Wettingen

«Herzensangelegenheit»: Landhockey-Crack fliegt jede Woche von Hamburg nach Hause

Im «Tägi» daheim: Für seinen grossen Traum fliegt Patrick Müller jede Woche von der Alster an die Limmat.

Im «Tägi» daheim: Für seinen grossen Traum fliegt Patrick Müller jede Woche von der Alster an die Limmat.

Landhockeyspieler Patrick Müller will mit Rotweiss Wettingen am Europacup im Tägerhard seine Karriere krönen. Weil er in Hamburg arbeitet, heisst es für ihn derzeit: donnerstags Flug in die Schweiz, montags Flug nach Hamburg.

Vom 16. bis zum 18. Februar spielen im Tägerhard in Wettingen die besten Landhockeyteams Europas. Mit Rotweiss Wettingen als Vertreter der Eidgenossenschaft und als Organisator des grössten Hockey-Events der Schweiz. Und mit Patrick Müller, der für seinen grossen Traum viel in Kauf nimmt.

Bereits mit vier Jahren machte Patrick Müller seine ersten Gehversuche mit dem Krummstock auf der Bernau in Wettingen. Und das Talent schien ihm in die Wiege gelegt worden zu sein, war doch auch sein Vater Kudi Müller ein erfolgreicher Landhockeyaner. So ging alles sehr schnell. Bald spielte er in der Nationalliga A und mit 16 Jahren gab er sein Debüt in der Schweizer Nationalmannschaft. Bei einem Europacupturnier mit Rotweiss spielten die Wettinger gegen «Den Club an der Alster» aus Hamburg, einen der renommiertesten Vereine in Deutschland. Die Hamburger wurden auf das Talent aus der Schweiz aufmerksam und lotsten ihn in den Norden.

Aus dem kurzen Abenteuer wurde eine lange Erfolgsgeschichte. Über sechs Jahre spielte Päddi Müller, wie ihn alle rufen, in der deutschen Bundesliga. Zuerst absolvierte er daneben eine Ausbildung zum Sport-und Fitnesskaufmann. Seit drei Jahren ist er als Koordinator im Jugendbereich für über 500 Junioren verantwortlich – vom Dreikäsehoch bis zum 18-jährigen Nachwuchstalent. Und daneben spielte Müller immer in der Bundesliga und absolvierte rund 120 Partien in der besten und härtesten Liga der Welt, die mit acht Trainings pro Woche aber auch ihren Tribut fordert.

Fliegen für den grossen Traum

Der Hamburger Verein hat sechs angestellte Trainer und rund 3500 Mitglieder – ungefähr so viele wie in der ganzen Schweiz Landhockey spielen. Die Doppelbelastung mit den zahlreichen Trainings, Bundesligaspielen und der Verantwortung für den Jugendbereich wurde immer schwieriger. «Es wurde auf die Dauer etwas zu viel», sagt Patrick Müller. Zudem machten ihm Kniebeschwerden nach einem Knorpelschaden zu schaffen. So wollte er seine Karriere als Spieler jedoch nicht beenden.

Er entschloss sich, noch einmal für seinen Stammverein Rotweiss Wettingen aufzulaufen. «Ich wollte zum Abschluss wieder bei Rotweiss spielen. ‹Back to the Roots›. Und dem Verein etwas zurückgeben», erklärt der 184 cm grosse Müller. Rotweiss hatte sich gerade für die höchste europäische Liga qualifiziert, vergleichbar mit der Champions League im Fussball. Und um diesen Traum zu verwirklichen, nimmt Müller viel in Kauf: Er hat nach wie vor seinen Job als Jugendkoordinator in Hamburg. Jeweils am Donnerstag fliegt er von der Hansestadt in die Schweiz, um mit Rotweiss zu trainieren. Am Wochenende folgen die Ligaspiele oder Zusammenzüge mit der Nationalmannschaft und am Montag fliegt er wieder in den Norden Deutschlands. «Ich führe quasi ein Jetset-Leben», meint Müller mit einem breiten Grinsen.

Dieses Mammutprogramm nimmt er seit November auf sich. Jedoch legt er dafür tüchtig drauf. «Ich bezahle alles selber. Das organisiere und begleiche ich privat. Das ist für meinen Traum, noch einmal mit Rotweiss einen A-Europacup spielen zu können», betont Müller. «Es ist einfach eine Herzensangelegenheit.»

In Action: Seit er vier Jahre alt ist, spielt Patrick Müller Landhockey.

In Action: Seit er vier Jahre alt ist, spielt Patrick Müller Landhockey.

Spitzenturnier als Karrierekrönung

Vom 16. bis 18. Februar treffen sich im Sportzentrum «Tägi» die besten acht Teams des Kontinents. Rotweiss Wettingen vertritt als Schweizer Meister die Eidgenossenschaft auf dem Parkett. Und tritt als Organisator des grössten und wichtigsten Hallenturnieres auf Klubebene auf, das je in der Schweiz gespielt wurde. Die Wettinger sind also doppelt gefordert. Genauso wie Päddi Müller, der noch einmal zeigen will, was er auf der Bernau so alles gelernt hat.

Danach soll Schluss sein mit der Karriere als Spieler und auch seine Zeit bei «Alster» wird ablaufen. Im Frühling wird Patrick Müller bei Klipper THC, einem anderen renommierten Verein in Hamburg, seine neue Stelle als Trainer und Koordinator im Jugendbereich antreten. Dann ist auch sein Jetset-Leben wieder vorbei. Doch zuerst will er für seinen grossen Traum nochmals alles geben, hart trainieren, und sich in zehn Tagen vor dem heimischen Publikum in Wettingen gegen die übermächtig scheinenden Gegner aus ganz Europa behaupten.

Europacup im Hallenhockey der Männer: Vom 16. bis 18. Februar 2018 mit den acht besten Klubmannschaften aus ganz Europa in der Spiel- und Sporthalle Tägerhard, Wettingen. Final am 18. Februar ab 14.30 Uhr.

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