Ennetbaden

«Herr Laube, ist Ihr Job nach 30 Jahren nicht langweilig?»

Anton Laube: «Ich habe das Glück, in einer Zeit zu arbeiten, in der sich Ennetbaden sichtbar verändert.» M. Marx

Anton Laube: «Ich habe das Glück, in einer Zeit zu arbeiten, in der sich Ennetbaden sichtbar verändert.» M. Marx

Anton Laube arbeitet seit März 1984 als Ennetbadener Gemeindeschreiber. Seine politische Meinung äussert er ohne Umschweife

Als Anton Laube (57) im März 1984 zum ersten Mal die Türe des Ennetbadener Gemeindehauses öffnete, war die Welt noch eine ganz andere; eine, an die man sich kaum mehr erinnern kann.

Bundespräsident der Schweiz war Leon Schlumpf, in Sarajevo hatte wenige Tage zuvor Skifahrerin Michela Figini für die Schweiz die Goldmedaille in der Abfahrt gewonnen, und die Firma Apple hatte eben den ersten Macintosh vorgestellt.

Im Büro, das Laube betrat, stand aber noch kein Computer, sondern eine Speicher-Schreibmaschine der Firma Hermes. «Wir waren richtig stolz, mit solch modernen Maschinen arbeiten zu dürfen», sagt Laube heute lachend.

In den dreissig Jahren oder 10 950 Tagen, die er seither als Gemeindeschreiber tätig war, sei er jeden Tag – wirklich jeden Tag – gerne arbeiten gegangen.

«Ich habe das Glück, in einer Zeit arbeiten zu dürfen, in der sich Ennetbaden sichtbar verändert.» Mit der Umfahrung sei ein Jahrhundertprojekt realisiert worden, das Bäderquartier befinde sich in der Umgestaltung. «Und niemand hätte gedacht, dass der Promenadenlift so rege benützt wird und so gut ankommt bei der Bevölkerung.»

Diese Veränderungen Ennetbadens miterleben zu dürfen, sei eine grosse Freude.

Laube ist korrekt und unauffällig gekleidet; er strahlt Zuverlässigkeit und Loyalität aus. Früh stand für ihn fest, dass er Gemeindeschreiber werden möchte, denn es gebe keinen besseren Beruf.

Und doch stellt sich eine Frage: «Ganz ehrlich, Herr Laube, ist es nicht langweilig, dreissig Jahre lang am selben Ort denselben Job zu machen?»

«Nein», sagt er und lacht. «Nicht bei diesem Job, der wirklich Spass macht, weil er so spannend und vielseitig ist.» Die Aufgaben hätten sich stark verändert, seien früher weniger komplex und formalistisch gewesen.

Er habe das Glück gehabt, mit Gemeinderäten zusammenzuarbeiten, in denen immer sachlich diskutiert wurde und kein Streit herrschte. So sei das Arbeitsklima auch dank eines guten Geistes im Verwaltungsteam immer angenehm gewesen. Er wiederum habe immer versucht, so gewissenhaft und präzise wie möglich zu arbeiten und zu informieren, und seine persönliche Meinung so wenig wie möglich einfliessen zu lassen.

Aussagen ohne Umschweife

Etwas überraschend äussert Laube seine politische Meinung, wenn man ihn danach fragt, ohne Umschweife – auch wenn sie bei der täglichen Arbeit so wenig wie möglich einfliessen sollte, wie er sagt. «Ich fühle mich der FDP am nächsten», sagt er etwa, oder: «Für Ennetbaden wäre es sehr erfreulich, wenn die Nachbargemeinde Baden das Thermalbadprojekt vorantreiben würde. Oder: «Eine Fusion mit Baden wäre theoretisch schnell realisierbar, und es bestehen auch keine Ängste. Aber ich frage mich, ob es für unsere Gemeinde wirklich Sinn macht, die Unabhängigkeit zu verlieren.»

Es habe auch schwierige Momente gegeben in den letzten dreissig Jahren, etwa bei Vormundschaftsfragen. Einmal habe man einer Grossmutter die zwei Enkelkinder wegnehmen und zur Adoption freigeben müssen, «Die Begründung zu verfassen, war emotional eine schwierige Sache.»

Wenn alles klappt und die Gesundheit es zulässt, möchte Laube bis zur Pension Ennetbadener Gemeindeschreiber bleiben. «Es ist noch kein Tag vergangen, an dem ich mir wünschte, einen anderen Beruf gewählt zu haben.»

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