Gstühl

Luftaufnahme von Hans Suter, 1958

Luftaufnahme von Hans Suter, 1958

Das Gstühl ist in Baden ein bekannter Begriff. Nach ihm ist auch die neue Bebauung zwischen Brugger- und Stadtturmstrasse benannt, wo früher noch die «Seerose» stand. Hinter der Häuserzeile Stadtturmstrasse, dort wo die verkehrsbelastete Bruggerstrasse durchführt, war nämlich früher ein weiter Platz. Bei schönem Wetter flatterten hier die zum Trocknen aufgehängten Betttücher der fleissigen Hausfrauen. Zur Rütistrasse hin stand die imposante Scheune der Bauverwaltung. Auf dem monatlichen Viehmarkt brüllten die Kühe und quietschten die Ferkel.

Wenn in der Stadt Baden ein Haus gebaut wurde, schnitten die Zimmerleute auf diesem, vom Verkehr ungestörten Platz die Balken und Pfetten zu. Bevor die Hauswände mit einem Dach versehen wurden, stellten die Handwerker hier den hölzernen Dachstuhl zusammen, um darauf, wieder in Einzelteile zerlegt, den Neubau mit einem Gstühl zu versehen. Dem Dachdecker blieb dann noch das Legen der Dachziegel. Stühle wurden erst viel später, in der Schreinerei Burger, zusammengeleimt.

An diesem Platz befanden sich mehrere Handwerker, so eine Schuhmacherei und die Kleiderfabrik. In der Nähe, am Hahnrainweg, war auch die einstige Badener Giesserei Heimgartner domiziliert, auf Stadtgebiet stösst man heute noch auf Schachtdeckel der «Giesserei Baden». Mit dem neuen Eisenbahntunnel und der grossen Verkehrssanierung Anfang der 1960er-Jahre wurde das Ortsbild beim Gstühl einschneidend verändert.

Damianweg

Der Damianweg.

Der Damianweg.

Jahrzehnte lang hiess der Damianweg «Friedhofweg», bildete er doch die Abgrenzung zum alten Friedhof nebenan, der 1821 angelegt und bis 1949 die Verstorbenen der Stadt aufnahm. Die Anwohner der Neuüberbauung beantragten dann die Umbenennung. Der Damianweg stellt den Bezug zur religiösen Vergangenheit her, der heilige Damian ist der zweite Schutzpatron der Stadtkirche Maria Himmelfahrt. Die sterblichen Überreste des Katakomben-Heiligen kamen 1650 aus Rom hierher. Katholisch Baden feiert am zweiten Sonntag im November seinen Schutzpatron.

Mansbergweg

Der Mansbergweg

Der Mansbergweg

Ritter Burkhart von Mansberg war von 1411 bis 1415 letzter österreichischer Landvogt von Herzog Friedrich IV. Er verteidigte 1415 das Landvogteischloss, gegen die anstürmenden Eidgenossen. Nach der Kapitulation Badens zog er sich mit der Truppe aufs Schloss Stein zurück. Zwei Tage nach der Belagerung und dem Beschuss der Feste, am 11. Mai 1415, ging Mansberg einen Waffenstillstand für acht Tage ein. Da er von Herzog Friedrich keine Unterstützung bekam, kapitulierte er dann am 18. Mai. Die Eidgenossen liessen ihn mit seiner Mannschaft abziehen. Sie räumten das Schloss, schafften das Archiv der Österreicher nach Luzern und zerstörten am 21. Mai 1415 die Festung.

Vordere und Hintere Metzggasse

Die Metzggasse

Die Metzggasse

Die Strassenschilder, wenigstens der Vorderen Metzggasse, sind noch an den Mauern sichtbar, diejenigen der Hinteren Metzggasse sind offenbar bei Aussensanierungen abhanden gekommen. Heute sucht man hier allerdings vergebens nach einer Metzgerei. Vor mehreren Jahrzehnten war am oberen Ende der beiden Gassen, beim Cordulaplatz, noch die Kuttlerei Helfenberger. Aber auch sie ist längst verschwunden, so, wie auch der Milchladen und die Bäckerei Moser, die dort ihre Geschäfte hatten. Oder ist Metzger Müller von gegenüber, ein Geschäft in der vierten Generation, für die Namensgebung verantwortlich?

Heute führt die Lüscher Wohnen AG hier ihr Geschäft.

Heute führt die Lüscher Wohnen AG hier ihr Geschäft.

Die beiden Gassen verdanken ihre Namen der einst dazwischen liegenden Metzg. Dort wo die Lüscher Möbel AG (heute Lüscher Wohnen AG) Einrichtungen präsentiert, stand das alte Schlachthaus von Baden. Im Brunnen an der Weiten Gasse fanden die hier zur Schlachtbank geführten Ochsen und Kühe ihren letzten Trunk. Im ersten Stock hatten Kaufleute ihre Waren eingelagert. 1933 zog der Schlachtbetrieb in den Neubau an der Schwimmbadstrasse auf dem Gemeindegebiet von Wettingen. Das ehrwürdige Gebäude blieb bis zu seinem Abbruch 1947 stehen. Hans Moser baute das neue Haus und betrieb dort eine Eisenwarenhandlung, bevor Hans Lüscher seine Möbel darin präsentierte. Übrigens: Die näher zum Rathaus liegende Gasse ist die Vordere, die letzte in der Altstadt die Hintere.