Zum Gedenken

Herbert Bucher – Ein grossartiger Dirigent und Mensch

Herbert Bucher.

Herbert Bucher.

Vor vier Jahren wurde Herbert Bucher vom Wettinger Männerchor Liederkranz würdig verabschiedet, der Applaus wollte nicht enden. Eine Zugabe folgte noch am Wettiger Fäscht. Nach über vier Jahrzehnten kehrte der bekannte Chordirigent dem Dirigentenpult den Rücken. Trotz fortschreitender Krankheit plante er noch bis vor kurzem, seine Tätigkeit als Chordirigent wieder aufzunehmen. Der Hinschied am frühen Morgen des 10. Mai beendete alle seine Träume. Seine Familie verliert einen fürsorglichen Ehegatten und Vater, die Sänger werden ihren treuen Freund und Kameraden vermissen.

Bereits mit noch nicht ganz 23 Jahren übernahm Herbert Bucher den Männerchor Harmonie Baden (heute Badener Sänger). Es kamen der Männerchor Liederkranz Wettingen, Stadtsängerverein Aarau, Männerchor Leuggern dazu, seit 1969 der Männerchor Neumünster-Riesbach in Zürich (später Stadtsänger Zürich), Männerchor Bassersdorf und Sängerverein Thalwil. Jeder Abend war von einem Chor belegt. Dazu dirigierte er an Nachmittagen die Wirtechöre Zürich und Baden sowie am späteren Nachmittag den Werkmeisterchor der BBC. Zudem leitete er in Zürich noch die Kantorei Erlöser/Zollikon. Herbert Buchers Agenda war randvoll mit Chor- Terminen.

Er war ein exakter Chorleiter, Halbbatziges tolerierte er nicht. Mit bekannten, knapp bemessenen Gesten zeigte er seinen Sängern alles Wichtige an. Pianissimo, Fortissimo, Crescendo oder Decrescendo brauchten keine grossen Bewegungen. Die Sänger richteten den Blick auf den Dirigenten, Noten einzig als Anhaltspunkt, mehrheitlich auswendig singend. An unzähligen Bezirks-, Kantonal- und Eidgenössischen Sängerfesten wurden seine Chöre meist mit hohen Auszeichnungen bedacht. Als ausgebildeter Pädagoge und erfolgreicher Absolvent des Konservatoriums legte er viel Wert auf eine klare Sprache.

Dabei half ihm sein Mitwirken beim Kammer-Sprechchor von Ellen Widmann während der Konservatoriums-Zeit. Herbert Buchers Sänger genossen während der Proben kostenlosen Gesangsunterricht. Er korrigierte, doch nie wurde er laut, nie stellte er einzelne Sänger bloss. Wenn er Fehler bemerkte – und er bemerkte alle Fehler –, so musste das gesamte Stimmregister eine Stelle wiederholen, bis sie seinem Musikempfinden entsprach.

Besonders beeindruckend war, wenn er mit mehreren Chören als Grosschor mit bis zu 200 Sängern auf Aargauer Bühnen stand. Wer erinnert sich nicht an die grossartigen Konzerte im Tägerhard oder in den Kirchen von Wettingen und Leuggern, wenn er mit weltbekannten Gesangssolisten auftrat. Mit dem Bassbariton Simon gab er sieben Konzerte. Sängerinnen und Sänger wie Francisco Araiza, Kristjan Johannson, Boiko Zvetanov, Noëmi Nadelmann traten mit einem von Bucher geleiteten Chor im Aargau auf.

Auch die Grosskonzerte in Thalwil und in der ausverkauften Zürcher Tonhalle waren beeindruckende Momente, denn er verstand es wie kaum ein Zweiter, attraktive Programme zusammenzustellen. Nicht nur Grosskonzerte machten Herbert Bucher bekannt. Viele Auftritte seiner Chöre in kleinerem Rahmen im Dorf, in der Stadt bei verschiedensten Anlässen werden bei Sängern wie Zuhörenden ewig in Erinnerung bleiben. Grosse Erfolge durfte Bucher auch mit dem 1978 von ihm gegründeten Chor «Die Herberts» feiern. Diesen Chor aus Laien formte er zu einem Ensemble von Ruf bis weit über den Kanton hinaus.

Gestern fand in Kirchdorf der Trauergottesdienst statt. Es war ein würdiger Abschied von einem grossartigen Dirigenten und Menschen.

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