Ober- und Niederrohrdorf
Hier blüht bald der scharfe Mauerpfeffer

Die Trockenmauern in der Märxli-Landschaft werden aufwendig saniert. Zivildienstleistende führen die Arbeiten aus. Das Geld dafür kommt von den Gemeinden Ober- und Niederrohrdorf, dem Kanton und dem Bund.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
Die Zivildienstleistenden bauen am steilen Hang stabile Trockenmauern – mit Schweizer Präzision.
13 Bilder
So sieht eine sanierte Trockenmauer aus.
Mit dem Bagger hievt einer der Männer einen Stein auf die Mauer, wo er dann passend eingesetzt wird.
Zwischen Rebberg (links) und Magerwiese steht diese Trockenmauer.
Dieser Zivildienstleistende bearbeitet den Stein, damit alles schön passt.
Immer wieder prüfen die Männer, ob die Steine richtig geschichtet wurden.
So präsentierte sich die Trockenmauer vor der Sanierung.
Die stark überwachsenen Mauern müssen zuerst freigelegt werden.
Zwei Jahre nach ihrer Sanierung fügt sich diese Trockenmauer wieder schön ins Landschaftsbild ein.
Die Zauneidechse nutzt die Trockenmauern als Lebensraum – draussen an der Sonne oder drinnen im Versteck.
Der rote Mauerpfeffer breitet sich bei den Mauern aus – auf dem Bild noch ohne Blüte.
12_Einer der steilen Hänge im Märxli-Gebiet vor dem Bau...
Diese Trockenmauern in Ober- und Niederrohrdorf werden aufwendig saniert

Die Zivildienstleistenden bauen am steilen Hang stabile Trockenmauern – mit Schweizer Präzision.

David Egger

Die Schotten brennen nicht nur guten Whisky – vor 20 Jahren brachten sie den Schweizern ein hier längst vergessenes Handwerk bei: Die Kunst des Mauerns ohne Mörtel. Eine Tradition, die auch zum Aargauer Landschaftsbild gehört. Steile Hänge und wuchtige Bäume brechen die Mauern aber entzwei. Sie rutschen nach unten und verschwinden hinter viel Grün.

Eidechsen und anderen Amphibien gefällt das nicht: Die Mauern sind ihr Lebensraum, hier wollen sie Sonne tanken und nicht im Schatten bibbern. Um die Mauern wieder in einen guten Zustand zu bringen, werden sie vielerorts saniert – auch im Märxli-Gebiet, wo die Grenze zwischen Ober- und Niederrohrdorf quer durch den Hang verläuft. Auf dem Hügel wuchsen einst grossflächig Reben, wie die 200 Jahre alte Michaelis-Landkarte zeigt. Heute wechseln sich Kuhweiden, Magerwiesen und Hecken ab.

Alle Steine sind aus der Schweiz

Seit drei Jahren stellen Zivildienstleistende die Märxli-Mauern wieder instand. Im nächsten Jahr ist die Grunderneuerung fertig. Schulter an Schulter schwitzen Deutschschweizer und Welsche, hauen die Gesteinsbrocken zurecht und schichten sie auf. Eine Knochenarbeit: Die jungen Männer verbauen pro Mauer bis zu zwei Tonnen Schweizer Gestein.

Gut verbaute Trockenmauern würden Betonmauern durchaus Konkurrenz machen, sagt Naturgärtner Franz Weber. Der Freiämter leitet die Arbeiten. Die Zivildienstleistenden sind teils erfahrene Bauarbeiter, teils blutige Anfänger. Der Stabilität halber müssen sie die Mauern immer halb so breit wie hoch bauen, was die Aufbauarbeiten aufwendig macht.

Aber auch lohnenswert: Hin und wieder schauen Eidechsen und Blindschleichen bei den Zivildienstleistenden vorbei und besichtigen ihr neues Zuhause. Nicht nur Kleintiere richten sich im Mauerwerk ein: Auf den vor zwei Jahren sanierten Mauern blühen bereits der rötliche und der selten gewordene scharfe Mauerpfeffer. Kleine Gewächse wie diese schaden der Mauer nicht. Der Niederrohrdorfer Gemeindeammann Gregor Naef freut sich: «Was verwachsen war, präsentiert sich jetzt als schönes Kulturerbe.»

Langer Rechtsstreit um das Naturschutzgebiet

Thomas Egloff, Fachbereichsleiter der Sektion Natur und Landschaft des Kantons, sagt: «Das Märxli ist keine klassische Naturschutzzone, sondern ein Mosaik von artenreichen Lebensräumen und landwirtschaftlich genutzten Flächen.» Es sei zudem speziell, dass es sich hier um ein gemeindeübergreifendes Vorhaben handle.

Dem Projekt ging in den 90er-Jahren ein langer Rechtsstreit voraus. Ein Bauer wehrte sich gegen die Umzonung des «Märxli» in ein Naturschutzgebiet. Er ging bis vors Bundesgericht, unterlag aber.

Kosten: mehr als eine halbe Million Franken

Die Gemeindeversammlungen von Ober- und Niederrohrdorf sprachen je einen Kredit von 100 000 Franken für das Projekt, der Kanton zahlt 200 000 Franken. Am meisten steuert der Bund bei: 65 000 Franken aus dem Schweizerischen Landschaftsfonds und 200 000 Franken aus dem Zivildienst-Budget.