, was hinter den gigantischen Shows steckt und auf der Bühne nicht zu sehen ist.»

Intime Einblicke

Das Resultat seiner dreieinhalbjährigen Arbeit überzeugt. Nicht nur die Gründer, Schauspieler und Musiker kommen zu Wort, sondern auch Leute, die keinen Applaus einheimsen, obwohl ohne sie das Grossunternehmen KKG nicht funktionieren würde.

Zum Beispiel die Crew des GMT-Catering, die vor den Shows in eineinhalb Stunden bis zu 600 Essen über die Theke reicht und nachher das «Schlachtfeld» aufräumt.

Die Bewohner von St. Triphon (KKG spielte im dortigen Steinbruch eine ihrer ersten grossen Open-Air-Produktionen) berichten über ihre Begegnungen mit den «langhaarigen und schlecht rasierten Kerlen», hinter deren Äusseren sich aber eine bewundernswerte Professionalität verberge.

Einblender von den riesigen mobilen Bühnen-Konstruktionen aus Schrott und Eisen und einzelnen Showsequenzen flimmern über die Leinwand. Die Filmzuschauer erleben, wie in der Werkstatt Tag für Tag getüftelt und repariert wird.

Intime Einblicke in die engen Wohnwagen-Behausungen werden gezeigt. Menschliche Schicksale kommen aufs Tapet.

Viel zu lachen

Trotzdem gibt viel zu lachen bei Winters liebevollem Blick durch die Kamera. Vom einzigartigen Teamwork, künstlerischer Magie, aber auch Streitereien, dem oft drohenden Bankrott und Einsätzen bis zur Erschöpfung ist die Rede.

Und wie man sich im Team immer wieder zusammenrauft für jeden neuen Auftritt. Den KKG-Urgesteinen Ernesto Graf und Paul Weilenmann gefiel Winters Film ausnehmend gut.

Graf: «Er brachte sehr intensiv rüber, wie es bei uns Backstage zu und her geht. Und es gäbe noch viel mehr zu erzählen; denn Karl’s Kühne Gassenschau ist eine unendliche Welt mit Tausenden von Elementen – eben ein Mikrokosmos.»

«Mikrokosmos Gassenschau» soll Ende Juli 2013 eine Woche lang in den Badener Kinos gezeigt werden. www.heinzwinter.com