Der erste «Baden Regio Talk» des Regionalplanungsverbands «Baden Regio» brachte gestern lokale Akteure aus Politik und Wirtschaft unter dem Dach der Tägerhard-Turnhalle in Wettingen zusammen.

Der Anlass, der gemeinsam mit dem Aargauischen Gewerbeverband (AGV) und der Regionalgruppe Baden der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) durchgeführt wurde, hatte die «Chancen und Herausforderungen der Region» im Fokus.

Zwölf der 26 Gemeinden, die dem Planungsverband angehören, packten die Chance, und stellten im Rahmenprogramm sich und ihre Wohn-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten an Ausstellungsständen vor.

Über 370 Besucher wollten zudem von den jetzigen und zukünftigen Herausforderungen für die Region hören, über die Hansueli Loosli, Coop-Verwaltungsratspräsident, Stephan Attiger, FDP-Regierungsrat und Vorsteher des Bundesamts für Verkehr und Umwelt (BVU), aber auch der Turgemer Gemeindeammann Adrian Schoop (FDP) in seiner Funktion als Unternehmer sowie der Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) sprachen.

Bis zu 180'000 Einwohner mehr

Die erste Durchführung der «Dating-Plattform» für Gewerbe und Politik, wie es Kuster nannte, wurde vonseiten der Gemeinden wohlwollend begrüsst. «Es war gar keine Frage, dass wir hier mitmachen», sagte Neuenhofs Gemeindeammann Susanne Voser (CVP, siehe unten). Roland Kuster, Präsident von «Regio Baden», erklärte in seiner Eröffnungsrede: «Was wir diskutieren müssen, ist, was die Gemeinden dazu beitragen können, dass es dem Gewerbe besser geht.

Wie entwickeln wir diese Region gemeinsam weiter? Und was ist auf Wirtschaftsseite notwendig?» Die Region Baden-Wettingen gehöre zu denjenigen mit der grössten Prosperität in nächster Zeit, so Kuster. Regierungsrat Stephan Attiger wurde in seinem Referat konkreter: «Baden-Wettingen ist die grösste Region im Aargau bezüglich Einwohnerzahl und Arbeitsplätze. Und hat mit Abstand das grösste Wachstum hinter sich.» Es sei nicht unrealistisch, dass es bis zirka 2040 bis zu 180'000 Personen mehr sein werden.

Er verwies auf das starke Wachstum des Kantons in den letzten Jahren: «Dieser ist in den letzten Jahren jährlich um rund 6000 bis 8000 neue Einwohner gewachsen. Eine stattliche Zahl», so Attiger. «Das stellt uns vor riesige Herausforderungen».

Die Attraktivität der Region führe zur Frage: «Wie gehen wir damit um?» Er verweist auf verdichtetes Bauen: «Wir müssen die Räume nutzen, so wie wir es bei Hansueli Loosli gehört haben, wenn Coop einen Laden baut, sind sie auch bereit dazu, obenhin Wohnungen zu bauen.»

Er sprach auf das vorhergehende Referat von Coop-Chef Hansueli Loosli an, der in Würenlos aufgewachsen ist und heute in Wettingen lebt. Loosli versicherte, dass Coop vermehrt Wohnraum schaffen möchte, um dem Anspruch des verdichteten Bauens gerecht zu werden: «Das ist ein Thema, das mir am Herzen liegt.» 98 Prozent der Fläche ihrer Liegenschaften bräuchten sie heutzutage für Laden oder Lager, «nur zwei Prozent sind für Wohnen ausgeschrieben.»

Das wolle Coop ändern. Ihr Ziel sei, in diesen Verkaufsstellen, in denen sie bisher nichts gemacht hätten, darüber hinaus auch Wohnungen zu bauen, «in der Grössenordnung eines Anteils von 10 Prozent.» Gerade gestern sei er in einer Gemeinde gewesen, wo es geheissen hätte, dass sie froh wären, wenn nicht einfach der Laden neu gemacht, sondern auch Wohnraum gebaut würde. «Wir sind auch bereit, das in der Region Baden zu machen», sagte Loosli.

Anlaufstelle für die Wirtschaft

Weiter diskutiert wurden die hiesige Verkehrsinfrastruktur, die an ihre Grenzen stösst, attraktive Standorte mit einer guten Erschliessung an den öffentlichen Verkehr sowie sinnvolle Öffnungszeiten. Kuster verwies auf «Baden Regio» als Anlaufstelle, wo Firmen aus der Region ihre Bedürfnisse mitteilen können. Unternehmer Schoop forderte derweil von der Politik ein offenes Ohr für die Anliegen der Wirtschaft — und klare und direkte Kommunikations-
wege.