1250 Quadratmeter der Geschäftsräume sind noch leer: So präsentiert sich aktuell das graue Wohn- und Geschäftshaus am Mellinger Lindenplatz. Alleine die neue Postfiliale hat ihre Glastüre seit Oktober geöffnet. Sie ist 250 Quadratmeter gross. Bauherrin des Gebäudes auf dem Areal «alte Post» ist die Tinoph AG aus Baden-Dättwil. Deren Geschäftsführer Christoph Schoop rechnet damit, dass alle Gewerbeflächen bis im Frühjahr vermietet sind.

Noch diesen September wollen Nuran Can und Özgür Asarav ihren Lebensmittelladen «Stop & Shop» eröffnen. Für die Mellinger wird damit der Einkauf rund um die Uhr wesentlich einfacher — er kommt in die Nähe der Altstadt, ist nicht mehr auf den Coop Pronto beim Bahnhof Heitersberg beschränkt. Can und Asarav planen Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr und ein ähnliches Sortiment wie viele Tankstellenshops. Zudem überlegen sie sich, Spezialitäten aus dem Balkan anzubieten, die es bei den Grossverteilern nicht gibt. «Es wäre schön, wenn wir uns als Quartierladen etablieren könnten», sagt Can. Auch Pendler, die beim Lindenplatz auf einen Bus warten, sollen dereinst ihre Wartezeit im «Stop & Shop» mit Kaffee und Gipfeli verkürzen. Die Pläne scheinen erfolgsversprechend: Zahlen von Postauto Schweiz zufolge halten hier täglich 360 Busse.

Wie viele weitere Firmen sich am Lindenplatz einrichten werden, ist noch offen. Ihre Geschäfte können je nach Bedarf zwischen 120 bis 500 Quadratmeter gross werden. «Persönlich wünsche ich mir hier ein Restaurant. Zum Lindenplatz würde das gut passen», sagt Christoph Schoop.

Pleite verhinderte Kinderkrippe

Auch die Kleintierpraxis Vetstation, früher an der Grossen Kirchgasse zu Hause, hatte ursprünglich vor, sich am Lindenplatz niederzulassen. Doch nun hat sie sich im Geerig-Center gegenüber dem Neugrüen-Quartier eingerichtet — also dort, wo auch zwei Kleiderläden, eine Apotheke, eine Migros mit Restaurant und ein Denner geschäften. Ebenfalls nicht verwirklicht wurde die geplante Kinderkrippe im ersten Stock — trotz unterzeichneten Mietvertrags. Die Badener Kinderkrippe Häsliburg wollte in Mellingen eine Filiale eröffnen, ging aber 2013 in Konkurs. Der grosse Raum für die Kinderkrippe im ersten Stock soll umgebaut werden, die Baubewilligung für fünf Wohnungen wird demnächst erwartet.

Die Wohnungen sind gefragt, sind alters- und behindertengerecht. In alle elf bereits bestehenden Wohnungen sind schon Mieter eingezogen. «Vorwiegend ältere Leute ziehen hier ein, die früher schon in Mellingen wohnten und nun zu ihren Wurzeln zurückkehren wollen», sagt Schoop, der aktuell mit verschiedenen Interessenten verhandelt, um die Gewerbeflächen vermieten zu können — spruchreif sei aber noch nichts. Jedenfalls rechnet er nicht damit, dass weitere Lebensmittelläden in das Geschäftshaus einziehen. Vielmehr denkt Schoop an eine Arztpraxis, einen Schuhladen oder eine Boutique. Und die von der Birrfeldstrasse abgewandte Gebäudeseite eigne sich vor allem für Büros.

Mit der baldigen Eröffnung des «Stop & Shop» erhält die linke Reussseite ein weiteres Detailhandelsgeschäft — zusätzlich zu Coop, Migros und Denner. Am Lindenplatz werden künftig der Reusstal-Kiosk, die Bäckerei Häntze und der «Stop and Shop» ihre Produkte anbieten. Ennet der Reuss am Zentralplatz, gegenüber dem früheren Coop, wird derweil eine ehemalige Bäckerei zu einer Wohnung umgebaut. Auch dieses Projekt betreut die Tinoph AG.

8,3 Millionen Franken investierte die Firma in den Bau des Wohn- und Geschäftshauses beim Lindenplatz. Sie hat das Areal 2009 der Gemeinde abgekauft, nachdem die Gemeindeversammlung den Verkauf beschlossen hatte. Der Preis lag bei 1,8 Millionen Franken.