Baden

Hier erhalten Sozialhilfebezüger Tipps bei der Wohnungssuche

Anhand einer Musterbewerbung erklärt Stephan Grossenbacher, was bei einer Wohnungssuche zu beachten ist.

Anhand einer Musterbewerbung erklärt Stephan Grossenbacher, was bei einer Wohnungssuche zu beachten ist.

Das neue «Beratungskafi» des Sozialwerks Hope in Baden hilft Armutsgefährdeten, eine Bleibe zu finden.

Sandra (Name geändert) bezieht Sozialhilfe und ist auf Wohnungssuche. Ihr grösster Wunsch: Eine Bleibe in der Gemeinde zu finden, in der Bekannte leben und sie sich wohlfühlt. Doch die Liegenschaftsverwaltungen vertrösten sie stets. Insgesamt dreimal wird Sandra auf die Warteliste gesetzt. Ihr Frust ist gross, die Motivation im Keller. «Was nun?», fragt sie.

Menschen, die wie Sandra Sozialhilfe beziehen, gesellschaftlich schlecht integriert oder finanziell angeschlagen sind, haben es oft schwer, eine Wohnung zu finden. Hier kommt nun das christliche Sozialwerk Hope in Baden ins Spiel: Seit neustem bietet es ein «Beratungskafi» für Wohnungssuchende an. Im Restaurant des «Hope» können sie sich bei Kaffee und Guetzli erste Tipps zur Wohnungssuche einholen. Auch haben sie Einsicht in Adresslisten von Liegenschaftsverwaltungen. Nicht zuletzt haben sie die Gelegenheit, sich mit Menschen in ähnlichen Lebenslagen auszutauschen und ihre Anliegen sowie ihre Bedenken mit «Hope»-Mitarbeitern zu teilen.

«Zuhören und Mut spenden ist für Menschen, die armutsgefährdet sind oder am Rande der Gesellschaft leben, etwas vom wichtigsten», sagt Stephan Grossenbacher, Leiter Soziale Arbeit bei «Hope». Gemeinsam mit Sozialbegleiterin Susanne van Bouwelen hat er das «Beratungskafi» initiiert. «Mit unserem niederschwelligen und unverbindlichen Angebot wollen wir das machen, wofür Behörden und Ämter kaum Zeit haben», so Grossenbacher. Eine Beziehung mit den Wohnungssuchenden aufbauen, ihnen ein offenes Ohr bieten und sie im Bewerbungsprozess bestmöglich unterstützen.

Mit Sozialpreis ausgezeichnet

So wie im Fall von Sandra. Die Sozialhilfeempfängerin konnte diese Woche beim ersten «Beratungskafi» ihren Frust und ihre Ängste vor der nächsten Wohnungssuche kundtun. «In solchen Fällen versuchen wir, Fragen zu beantworten und die Menschen zu motivieren, nicht aufzugeben.» Genügt dies nicht, können Klienten eine vertiefte Beratung bei der Beratungsstelle für Wohnungssuchende des «Hope» buchen. Das Angebot wurde 2016 lanciert und im letzten Jahr mit dem Sozialpreis der Landeskirchen Aargau ausgezeichnet. Die Beratungsstelle arbeitet eng mit Ämtern, Verwaltungen sowie Institutionen zusammen und ist im Gegensatz zum «Beratungskafi» kostenpflichtig. Personen, die keine Sozialhilfe beziehen, zum Beispiel Gassenleute, steuern einen Unkostenbeitrag bei. Alle anderen bezahlen 60 Franken pro Stunde. Die Stelle wird wie auch das «Beratungskafi» vom Kanton unterstützt, wobei das Defizit durch Spenden abgedeckt wird.

Doch warum haben Armutsgefährdete oft Mühe, eine Wohnung zu finden? «Es liegt nicht nur an der finanziellen Unsicherheit, sondern vor allem auch an den Berührungsängsten», erklärt Grossenbacher. «Menschen mit Sozialhilfe oder einer IV-Rente versunsichern. Wie gehe ich mit ihnen um? Passen sie in die Mieterschaft? Das sind Fragen, die den Vermieter beschäftigen», sagt er. Komme hinzu: «Die Wohnungssuche ist oft nur eine von zahlreichen Baustellen im Leben von Armutsgefährdeten.» Daher bedinge es vonseiten der Vermieter grosses Vertrauen.

«Mit Angeboten wie dem ‹Beratungskafi› und der Beratungsstelle wollen wir nicht nur Wohnungssuchende unterstützen, sondern auch das soziale Herz der Vermieter erreichen.» Das ist dem «Hope» bisher gut gelungen: Von 44 Beratungsanfragen im letzten Jahr konnten 15 mit einem Mietvertrag abgeschlossen werden, 19 sind noch am Laufen und in 10 Fällen musste die Wohnungssuche abgebrochen werden. «Wir greifen den Klienten zwar unter die Arme, möchten aber, dass sie selber aktiv sind», sagt Grossenbacher.

Jeden ersten Mittwoch im Monat

Am ersten «Beratungskafi» waren neben Sandra auch ein alleinstehender Mann und eine vierköpfige Familie zu Besuch. «Wir konnten sie mit Informationen eindecken und sind zufrieden, wie das neue Angebot gestartet ist», so Grossenbacher. Es findet ab sofort jeweils am ersten Mittwoch im Monat im Restaurant des «Hope» statt. Ende Jahr ziehen die Betreiber dann Bilanz. «Stösst das ‹Beratungskafi› auf Interesse, werden wir es auf alle Fälle weiterführen», sagt der Leiter Soziale Arbeit.

«Beratungskafi» für Wohnungssuchende: 6. März, 14.30 bis 16.30 Uhr, «Hope», Stadtturmstrasse 16, Baden. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1