Eigentlich wollte Doris K. (richtiger Name der Redaktion bekannt) aus Baden kürzlich nur fein essen gehen im Thai-Restaurant Old Siam in der Webermühle in Neuenhof. Doch der Abend endete für sie unliebsam. Denn als sie zu ihrem parkiertem Auto zurückkehrte, hatte sie eine Busse in Höhe von 45 Franken unter dem Scheibenwischer. Noch mehr als die Busse selbst nervt sie sich aber über die Parkplatz-Bewirtschaftung. «Die Gebühr für den Parkplatz kann man nur via App und SMS begleichen. Doch das gelingt längst nicht jedem.» Das sei eine absolute Schikane.

«Leider hatte es vor dem Restaurant keinen freien Parkplatz, weshalb ich mein Auto vis-à-vis auf einem der öffentlichen Parkfelder abstellte, wo man die ersten vier Stunden gratis parkieren darf.» Eine grosse Tafel weist die Parkplatzbenutzer darauf hin, sich per App oder SMS zu registrieren und so auch eine allfällige Parkgebühr zu begleichen. «So was habe ich noch nie gesehen. Muss ich jetzt immer ein Handy dabei haben, wenn ich auswärts essen gehe?» Trotz Hilfe ihres erwachsenen Sohnes hätten sie es nicht fertiggebracht, sich zu registrieren. «Also legte ich einen Zettel mit Destination, Ankunftszeit und Namen hinter die Windschutzscheibe. Sollte ja kein Problem sein, dachte ich, da die ersten vier Stunden ja ohnehin gratis sind.»

Nach rund zweieinhalb Stunden seien sie zum Auto zurückgekehrt, wo sie den Bussenzettel der Firma PPC Immoservice GmbH unter dem Scheibenwischer entdeckt hätten. «45 Franken für einen Parkplatz, der bis vier Stunden gratis ist. Wie soll man das verstehen?» Erfolglos habe sie die Busse bei der Firma angefochten; doch diese bestehe weiterhin auf den Betrag.

Private dürfen gar nicht büssen

Streng genommen handelt es sich gar nicht um eine Busse, sondern um eine sogenannte Umtriebsentschädigung, welche die PPC Immoservice GmbH im Auftrag der Eigentümerin, der Credit Suisse Real Estate Fund LivingPlus, erhebt. Denn Private dürfen auf privatem Grund keine Bussen verteilen. Und auf öffentlichen Grund – wie etwa in Baden – nur dann, wenn sie dies im Auftrag der öffentlichen Hand tun, die Firma ausgebildetes Personal beschäftigt und die Firma offiziell registriert ist.

Bruno Wüst, Geschäftsführer der PPC Immoservice GmbH, hat überhaupt kein Gehör für den Ärger von Doris K.. «Wir bewirtschaften diese öffentlichen Parkplätze in der Webermühle nun schon seit über sechs Jahren auf diese Weise. Grössere Probleme hat es deswegen noch nie gegeben.» Wer die App nicht herunterladen könne oder wolle, könne den Betrag auch per SMS überweisen respektive sich auch per SMS registrieren. «Dies auf diese Weise zu machen, sollte in der heutigen Zeit jedermann möglich sein», sagt Wüst. «Wenn man dann sein eigenes Unvermögen anderen in die Schuhe schiebt, finde ich das nicht in Ordnung.»