Der nominierte SP-Kandidat Jürg Caflisch wird nicht einfach durchmarschieren können. Der Stadt Baden steht nämlich ein heisser Wahlherbst bevor. Bürgerlich oder nicht bürgerlich heisst die Frage. Es geht ganz klar um die künftige Mehrheit im Stadtrat.

Andrea Libardi (52), Mario Delvecchio (56), Daniel Schneider (53) – aus diesem Trio wird die FDP am 17. August ihren Stadtratskandidaten auf den Schild heben. Dies bestätigt die Partei nun in einer Medienmitteilung. Der Parteivorstand habe mit allen dreien intensive Gespräche geführt. Er könne der Partei drei «erfolgversprechende und äusserst kompetente» Kandidaten zur Auswahl vorschlagen.

Bürgerliche sind sich einig

«Seit Daniela Berger ihren Rücktritt bekannt gegeben hat, laufen bei uns die Gespräche auf Hochtouren», sagt Co-Vize-Präsident Tobi Auer von der FDP. Man sei innerhalb der bürgerlichen Parteien in stetem Kontakt gewesen. Sie alle würden sich bei den Ersatzwahlen hinter die FDP-Nomination stellen. «Es geht in erster Linie darum, die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat wiederherzustellen», erklärt Auer und macht klar, dass der Angriff nicht auf die SP gerichtet ist, sondern auf die jetzigen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat. «Und wir wollen die Chance packen und den verloren gegangenen zweiten Stadtratssitz zurückholen», fügt Auer an. Bei den Bürgerlichen gibt es hinter den Kulissen allerdings auch Stimmen, die der Meinung sind, dass es nicht zu einer Kampfwahl gekommen wäre, wenn die SP statt Caflisch den gemässigteren Erich Obrist nominiert hätte.

Bestes Pferd im Stall winkt ab

Als Hoffnungsträger und allenfalls künftiger Stadtammann wurde der ehemalige Grossratspräsident und FDP-Nationalratskandidat Thierry Burkart mehrfach gehandelt. So bei einer bürgerlichen Gruppierung, die bereits kurz nach «Gerigate» aktiv geworden ist, nun aber das Feld der FDP überlassen hat. Auer bestätigt: «Wir waren auch mit Thierry Burkart im Gespräch.» Dieser wurde von verschiedenen Seiten angegangen.

Doch letztlich winkt Burkart ab: «Obwohl es mich ausserordentlich reizen würde und ich sehr gerne für meine Stadt Verantwortung übernommen hätte, bin ich schweren Herzens zum Schluss gekommen, dass die gleichzeitige Kandidatur für zwei politische Ämter nicht geht.» Die Nationalratskandidatur erfordere seinen ganzen Einsatz, sagt Burkart. «Und wer mich kennt, der weiss, dass ich keine halben Sachen mache.»

Wer ist für die Kultur geeignet?

Zur Disposition steht die Führung des frei werdenden Ressorts Kultur, zu dem die Tagesstrukturen (Abteilung Kinder Jugend Familie) gehören. Die besten Voraussetzungen bringt zweifellos Einwohnerrätin Andrea Libardi mit. Libardi ist seit neun Jahren in der Politik und bezeichnet sich «als begeisterte Lokalpolitikerin». Sie sieht auch ihre Trümpfe, die sie für das Ressort ausspielen könnte: «Als Einwohnerrätin wie auch früher als Schulpflegerin habe ich mich intensiv mit den Themenbereichen Kind, Jugend, Bildung und Familie auseinandergesetzt. Die Juristin und Fundraiserin für soziale Projekte mit eigenem Unternehmen hat ihren Fokus auf Bildung und Finanzen.

Delvecchio war schon Gemeinderat

Mario Delvecchio bringt als früherer freisinniger Gemeinderat von Ipsach BE vier Jahre Exekutiv-Erfahrung mit. Der Unternehmer hat in Vorständen (IG Dättwil – wo Baden boomt, Zunft zur Sankt Cordula) mehrfach gezeigt, dass er sich für eine Sache einsetzen kann. «Die Anfrage motiviert mich dazu, in der Stadt auch auf politischer Ebene etwas zu bewegen», sagt Delvecchio. Man wisse von ihm, dass er anpacken könne und auch kein Blatt vor den Mund nehme, wenn es notwendig sei. «Werde ich als FDP-Kandidat nominiert, blicke ich zuversichtlich dem Wahltag entgegen», so Delvecchio.

Daniel Schneider rutschte als erster Ersatz unlängst in den Einwohnerrat. Er wohnt seit zehn Jahren in Rütihof, wo er den Dorfverein präsidiert. Schneider wohnte zuvor in Birmenstorf, wo er Gründungsmitglied der örtlichen FDP war. Als Garagist hat er ein eigenes Unternehmen. «Es ist spannend, wenn man seinen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten kann. Und weil ich es mich von andern Gremien gewohnt bin, vorne hinzustehen, würde mich ein Stadtratsmandat reizen», sagt Daniel Schneider motiviert. Alle drei möglichen Kandidaten sind überzeugt, dass sie am 18. Oktober gegen Jürg Caflisch gute Wahlchancen hätten.

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