Ennetbaden

Hier bringt ein kleiner Kasten einen grossen Ertrag

Hier an der Rebbergstrasse in Ennetbaden werden Verkehrssünder seit Mitte Dezember gefilmt und gebüsst.

Hier an der Rebbergstrasse in Ennetbaden werden Verkehrssünder seit Mitte Dezember gefilmt und gebüsst.

Weshalb Verkehrssünder in Ennetbaden gefilmt und gebüsst werden und wie viele schon in die Falle getappt sind.

Die beiden Kästchen am Laternenpfahl an der Rebbergstrasse in Ennetbaden fallen nicht gross auf. Erst wenn man sich extra achtet, sieht man sie. Seit Mitte Dezember 2019 werden gefilmt und in der Folge mit 100 Franken gebüsst.

Denn die Rebbergstrasse ist von Ehrendingen her mit einem Fahrverbot belegt. Dieses gilt von 6 bis 9 Uhr ohne Ausnahmen. Von 9 Uhr bis 6 Uhr ist es für den landwirtschaftlichen Betrieb und für Anwohner in der näheren Umgebung aufgehoben. Sprich: Wer kein Landwirt oder Anwohner ist, muss von Ehrendingen kommend über das Ennetbadener Zentrum zur Rebbergstrasse und angrenzenden Strassen fahren.

Kamera wird bald wieder demontiert, für wie lange?

Es ist kein Geheimnis, dass sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an dieses Verbot hielten und gerne den Schleichweg, dank dem sich einige wertvolle Minuten gewinnen lassen, benutzten. Offenbar derart viele, dass Anwohner bei der Gemeinde vorgesprochen haben und sich über die hohe Frequentierung auf besagter Strasse beklagen. «Die Gemeinde – sie hat die Hoheit über das Anbringen von Blitzern – hat im Anschluss Massnahmen gefordert, die durch die Stadtpolizei umgesetzt wurden», sagt Hermann Blaser, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Baden.

Mit «Massnahmen» ist eine kleine Kamera gemeint, die Verkehrssünder filmt. «Wir haben die Kamera erst installiert, nachdem Kontrollen bestätigt haben, dass das Fahrverbot weitgehend missachtet wird und somit das geforderte Eingreifen der Anwohner und der Gemeinde gerechtfertigt ist», sagt Blaser. Seit Inbetriebnahme seien bereits 700 Bussen ausgesprochen worden. Somit ist schon ein stolzer Betrag von 70000 Franken zusammen gekommen.

Die Kamera soll laut Blaser schon bald demontiert werden. Aber: Eine weitere Montage und Einsatz der Kamera sei zu einem späteren Zeitpunkt wieder geplant. «Wir hoffen natürlich, dass die Kamera jetzt den erwünschten Effekt erzielt und dadurch der Schleichverkehr abnimmt», sagt Herman Blaser.

Fahrverbot wurde Ende der 1960er-Jahre eingeführt

Gemeinderat und Sicherheitsvorsteher Dominik Kramer (SP) bestätigt, dass die Gemeinde die Stadtpolizei angefragt habe – nicht aber primär mit dem Wunsch eines Blitzers. «Vielmehr war uns eine Erhebung wichtig. Denn mit der Einführung des Verkehrsmanagements und der elektronischen Busspur auf der Ehrendingerstrasse im Sommer 2019 wollten wir herausfinden, wie sich dies auf den Schleichverkehr auswirkt.»

Viele Gebüsste werden sich wohl fragen, ob das Fahrverbot neu angebracht wurde. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: Bereits Ende der 1960-er Jahre wurde – von Ehrendingen her – ein absolutes Fahrverbot an der oberen Ehrendingerstrasse eingeführt. Laut Gemeindeschreiber Anton Laube war damals ein schlimmer Unfall zwischen einem Auto und einem Fahrrad der Auslöser.

Das generelle Fahrverbot bestand dann bis Anfang 2013. Erst danach wurde es im Sinne eines Kompromisses aufgelockert und die Zufahrt wurde für Anwohner «der oberen Dorfhälfte» von 9 bis 6 Uhr gestattet. «Der Schleichverkehr stellt auch insofern ein Problem dar, als die Strasse gar nicht als Zufahrtsstrasse ausgelegt ist», sagt Anton Laube.

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