Wo normalerweise ein Schiedsrichter mit Trillerpfeife steht, hat sich eine Band versammelt. Die Zuschauer feuern ihre Favoriten nicht mit Sprüchen an, sondern klatschen im Takt der Musik. Die Turnhalle der Kantonsschule Baden war während der letzten Tage in brasilianischer Hand. Bereits zum 18. Mal fand das Capoeira Ostertreffen statt.

In einer Ecke hat sich bereits ein Kreis aus stolzen Eltern und aufgeregten Kindern gebildet – die jüngsten Kämpfer sind gerade mal drei Jahre alt. Den Kleinen steht die erste Taufe bevor – sie zeigen zum ersten Mal ihr Können und erhalten die hellgrüne Kordel. Diese ist die erste von 14 Kordeln, deren Farben sich an der brasilianischen Flagge orientieren. Erhält man die weisse und damit die letzte Kordel, kann man sich Mestre – zu deutsch Meister – nennen.

Der Organisator des Ostertreffens, Mestre Omar, hat seine weisse Kordel bereits seit 1996. Er erklärt, dass im Capoeira nicht gegeneinander gekämpft, sondern miteinander gespielt wird. «Es geht darum, den Gegner zu lesen», sagt der Mestre. Zwar werden während der Capoeira-Vorführungen neben Handständen und Sprüngen auch die für Kampfsportarten typischen Kicks gezeigt, jedoch nicht in der Absicht, den Gegner zu treffen. «Es kann vorkommen, dass der Gegner berührt wird. Eigentlich gibt es aber keinen Körperkontakt und die Schläge sollten kontrolliert sein», sagt Omar. Die Vorführungen der brasilianischen Kunst erinnern dann auch stärker an einen Tanz, denn an einen Kampf.

Kein Sport, eine Lebensphilosophie

Die Capoeira-Neulinge müssen jedoch nicht nur akrobatische Elemente lernen. «Capoeira ist kein Sport, sondern eine Lebensphilosophie», sagt Omar. Zum Training gehört auch Kordeln flechten, Instrumente bauen und portugiesische Lieder lernen. Die Gesänge, die von Trommeln begleitet werden, haben eine ähnliche Funktion wie der klassische Sportkommentator: Sie beschreiben das Geschehen. So kann die Band die Kämpfer mit ihrem Gesang loben oder provozieren. Vor allem die Kleinsten zeigen dabei, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben: Obwohl viele kein Wort portugiesisch sprechen, singen sie lauthals mit.