Wenn einer die Geschichte des Stadtcasinos Baden kennt, dann Peter Blöchlinger. Der 68-Jährige gehört seit einem Vierteljahrhundert dem Verwaltungsrat der Stadtcasino Baden AG an. Seit knapp zwanzig Jahren ist er deren VR-Präsident. Im Juni dieses Jahres ist Schluss; Peter Blöchlinger sagt der Stadtcasino Baden AG Adieu.

Herr Blöchlinger, Sie haben das Stadtcasino fast seit seiner Geburtsstunde begleitet. Gab es beim Zusammentragen der Fakten für die Broschüre für Sie trotzdem noch Überraschendes?

Peter Blöchlinger: Ja und Nein. Bis heute verstehe ich nicht, wie es dazu kam, dass Stadtrat und Einwohnerrat 1985 das Konzept durchwinken konnten, das hiess: Mit der einzigen Geschäftsidee, «Betrieb eines Restaurants im Kursaal» soll das Kapital von 18,5 Mio. Franken (wovon 8,5 Mio. Franken Hypotheken) verzinst und amortisiert werden können (Kapitalbedarf von jährlich 800 000 Franken) und zudem das über hundert Jahre alte Kursaalgebäude laufend unterhalten und renoviert werden können.

Erinnern Sie sich noch an den 25. Oktober des Jahres 2001, als der Bundesrat mitteilte, dass Baden eine A-Konzession für den Casinobetrieb erhalten werde?

Ja klar. Ich erhielt an diesem Tag ein Telefon von Peter Probst, damals Präsident der Spielbank Baden AG. Ich war derart euphorisiert, dass ich im strömenden Regen zum Stadthaus rannte, um die Freude mit dem damaligen Stadtammann Josef Bürge zu teilen. Wenn wir die Konzession damals nicht erhalten hätten, hätten wir höchstwahrscheinlich tatsächlich den Konkurs anmelden müssen.

Man kann sagen, für das Stadtcasino brachen die fetten Jahre an. Doch was hat das Casino eigentlich der Stadt Baden gebracht?

Sehr viel. Und dabei denke ich nicht nur an die jährliche Dividendenausschüttung von rund einer Million Franken an die Stadt. Nein, ohne das Stadtcasino gäbe es das Kongress- und Businesszentrum Trafo wahrscheinlich gar nicht. Denn nachdem wir die Automatenlizenz erhalten hatten und eine A-Casinolizenz beantragen wollten, musste ein Ersatzstandort für den Kursaal gefunden werden. Weiter denke ich auch an das Stadtcasino-Parkhaus, das Parkleitsystem oder die Buslinie 9 der RVBW, die es ohne Stadtcasino nicht gäbe. Nicht verschweigen möchte ich auch die jährlich 250 000 Franken Sponsoringgelder im Bereich Soziales, Kultur und Jugendsport.

Und doch ist ein Casino in den Augen vieler ein Ort, der vor allem Spielsüchtige anziehe und eine ideale Plattform für Geldwäsche biete.

Beides trifft nicht zu. Bei Übernahme des Mandates 1990 habe ich mir natürlich überlegt, ob ich die Installation eines Casinos in Baden mit meinem Gewissen verantworten könnte. Schliesslich habe ich mit Überzeugung zugesagt und die Lösung der Probleme angepackt. Mindestens 99 Prozent der Bevölkerung hat keine Probleme mit Spielsucht. Wer mit Casinospielen nicht umgehen kann, hatte immer die Möglichkeit, illegal, im grenznahen Ausland oder im Internet zu spielen. Hinzu kommen Lotto und Toto. Vor allem aber haben die schweizerischen Casinos in den letzten 11 Jahren über 10 Mrd. Franken in die AHV einbezahlt.

Das Stadtcasino Baden ist als einziges Schweizer Casino im Mehrheitsbesitz der öffentlichen Hand – die Stadt Baden besitzt 51 Prozent der Aktien. Macht das Sinn? Dies umso mehr, als auch Engagements im Ausland eingegangen werden.

Ich denke, das macht absolut Sinn. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir 2001 die A-Konzession abgesehen von unserer Erfahrung mit dem Automatencasino auch deshalb erhielten, weil der Bundesrat wusste, dass die Stadt hinter unserer Unternehmensgruppe steht.

Jetzt sinken die Bruttospielerträge. Wäre das für die Stadt Baden nicht ein idealer Zeitpunkt, ihre Aktien zu verkaufen?

Solche Diskussionen gab es tatsächlich seit 2009. Klar, ein Verkauf von 51 000 Aktien würde viel Geld in die Stadtkasse spülen. Doch das wäre eine sehr kurzfristige Denkweise. Immerhin hat das Papier bis fast zuletzt eine Rendite von fünf Prozent abgeworfen.

Kommt Baden bei der Neukonzessionierung 2020/2022 wieder zum Handkuss?

Der Bundesrat kommt unseres Erachtens nicht darum herum, Baden wieder zu berücksichtigen, können wir doch auf eine Spieltradition wie kein anderes Schweizer Casino zurückblicken. Hinzu kommt die Einbettung in die Vergnügungsmeile Trafo mit Kinosälen, Hotel und vieles mehr bis hin zu den Bädern, wo in den nächsten Jahren rund 200 Mio. Franken investiert werden sollen.

Sie werden dann nicht mehr Verwaltungsratspräsident sein . . .

. . .  nein, wir schlagen unseren Aktionären an der nächsten Generalversammlung einen neuen Präsidenten vor. Dem Stadtrat werden wir diesen Vorschlag in den nächsten Tagen unterbreiten, den Namen kann ich ihnen deshalb noch nicht verraten.

Sie sind vor rund zwei Jahren auch beruflich kürzergetreten. Tritt ab Juni die grosse Langeweile ein?

Ich denke nicht. Vielmehr werde ich dann Zeit für meine fünf Enkelkinder haben und ich werde mehr Sport treiben können und mehr Zeit zum Lesen oder für ein gutes Glas Wein haben.